Kleve-Schenkenschanz (NW) – Für den Hochwasserfall gelten in Schenkenschanz feste Maßnahmen ab definierten Pegelständen. Am 18. Juli 2026 übte die Löschgruppe Schenkenschanz der Freiwilligen Feuerwehr Kleve gemeinsam mit Vertretern des Deichverbandes, wie die beiden Hochwassertore geschlossen und anschließend mit jeweils zwei Dammbalkenreihen gesichert werden. Angehörige von THW und DRK begleiteten das Training.
Rund 20 Kilogramm wiegt jedes Element. Für die maximale Schutzhöhe setzen die Einsatzkräfte zwölf Balken übereinander. (Bild: Feuerwehr Kleve)
Schenkenschanz zählte 2016 knapp 100 Einwohner. Seit April 2016 besitzt der Klever Ortsteil nur noch eine Straßenverbindung: Sie führt über die Altrheinbrücke in Griethausen und anschließend über die Deichstraße. Bei Hochwasser kann diese Verbindung frühzeitig ausfallen.
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Deshalb beginnt die Vorbereitung, bevor die Tore benötigt werden. Ab 7,20 Metern am Pegel Emmerich bringen Feuerwehr und THW zusätzliches Material in Stellung. Ein Mannschaftstransportfahrzeug der Feuerwehr sowie ein Krankentransportwagen werden nach Schenkenschanz verlegt.
Steigt der Pegel auf 7,40 Meter, wird die Brücke bei Griethausen überflutet. Der Ort ist dann auf dem Landweg abgeschnitten. Das THW richtet einen Pendelverkehr rund um die Uhr ein. Bei medizinischen Notfällen wird zusätzlich zum Rettungsdienst auch die Feuerwehr alarmiert.
Ab 8,50 Metern beginnen die konkreten Vorbereitungen zum Schließen der Hochwassertore. Das Rheintor am Ortseingang wird bei 8,80 Metern geschlossen. Bei 9 Metern folgt das dahinterliegende Burgtor. Die unterschiedlichen Schwellen ergeben sich nach Angaben der Feuerwehr Kleve aus den geografischen Bedingungen vor Ort.
Zwei Dammbalkenreihen hinter jedem Tor
Mit dem Schließen der Tore ist der Aufbau noch nicht beendet. Hinter jedem Tor setzen die Einsatzkräfte zwei Reihen aus Dammbalken ein. Die zweite Reihe dient als Redundanz.
Die dafür vorgesehenen Aluminiumbalken lagern in einem eigenen Schuppen. Vor dem Einsetzen lösen die Einsatzkräfte seitliche Verkleidungen an den Toranlagen. Danach werden die jeweils rund 20 Kilogramm schweren Elemente in fest installierte Führungen geschoben. Zwölf übereinandergesetzte Balken ergeben die maximale Schutzhöhe.
An der Toranlage lösen die Einsatzkräfte zunächst die seitlichen Verkleidungen. Erst danach lassen sich die Dammbalken in die fest installierten Führungen einschieben. (Bild: Feuerwehr Kleve)
Ein Spanner hält die Konstruktion in Position; ohne ihn würden die Balken bei steigendem Wasser aufschwimmen. Für die Arbeiten werden mindestens sechs Einsatzkräfte benötigt.
Anschließend fluten die Einsatzkräfte kontrolliert die Zwischenräume zwischen dem geschlossenen Tor und den beiden dahinterliegenden Dammbalkenreihen. Das Wasser dringt dabei auch in die hohlen Balken ein, die dadurch an Gewicht gewinnen. Zugleich lässt sich die Dichtigkeit kontrollieren. Im Hochwasserfall reduziert das Wasser in den Zwischenräumen außerdem den Druck auf das vordere Tor.
Handgriffe sollen auch nach einem Jahr sitzen
Der Übung lag kein konkretes Schadensszenario zugrunde. Im Mittelpunkt stand der sichere Umgang mit den Toren und der Balkensicherung.
Die Löschgruppe wiederholt den Aufbau einmal jährlich. In diesem Jahr fiel die Übung in die Woche, in der sich die Flutkatastrophe von 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zum fünften Mal jährte.
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Da die Pegelentwicklung fortlaufend beobachtet wird, können die Einsatzkräfte frühzeitig reagieren. Die Anlage lässt sich deshalb ohne den unmittelbaren Zeitdruck errichten, der viele andere Feuerwehreinsätze prägt.
Die Arbeiten begannen um 10 Uhr. Nach dem vollständigen Aufbau nahmen die Einsatzkräfte die Dammbalkensicherung wieder auseinander und lagerten die Bauteile ein. Danach konnte die zeitweise gesperrte Zufahrt wieder geöffnet werden. Einschließlich der Nachbesprechung dauerte die Übung bis gegen 13:30 Uhr.
Feuerwehr bereitet sich auf medizinische Notfälle vor
Der Hochwasseralarmplan der Stadt Kleve berücksichtigt auch die medizinische Versorgung im Ort. Die Löschgruppe Schenkenschanz beschäftigte sich darüber hinaus mit der Frage, wie Patienten versorgt werden können, wenn der Rettungsdienst den Ort nicht mehr über die Straße erreicht.
Elf Mitglieder absolvierten 2026 freiwillig eine zusätzliche Ausbildung bei der DRK-Bereitschaft Kleve-Geldern. Michael Welbers und Ralf Winkels vermittelten an drei Übungsabenden Grundlagen der Erstversorgung. Dazu gehörten das Vorgehen nach dem XABCDE-Schema, die Reanimation, die Stabilisierung der Halswirbelsäule, das Schienen von Frakturen sowie das Messen von Blutdruck und Sauerstoffsättigung.
Mindestens sechs Einsatzkräfte sind nötig, um die Hochwasserschutzeinrichtungen vollständig aufzubauen. (Bild: Feuerwehr Kleve)
Für solche Lagen verfügt die Löschgruppe über zwei speziell ausgestattete Notfallrucksäcke. Tritt der Hochwasseralarmplan in Kraft, bleiben drei Mitglieder der Einheit ständig in Schenkenschanz. Ihre Arbeitgeber stellen sie dafür frei; wo möglich, arbeiten sie aus dem Homeoffice.
Der ab 7,20 Metern im Ort bereitgestellte Krankentransportwagen wird innerhalb der Hochwasserschutzmauern stationiert. Bei einem medizinischen Notfall können die Feuerwehrleute mit der Versorgung beginnen, bevor weitere Hilfe den Ort erreicht, und Patienten anschließend mit dem Fahrzeug zum Fähranleger bringen.
Hochwasser von 1995 führte zum Neubau
Das heutige Schutzsystem geht auf die Erfahrungen des Rheinhochwassers von 1995 zurück. Die Wasserschutzpolizei Emmerich ging damals davon aus, dass der Scheitel bei einem Pegelstand von etwa 9,81 Metern erreicht sei.
Nach damaligen Berichten von Rheinischer Post und NRZ wurden etwa 90 Senioren, Kinder und Frauen mit einem Ponton von Bundeswehr-Pionieren nach Düffelward gebracht. Rund 30 Männer blieben in Schenkenschanz und arbeiteten weiter am Schutz des Ortes.
Nach Darstellung des Heimatvereins Schenkenschanz stand die damalige Schutzmauer von 1930 unter erheblichem Druck. Das Wasser hatte den Untergrund stark aufgeweicht. Feuerwehrleute kontrollierten drei Tage und Nächte lang die Mauer und die Deiche, verteilten Tausende Sandsäcke und dichteten die mit Balken verschlossenen Dorftore zusätzlich mit Kuhmist ab.
Dem Heimatverein zufolge begann der Deichverband Xanten-Kleve im Juli 1998 mit dem Bau einer neuen Anlage, die im August 2000 eingeweiht wurde. Neben den schweren Toren entstand eine neue Hochwasserschutzmauer. Ihre Abdichtung reicht tief in den Boden und soll verhindern, dass Wasser die Anlage unterströmt. Stahlrohre und Spundwände, mit Beton verfüllt, reichen bis zu 14 Meter in den Untergrund.
Kontrolliertes Fluten: Wasser läuft in den Zwischenraum zwischen Tor und Dammbalkenreihe. Der Aufbau lässt sich so auf Dichtigkeit prüfen – zugleich füllen sich die hohlen Aluminiumbalken und gewinnen an Gewicht. (Bild: Feuerwehr Kleve)
Heute übernehmen geführte Aluminiumbalken und das kontrollierte Fluten die zusätzliche Sicherung hinter den geschlossenen Toren.
Löschgruppenführer und Übungsorganisator Michael Schweers bewertete das Training als sehr aufschlussreich. Es sei wichtig, die Abläufe jedes Jahr praktisch zu üben und die benötigten Handgriffe regelmäßig zu wiederholen.