Solingen (NW) – Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (dfeug) fordert angesichts der aktuellen Wald- und Vegetationsbrände in Nordrhein-Westfalen ein flächendeckendes Gesamtkonzept für die Waldbrandbekämpfung. Im Kreis Düren war seit dem 13. August ein Großeinsatz gegen den Waldbrand im Hürtgenwald im Gange, der inzwischen als unter Kontrolle gilt. Ein großer Einsatz im Hochsauerlandkreis wurde am 16. August beendet. Die Gewerkschaft sieht unter anderem bei Ausstattung, Ausbildung, Schutzausrüstung sowie Personal- und Logistikkonzepten Handlungsbedarf.
Waldbrände beschäftigen Feuerwehren und Rettungskräfte zunehmend. Symbolbild: pixabay
Wie unterschiedlich die derzeitigen Brandlagen im Land sind, zeigen mehrere räumlich voneinander getrennte Beispiele. In Hürtgenwald (Kreis Düren) sind seit dem 13. August rund 300 Hektar betroffen. Der Brand gilt als der größte Waldbrand in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der amtlichen Datenerfassung 1991. Der Ortsteil Gey wurde zwischenzeitlich evakuiert. Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden erschweren die Löscharbeiten. In Marsberg-Helminghausen (Hochsauerlandkreis) wiederum brannten nach Angaben der Stadt Marsberg rund 35 Hektar Wald. Mehr als 650 Einsatzkräfte arbeiteten dort zwischen dem 13. und 16. August in wechselnden Schichten. Unterstützung kam unter anderem aus Düsseldorf, Krefeld, Kleve, Münster und Dortmund sowie aus den Kreisen Paderborn, Höxter und Waldeck-Frankenberg. Zeitweise war auch die Trinkwasserversorgung beeinträchtigt. Die Stadt bezeichnete die Lage als größten Feuerwehreinsatz der vergangenen Jahrzehnte im Stadtgebiet. Der eigentliche Löscheinsatz ist inzwischen beendet.
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An der Grenze zu Belgien bedrohte zudem ein größtenteils auf belgischer Seite liegender Waldbrand die Stadt Monschau: Die Behörden ordneten am 16. August die sofortige Evakuierung einzelner Straßenzüge im Monschauer Ortsteil Kalterherberg an, nachdem sich Teile des Brandgeschehens zeitweise bis auf wenige hundert Meter an die deutsche Grenze beziehungsweise die Bebauung genähert hatten. Regen und nachlassender Wind sorgten am Montag zunächst für etwas Entspannung. Nach Angaben der Stadt Monschau hatte sich die Lage bis zum Montagvormittag jedoch nicht durchgreifend geändert. Die Bewohner der evakuierten Bereiche Ruitzhof und Geisberg konnten zunächst nicht in ihre Häuser zurückkehren.
dfeug sieht Nachholbedarf bei Ausrüstung und Strukturen
Die dfeug erkennt an, dass Nordrhein-Westfalen bereits Maßnahmen für die Waldbrandbekämpfung umgesetzt hat. Aus einzelnen Verbesserungen müsse nach Auffassung der Gewerkschaft nun jedoch ein landesweit verfügbares System entstehen. Spezielle Ausrüstung wie geländegängige Fahrzeuge, Löschrucksäcke, Pumpen und Drohnen sei bislang nicht flächendeckend vorhanden. Auch bei Ausbildung und Schutzausrüstung sieht die Interessenvertretung Nachholbedarf.
Zugleich warnt die dfeug davor, Berufsfeuerwehren, hauptamtliche Kräfte und Freiwillige Feuerwehren gegeneinander auszuspielen. Insbesondere in ländlichen Regionen seien die Freiwilligen Feuerwehren unverzichtbar. Bei lang andauernden Einsatzlagen benötigten sie geeignete Ausstattung und Konzepte für die Ablösung der eingesetzten Kräfte.
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Auch die Unterstützung durch die Landwirtschaft will die Gewerkschaft stärker vorbereiten. Landwirte stellen bei solchen Einsätzen unter anderem Wasser und Maschinen zur Verfügung. Diese Zusammenarbeit solle künftig strukturierter organisiert werden.
Nach Auffassung der dfeug müssen die Vorbereitungen zudem stärker auf die jeweiligen Waldgebiete zugeschnitten werden. Schwer zugängliches Gelände, fehlende Löschwasserversorgung oder mit Munition belastete Flächen erforderten unterschiedliche Konzepte.
Zu den Forderungen der Gewerkschaft gehören bedarfsgerechte Ausstattung, verbindliche Waldbrandmodule, verpflichtende Aus- und Fortbildung sowie geeignete Schutzausrüstung. Hinzu kommen belastbare Personal- und Logistikkonzepte, eine Stärkung der Freiwilligen Feuerwehren und eine strukturierte Zusammenarbeit mit Landwirtschaft und Forst.
René Hill, stellvertretender Landesvorsitzender NRW der dfeug, erklärte, Klimaveränderungen zeigten, dass die Waldbrandbekämpfung dauerhaft einen höheren Stellenwert erhalten müsse. Aufgabe sei es, den Einsatzkräften dafür Ausbildung, Technik und geeignete Strukturen zur Verfügung zu stellen.