New York (USA) – Am 11. September 2001 sterben bei den Terroranschlägen in den USA 2.977 Menschen, darunter 343 Feuerwehrleute. Der Einsatz am World Trade Center offenbart Probleme bei Kommunikation, Führung und Kräfteerfassung, deren Aufarbeitung das FDNY nachhaltig verändert. 25 Jahre später berichten der heutige Chief of Department John M. Esposito und der Frankfurter Leitende Branddirektor Andreas Ruhs, welche Lehren bis heute für Feuerwehren relevant sind.
Rauchende Zwillingstürme des World Trade Center in New York nach den Terroranschlägen am 11. September 2001. (Bild: shutterstock.com/rawpixel.com)
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Kommunikation wird zum Schlüsselthema
Als um 8:46 Uhr New Yorker Ortszeit ein Passagierflugzeug in den Nordturm des World Trade Centers einschlägt, richtet ein Battalion Chief des Fire Department of the City of New York (FDNY) wenige Minuten später die Einsatzleitung in der Lobby ein. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der Evakuierung und der Rettung von Menschen aus dem Gebäude.
17 Minuten nach dem ersten Einschlag trifft ein zweites Flugzeug den Südturm. Mehr als 200 Löscheinheiten und über 100 Rettungswagen kommen zum Einsatz. Doch nicht alle Einheiten melden sich an den vorgesehenen Bereitstellungsräumen. Gleichzeitig funktioniert das Repeater-System für die Handfunkgeräte im World Trade Center nicht zuverlässig. Die Einsatzleitung kann deshalb nur eingeschränkt nachvollziehen, welche Kräfte sich wo befinden und ob Befehle die Trupps erreichen.
Hinzu kommt ein fehlender Informationsaustausch zwischen Polizei und Feuerwehr. Erkenntnisse aus der Luft zur Lage an den Türmen gelangen nicht zur Einsatzleitung.
Um 9:59 Uhr stürzt der Südturm ein, um 10:29 Uhr folgt der Nordturm. Nach dem ersten Einsturz erreicht ein Räumungsbefehl die Einsatzkräfte im zweiten Gebäude nur teilweise. Auch der Kommandoposten wird zerstört. Erst etwa eine Stunde nach dem Einsturz des Nordturms kann wieder eine Gesamtleitung hergestellt werden.
Konsequenzen für Führung und Kräfteerfassung
Das FDNY arbeitet den Einsatz anschließend umfassend auf. Bereits 2002 dokumentiert ein von der Feuerwehr in Auftrag gegebener Bericht unter anderem Schwächen bei Kommunikation, Führung, Bereitstellung und Kräfteerfassung.
Viele Konsequenzen daraus prägen den Einsatzdienst bis heute. Kommandofahrzeuge können nach Angaben von Esposito auf die Frequenzen der Einsatzkräfte umschalten und Durchsagen senden. Das FDNY verändert zudem sein System zur Kräfteerfassung, führt Incident Management Teams ein und baut weitere Fähigkeiten für große Schadenslagen aus.
Auch Einsatzhygiene, Atemschutz und der Umgang mit psychischen Belastungen erhalten nach dem 11. September größere Bedeutung. Dazu kommt: Die Staubwolke nach dem Einsturz der Türme enthielt zahlreiche gesundheitsgefährdende Stoffe. Mittlerweile sind weit mehr Einsatzkräfte an den Folgen des Einsatzes gestorben als am Tag der Anschläge selbst.
Lehren auch für deutsche Feuerwehren
Für Andreas Ruhs, Leitender Branddirektor bei der Feuerwehr Frankfurt am Main und Leiter des gemeinsamen Fachausschusses Einsatz und Taktik von DFV und AGBF, ist 9/11 ein Initialereignis der jüngeren Feuerwehrgeschichte. Der Anschlag habe gezeigt, dass Großschadenslagen dieses Ausmaßes auch gezielt von Menschen verursacht werden können.
Für Feuerwehren gehe es deshalb darum, unterschiedliche Fähigkeiten vorzuhalten und eingeübte Abläufe situationsgerecht abrufen zu können. Auch die Einsatzstellenhygiene habe in Deutschland heute einen deutlich anderen Stellenwert als zu Beginn der 2000er-Jahre. Mehrstufige Hygienekonzepte und ein breiterer Atemschutzeinsatz seien mittlerweile Standard.
Mehr im Heft: In Feuerwehr-Magazin 9/2026 rekonstruieren wir den Einsatz am World Trade Center, zeigen die entscheidenden Probleme bei Führung und Kommunikation und erklären, welche Konsequenzen das FDNY daraus gezogen hat. John M. Esposito schildert die Entwicklung aus Sicht der New Yorker Feuerwehr. Andreas Ruhs ordnet ein, welche Bedeutung 9/11 für Feuerwehren in Deutschland hat. Auch die Entwicklung der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte wird betrachtet.