Braunschweig (NI) – Der Kreis Gifhorn will seine Leitstellenaufgaben künftig von der Integrierten Regionalleitstelle (IRLS) der Berufsfeuerwehr Braunschweig wahrnehmen lassen. Landrat Philipp Raulfs und Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum unterzeichneten am 3. September 2026 eine entsprechende Absichtserklärung. Ziel ist die Aufgabenübernahme zum 1. Januar 2028. Zuvor müssen unter anderem die Zweckvereinbarung sowie die technische und organisatorische Integration vorbereitet und die erforderlichen Beschlüsse gefasst werden.
Symbolbild: Raaf
Der Kreistag in Gifhorn hatte dem Vorhaben Ende August bereits grundsätzlich zugestimmt. Bis Ende 2026 wollen der Kreis und die Stadt Braunschweig die Einzelheiten in einer Zweckvereinbarung festlegen. Diese soll anschließend dem Rat der Stadt Braunschweig und dem Kreistag in Gifhorn zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Zusätzlich ist die Zustimmung der Kommunalaufsicht des Innenministeriums erforderlich.
Anzeige
Vorgesehen ist, sämtliche Mitarbeitenden der Gifhorner Leitstelle in die Braunschweiger Regionalleitstelle zu integrieren. Sie sollen dort eine langfristige berufliche Perspektive bei der Stadt Braunschweig erhalten. Raulfs hob bei der Unterzeichnung hervor, dass damit alle Beschäftigten wechseln sollen. Für die Übernahme der Leitstellenaufgaben soll Braunschweig vom Kreis Gifhorn ein Entgelt erhalten. Ein entsprechendes Modell besteht bereits mit den Kreisen Peine und Wolfenbüttel.
Für die Feuerwehren und den Rettungsdienst im Kreis Gifhorn soll sich an der Stationierung nichts ändern. Die Einsatzkräfte bleiben weiterhin vor Ort. Künftig würden lediglich die Notrufe in Braunschweig eingehen sowie Alarmierung und Koordination von dort erfolgen.
Bis zur geplanten Aufgabenübernahme sind noch mehrere organisatorische und technische Schritte vorgesehen. Zu klären sind insbesondere der Personalübergang, die technische Integration und das Qualitätsmanagement. Grundlage soll ein gemeinsames Migrations- und Umsetzungskonzept sein. Vor Beginn des Regelbetriebs wollen beide Kommunen die erforderlichen technischen und organisatorischen Tests durchführen und anschließend gemeinsam die Betriebsbereitschaft feststellen.
Auch die Finanzierung muss noch im Detail festgelegt werden. Angestrebt wird nach Angaben der beiden Kommunen eine verursachergerechte und dauerhaft tragfähige Kostenverteilung. Betriebs- und Investitionskosten sollen mit den Kostenträgern des Rettungsdienstes verhandelt werden.
Gifhorn wäre der dritte Kreis, dessen Leitstellenaufgaben die Stadt Braunschweig übernimmt. Seit 2006 erledigt Braunschweig die Leitstellenaufgaben für den Kreis Peine, seit 2007 auch für den Kreis Wolfenbüttel. Das heutige Leitstellengebäude ging 2022 in Betrieb. Nach Angaben der Stadt wurden seine Kapazitäten so ausgelegt, dass dort zusätzliche Mitarbeitende eingesetzt werden können.
Aktuell arbeiten 110 Personen in der IRLS Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine. Sie ist für rund 505.000 Einwohnerinnen und Einwohner zuständig. Im Jahr 2025 nahm die Leitstelle 252.000 Anrufe entgegen, darunter 118.000 Notrufe über die 112, und dokumentierte 166.000 Einsatzvorgänge.
Zur technischen Ausstattung gehören ein hoher Digitalisierungsgrad, detaillierte Geoinformationssysteme, die automatische Ortung von Notrufenden sowie die Echtzeitübertragung der Standorte von Einsatzfahrzeugen.