Friedrichstadt (SH) – Ein Kurzschluss im Hochspannungsnetz hat am Sonntag im Kreis Nordfriesland und vier weiteren Kreisen Schleswig-Holsteins einen großflächigen Stromausfall ausgelöst. Nach Angaben des Netzbetreibers SH Netz waren zeitweise bis zu 40.000 Haushalte betroffen. Die Feuerwehren mussten unter anderem zu Gebäudebränden und qualmenden Hausanschlusskästen ausrücken sowie die Versorgung eines Beatmungsgeräts sicherstellen.
Feuerwehrkräfte bekämpfen den Brand an einem Reetdachhaus. Während des großflächigen Stromausfalls in Schleswig-Holstein kam es zu mehreren Bränden, die möglicherweise durch Überspannung im Stromnetz ausgelöst wurden. (Bild: NEWS5 /Peters)
In Friedrichstadt rückte die Feuerwehr zu mehreren Einsätzen aus. In einem Alten- und Pflegeheim, das keinen Strom mehr hatte, sorgten die Einsatzkräfte mithilfe eines Stromgeräts dafür, dass ein Beatmungsgerät weiterlaufen konnte. Außerdem mussten sie sich in verschiedenen Straßen um qualmende Hausanschlusskästen kümmern, wie Wehrführer Hendrik Pyhsa gegenüber dem NDR berichtete.
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Im Kreis Dithmarschen geriet unterdessen ein Reetdachhaus in Bunsoh in Brand. Die Einsatzkräfte konnten das Gebäude nicht mehr retten. Nach Einschätzung der Polizei könnte eine zeitweise zu hohe Spannung im Stromnetz das Feuer ausgelöst haben. Auch an anderen Gebäuden kam es zu Bränden. Landrat Thorben Schütt berichtete zudem von Schäden an elektrischen Anlagen in Privathaushalten.
Kurzschluss im 110.000-Volt-Netz
Nach Angaben von SH Netz begann die Störung gegen 9:30 Uhr mit einem Kurzschluss im 110.000-Volt-Hochspannungsnetz. Dadurch kam es zu einer Überspannung, woraufhin sich mehrere Umspannwerke abschalteten. In einer Anlage bei Friedrichstadt explodierte ein Überspannungsableiter.
Betroffen waren Gemeinden in den Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg und Steinburg. In der Spitze hatten laut Netzbetreiber bis zu 40.000 Haushalte rund zwei Stunden lang keinen Strom. Durch Umschaltungen konnte SH Netz gegen Mittag einen Großteil der Versorgung wiederherstellen.
Am Sonntagnachmittag führte ein Folgefehler im Umspannwerk Linden (Kreis Dithmarschen) erneut zu Ausfällen in einigen Tausend Wohnungen. Laut SH Netz löste eine Kettenreaktion dort einen Brand aus. Weshalb es ursprünglich zu dem Kurzschluss im Hochspannungsnetz kam, war am Montagmorgen noch ungeklärt.
PDF-Download: Download: Zappenduster- Vorbereiten auf den Blackout
Zappenduster: Dieses E-Dossier zeigt, wie sich Feuerwehren auf einen länger andauernden Stromausfall vorbereiten können – von Notstrom über Kommunikation bis zur Notrufannahme.
Der Kreis Dithmarschen aktivierte angesichts der Ausfälle seinen Krisenstab. Dieser stand nach Angaben von Landrat Schütt in engem Austausch mit den Feuerwehren, der Polizei, den Gemeinden und dem Netzbetreiber.
Die Kommunikation zwischen den Rettungskräften habe während der Störung gut funktioniert, erklärte Schütt. Schwierigkeiten habe es dagegen bei der Information der Bevölkerung gegeben. In einigen betroffenen Gebieten war neben der Stromversorgung auch das Mobilfunknetz ausgefallen.
Am Sonntag um 15 Uhr waren insbesondere im Amt Eider sowie in der Umgebung von Linden, Henstedt, Pahlen und Tellingstedt noch nicht alle Haushalte wieder am Netz.
Nach Abschluss der Lage will der Kreis untersuchen, welche Schäden entstanden sind, welche Auswirkungen sie hatten und wie die beteiligten Stellen damit umgegangen sind.
Netzbetreiber warnt vor Folgeschäden
Auch nach der Wiederherstellung der Stromversorgung können beschädigte elektrische Anlagen ein Problem darstellen. SH Netz empfiehlt deshalb, Sicherungskästen und Hausinstallationen in den betroffenen Gebieten möglichst durch Fachbetriebe auf Schäden und Brandspuren überprüfen zu lassen.
Techniker des Netzbetreibers waren noch bis Mitternacht im Einsatz. Sie tauschten in Dutzenden Haushalten durchgeschmorte Stromzähler aus.
Wer Schäden an Elektrogeräten durch die Überspannung feststellt, soll diese nach Empfehlung von SH Netz dokumentieren und beim Netzbetreiber einreichen. Dessen Versicherung prüft anschließend, ob eine Entschädigung erfolgt.
Landrat Schütt appellierte außerdem an die Bevölkerung, auf auffällige Veränderungen an elektrischen Anlagen zu achten. So solle verhindert werden, dass sich unerkannte Schäden später zu Schwelbränden entwickeln. Bei entsprechenden Auffälligkeiten sollten Betroffene den Netzbetreiber kontaktieren und bei einem Brand die Feuerwehr verständigen.