Gefahrguteinsatz im Kreis Rotenburg (Wümme)

250 Einsatzkräfte bei 15-stündigem Gefahrguteinsatz

Bremervörde (NI) – Ein Ammoniakaustritt in einem Betrieb im Kreis Rotenburg (Wümme) hat schon am Montag (2. November 2026) einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Eine Person wurde schwer verletzt, weitere 41 Menschen mussten betreut werden. Rund 250 Einsatzkräfte waren an der Bewältigung der Gefahrstofflage beteiligt. Mit Chemikalienschutzanzügen, umfangreichen Messungen und Wassernebel verhinderten sie eine weitere Ausbreitung des Ammoniaks. Erst nach rund 15,5 Stunden konnte die Einsatzstelle an die Polizei übergeben werden.

Rund 250 Einsatzkräfte waren bei einem Ammoniakaustritt in einem Betrieb in Bremervörde (NI) im Einsatz. Unter Chemikalienschutzanzügen arbeiteten Feuerwehrkräfte an der betroffenen Anlage. Mit Wassernebel und umfangreichen Messungen verhinderten sie eine weitere Ausbreitung des Gefahrstoffs. (Bild: Stadtfeuerwehr Bremervörde)

Ausgelöst wurde der Einsatz laut der Feuerwehr durch Rückbauarbeiten in einem Betrieb an der Hansestraße. Dabei beschädigte ein Arbeiter mit einem Winkelschleifer eine Leitung, aus der anschließend Ammoniak austrat. Gegen 13 Uhr alarmierte zunächst eine Brandmeldeanlage die Feuerwehr. Als die Einsatzkräfte den Gefahrstoffaustritt feststellten, erhöhten sie das Stichwort auf „Gefahrgut 2 – GEF2“ und forderten weitere Einheiten an.

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Feuerwehr räumt Betriebe und setzt Chemikalienschutzanzüge ein

Unter der Leitung von Hendrik Holst, Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Bremervörde, ließen die Einsatzkräfte zunächst das unmittelbare Umfeld der Schadenstelle großräumig räumen. Auch Beschäftigte benachbarter Unternehmen mussten ihre Arbeitsplätze verlassen. Der städtische Bauhof unterstützte bei der Absperrung des betroffenen Bereichs.

Eine schwer verletzte Person wurde in ein Krankenhaus transportiert. Weitere 41 Menschen betreuten Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Sie konnten anschließend nach Hause entlassen werden. Das Feuerwehrgerätehaus Bremervörde diente währenddessen als Betreuungsstelle.

Für die Bevölkerung außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs bestand nach Angaben der Feuerwehr keine Gefährdung. Vorsorglich sollten Anwohner dennoch Fenster und Türen geschlossen halten und Lüftungsanlagen mit Außenluftzufuhr abschalten. Die Ausbreitung des Ammoniaks in Richtung der Justizvollzugsanstalt Bremervörde wurde engmaschig überwacht und verhindert.

Ammoniakwolke mit Wassernebel niedergeschlagen

Nach der Absicherung der Umgebung konzentrierte sich die Feuerwehr auf die betroffene Leitung. Einsatzkräfte schieberten diese zunächst ab und leiteten anschließend ein kontrolliertes Entweichen des verbliebenen Ammoniaks ein.

Zahlreiche Atemschutzgeräteträger arbeiteten dabei in Chemikalienschutzanzügen. Parallel führten die Einsatzkräfte fortlaufend Messungen durch, um die Konzentration des Gefahrstoffs zu überwachen.

Um die Ausbreitung der austretenden Ammoniakwolke einzudämmen, setzten die Feuerwehrkräfte Wassernebel ein. Erst als die Messwerte ein weiteres Vorgehen zuließen, konnte ein Techniker unter Atemschutz mit Filtergerät die gesamte Anlage abschiebern.

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Spezialkräfte aus Hamburg und Stade unterstützen

Der Gefahrguteinsatz erforderte Unterstützung aus mehreren Städten und Kreisen. Neben den Feuerwehren Bremervörde, Nieder Ochtenhausen, Spreckens, Hesedorf, Hönau-Lindorf und Iselersheim waren Einheiten aus Zeven, Gnarrenburg, Oerel und Sottrum beteiligt. Hinzu kam der Gefahrgutzug des Kreises Rotenburg (Wümme).

Aus dem Kreis Stade rückten der dortige Gefahrgutzug und ein Gerätewagen Messtechnik an. Auch die Werkfeuerwehr DOW aus Stade unterstützte die Arbeiten.

Die Berufsfeuerwehr Hamburg brachte das Messsystem SIGIS und Kräfte der Analytischen Task Force (ATF) ein. Zusätzlich stellte die Werkfeuerwehr Airbus aus Finkenwerder einen Großlüfter bereit. Mit diesem belüfteten die Einsatzkräfte die betroffene Halle, um das darin verbliebene Ammoniak aus dem Gebäude abzuführen.

Das DRK übernahm neben der Betreuung betroffener Personen und der Verpflegung der Einsatzkräfte auch die Überwachung der Einsatzstelle aus der Luft mit einer Drohne. Beteiligt waren zudem der Rettungsdienst, die Polizei, die Sanitäts- und Betreuungszüge 1 und 2 sowie weitere DRK-Bereitschaften.

Auf Führungsebene waren unter anderem der Kreisbrandmeister, der Abschnittsleiter, der Stadtbrandmeister und dessen Stellvertreter eingebunden.

Einsatzstelle nach 15,5 Stunden übergeben

Am Dienstagmorgen (3. November) gegen 4:30 Uhr übergab die Feuerwehr die Einsatzstelle an die Polizei. Damit endeten nach rund 15,5 Stunden die unmittelbaren Einsatzmaßnahmen vor Ort. Aufräumarbeiten, Nachbereitung und die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft beschäftigten die Feuerwehr anschließend weiter.

Die benachbarten Unternehmen konnten ihren Betrieb inzwischen wieder regulär aufnehmen. Das unmittelbar betroffene Gebäude blieb dagegen weiterhin für den Zutritt gesperrt.

Die Polizei ermittelt zu dem Arbeitsunfall. Angaben zur Höhe des entstandenen Schadens liegen seitens der Feuerwehr nicht vor.

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