Haldensleben (ST) – Die Integrierte Leitstelle des Landkreises Börde nutzt eine KI-gestützte Übersetzungslösung, um fremdsprachige Notrufe bearbeiten zu können. Das gemeinsam mit dem Berliner Unternehmen eMessage entwickelte System eloquentia erkennt Sprachen automatisch und übersetzt Gespräche in Echtzeit. Eine Besonderheit ist die lokale Datenverarbeitung: Sämtliche Informationen bleiben auf den Servern des Kreises und werden nicht an externe Dienste übertragen.
Symbolfoto: Michael Rüffer
Der Kreis Börde ist durch den Transitverkehr auf den Autobahnen A2 und A14 geprägt. In der Leitstelle gehen regelmäßig Notrufe von Menschen ein, die nur wenig oder kein Deutsch sprechen. Für die Disponenten erschwert dies die Verständigung und die Aufnahme einsatzrelevanter Informationen.
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Um die Kommunikation zu verbessern, prüfte der Kreis zunächst verschiedene verfügbare Übersetzungslösungen. Nach Angaben von e*Message erfüllte jedoch keines der untersuchten Systeme sämtliche Anforderungen hinsichtlich Geschwindigkeit, Datenschutz, Informationssicherheit und praktischer Bedienbarkeit.
Daraufhin entwickelten der Kreis und das Unternehmen gemeinsam eine Anwendung, die auf die Arbeitsabläufe der Integrierten Leitstelle in Haldensleben abgestimmt ist.
Automatische Spracherkennung und Echtzeitübersetzung
Das System e*loquentia erkennt die gesprochene Sprache eines Anrufers automatisch und übersetzt sie während des Gesprächs. Nach Angaben des Herstellers funktioniert dies auch bei aufgeregten Anrufern und störenden Hintergrundgeräuschen.
Die übersetzten Informationen werden dokumentiert und stehen unmittelbar für die weitere Einsatzbearbeitung zur Verfügung. Sie können außerdem an andere beteiligte Behörden und Organisationen wie Polizei oder Rettungsdienst weitergegeben werden.
Die Anwendung ist als sogenannte On-Premises-Lösung installiert. Die Verarbeitung der Gesprächsdaten erfolgt damit vollständig auf Servern des Kreises Börde. Sensible Informationen verlassen nach Angaben von e*Message das lokale System nicht.
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Daniel Kraft, Sachgebietsleiter der Integrierten Leitstelle im Kreis Börde, bewertet die gemeinsam entwickelte Anwendung positiv.
„Aufgrund dieser partnerschaftlichen Zusammenarbeit konnten wir gemeinsam ein sicheres, ausgereiftes und leicht zu nutzendes Spracherkennungs- und Übersetzungstool im Rahmen der kommunalen Digitalisierung entwickeln, das uns einen immensen Mehrwert in der täglichen Arbeit bietet.“
Nach Angaben von e*Message fallen auch die bisherigen Rückmeldungen aus dem Leitstellenbetrieb positiv aus. Die Anwendung lasse sich intuitiv bedienen und erleichtere den Disponenten die Bearbeitung fremdsprachiger Notrufe.
Konkrete Angaben zur Zahl der bereits übersetzten Gespräche oder zu messbaren Zeitersparnissen liegen nicht vor.
Zusammenarbeit bei der Alarmierung seit 2009
Die Entwicklung der Übersetzungslösung baut auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Kreis Börde und e*Message auf.
Seit 2009 nutzt der Kreis das System e*BOS für die Alarmierung der Feuerwehren und zur Warnung der Bevölkerung. Dafür wurde auf Grundlage der vorhandenen Zentraltechnik und Satellitenanbindung des Unternehmens ein eigenständiges regionales POCSAG-Alarmierungsnetz aufgebaut.
Die Infrastruktur umfasst inzwischen mehr als 3.000 digitale Meldeempfänger, 280 Sirenen und 20 Sendestationen. Die verschlüsselte Alarmierung arbeitet unabhängig von öffentlichen Mobilfunknetzen.
Mit der neuen Übersetzungsanwendung erweitert der Kreis seine bestehende Kommunikationsinfrastruktur um eine Unterstützung für die Notrufannahme.
Dirk Nopens, Geschäftsführer von e*Message, bezeichnet die langjährige Zusammenarbeit als Grundlage für die gemeinsame Entwicklung. Ziel sei es, Disponenten bei fremdsprachigen Notrufen zu unterstützen, damit sie sich auf die Einsatzbearbeitung konzentrieren können.