Berlin (BE) – Der Landesverband Berlin-Brandenburg der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (dfeug) fordert einen eigenständigen Laufbahnzweig für den Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr. Nach Angaben der Gewerkschaft entfallen neun von zehn Einsätzen auf den Rettungsdienst. Trotzdem müssen ausgebildete Notfallsanitäter für den Eintritt in die Beamtenlaufbahn einen feuerwehrtechnischen Vorbereitungsdienst absolvieren. Die dfeug hält diese Vorgabe für nicht mehr zeitgemäß und will eine entsprechende Reform im kommenden Koalitionsvertrag verankern.
Grafik: 91% der Einsätze sind Rettungsdienst. Eine eigene Laufbahn dafür gibt es nicht. (Bild: Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft)
Manuel Barth, Vorsitzender des dfeug-Landesverbandes Berlin-Brandenburg, kritisiert insbesondere die Zugangsvoraussetzungen und die Ausbildungsdauer. Während Notärzte im höheren Dienst bereits ohne feuerwehrtechnische oder Verwaltungslaufbahn verbeamtet werden können, ist für Notfallsanitäter weiterhin ein feuerwehrtechnischer Vorbereitungsdienst vorgeschrieben.
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Hinzu kommt der Nachweis einer besonderen körperlichen und gesundheitlichen Eignung. Nach Angaben der Gewerkschaft gehört dazu auch eine Mindestkörpergröße von 165 Zentimetern, die nicht gesetzlich festgeschrieben sei.
Besonders deutlich wird die Kritik bei bereits ausgebildeten Notfallsanitätern. Sie müssen laut dfeug einen sechsmonatigen feuerwehrtechnischen Vorbereitungsdienst durchlaufen, obwohl sie anschließend gemäß Stellenausschreibung ausschließlich auf Rettungswagen eingesetzt werden.
Die Gewerkschaft sieht darin einen unnötigen Aufwand für Ausbildungspersonal, Lehrgangskapazitäten und Dienstzeit.
„Wir vermitteln Wissen, das am Tag nach der Prüfung in der Schublade verschwindet. Eine Laufbahn soll abbilden, was eine Laufbahn tatsächlich macht“, erklärt Barth.
Aus Sicht des Landesverbandes berücksichtigt das bestehende Laufbahnrecht die zunehmende Spezialisierung des Rettungsdienstes nicht ausreichend.
Mindestkörpergröße als Zugangshürde
Die dfeug weist außerdem auf mögliche Auswirkungen der Zugangsvoraussetzungen auf Bewerberinnen hin.
Nach ihren Angaben kommen 82 Prozent der weiblichen Auszubildenden der Berliner Feuerwehr über den Rettungsdienst-Einstieg. Gleichzeitig verweist die Gewerkschaft auf eine durchschnittliche Körpergröße von 1,66 Metern bei Frauen in Deutschland.
Barth sieht die bisherigen Anforderungen deshalb kritisch. Das Laufbahnrecht müsse die veränderten Aufgaben und beruflichen Realitäten im Rettungsdienst stärker berücksichtigen.
Der geforderte Rettungsdienstzweig soll nach den Vorstellungen der dfeug in der Feuerwehr-Laufbahnverordnung verankert werden.
Damit verbindet die Gewerkschaft zwei Ziele: Einerseits sollen Rettungsdienstkräfte eigene Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb ihrer fachlichen Spezialisierung erhalten. Andererseits soll ein Wechsel zwischen dem feuerwehrtechnischen Dienst und dem Rettungsdienst weiterhin in beide Richtungen möglich bleiben.
Fehlende berufliche Perspektiven gehören nach Darstellung des Landesverbandes zu den wesentlichen Gründen, warum Beschäftigte den Rettungsdienst verlassen.
Ein eigener Laufbahnzweig soll deshalb nicht nur den Berufseinstieg verändern, sondern auch Entwicklungsmöglichkeiten im weiteren Berufsleben schaffen.
Senat prüft Reform nach Gewerkschaftsangaben seit 2022
Nach Angaben der dfeug beschäftigt sich der Berliner Senat bereits seit 2022 mit der Einführung eines eigenständigen Laufbahnzweigs für den Rettungsdienst. Ein Ergebnis liege bislang nicht vor.
Für die Umsetzung wäre nach Einschätzung der Gewerkschaft eine Änderung der Feuerwehr-Laufbahnverordnung ausreichend.
Als Beispiel für eine zügige Anpassung führt der Landesverband die Neuregelung der Spitzenämter der Feuerwehr im Dezember 2025 an. Diese sei acht Tage nach der entsprechenden Beschlussempfehlung ausgefertigt worden.
Die dfeug fordert nun, den eigenständigen Laufbahnzweig Rettungsdienst im kommenden Koalitionsvertrag festzuschreiben.