Innsbruck (Österreich) – Knapp 2.000 Meter Höhenunterschied liegen im Einsatzgebiet der Berufsfeuerwehr Innsbruck (BF). Die einzige Berufsfeuerwehr Tirols muss deshalb neben dem städtischen Alltag auch auf Lawinen, Waldbrände und Einsätze im Hochgebirge vorbereitet sein. 131 Personen gehören zur BF; 2025 verzeichnete sie 4.387 Alarmierungen.
Auf dem Vorplatz des Landestheaters, im Hintergrund die Nordkette: Amtsleitung, Teile des Einsatzdienstes sowie die Verwaltung der BF Innsbruck mit einem Großteil der Fahrzeuge. (Bild: Liedtke)
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Lawinenzug und Löschflüge im Hochgebirge
Wie stark die Topografie die Arbeit prägt, zeigt bereits eine Brandmeldeanlage (BMA) im Bereich des Hafelekars. Sie gehört zu rund 500 bei der Feuerwehr aufgeschalteten BMA und zählt zu den höchstgelegenen in Mitteleuropa. Die Feuerwehr erreicht das Gebäude mit der Nordkettenbahn oder notfalls per Hubschrauber. „Dieser alpin-urbane Raum ist schon speziell, den gibt es so kein zweites Mal. Entsprechend abwechslungsreich ist unser Aufgabenspektrum“, erklärt Inspektionsoffizier und Oberbrandrat Marcus Wimmer.
Für Lawinenlagen unterhält Innsbruck seit 2005 einen Lawinenzug. Dem Sonderdienst gehören zirka 20 Mitarbeiter der BF sowie Mitglieder der zehn Freiwilligen Feuerwehren (FF) im Stadtgebiet an. Gemeinsam mit Bergrettung und Alpinpolizei unterstützen sie die organisierte Suche nach Verschütteten. Zur Ortung stehen ihnen unter anderem Lawinensonden zur Verfügung. Anschließend graben die Kräfte Verschüttete aus und leisten lebensrettende Sofortmaßnahmen.
Auch Waldbrände beschäftigen die Feuerwehr zunehmend außerhalb der Sommermonate. Am 27. Dezember 2025 begann ein Großeinsatz im Hochgebirge, der über vier Tage rund 280 Kräfte und knapp 2.400 Einsatzstunden forderte. Neben der bodengebundenen Brandbekämpfung warfen Maschinen von Flugpolizei, Bundesheer und Flugrettung Löschwasser ab. Zwei am Berg installierte Behälter wurden dafür per Hubschrauber befüllt. „‚Brand aus‘ hieß es erst am 30. Dezember“, berichtet Branddirektor Helmut Hager.
Für solche Lagen hält die BF unter anderem ein Hubschraubertankfahrzeug mit 990 Litern Kraftstoff, Flugfunkgeräten und Löschwasser-Außenlastbehältern vor. Ein Flugeinsatzfahrzeug ermöglicht eine mobile Einsatzleitung. Pro 24-Stunden-Dienst sind mindestens zwei als Flughelfer qualifizierte Feuerwehrleute eingeteilt. Jeweils zwei Höhenretter, Taucher, Spezialkräfte für Messgeräte und Drohnenpiloten stehen ebenfalls bereit.
Verstärkung nach festem System
Jede Dienstschicht umfasst 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zwei Offiziere. Ist absehbar, dass die Anfahrt zu einer Einsatzstelle länger als 10 Minuten dauert, alarmiert die Leitstelle Tirol automatisch die zuständige FF parallel. Gleiches gilt bei kritischen Meldebildern, etwa einem offenen Zimmerbrand, oder wenn mehrere Notrufe zu demselben Ereignis eingehen. Grundlage ist ein strukturiertes Abfrageschema mit rund 3.000 Einsatzcodes.
Die ehrenamtlichen Kräfte decken außerdem Sonderaufgaben wie Schallortung, Gefahrgut und Dekontamination, Wasserrettung sowie spezielle Tunnelrettung ab. 2025 arbeiteten die 549 Mitglieder der zehn Freiwilligen Feuerwehren 438 Einsätze ab.
Mehr im Heft: Sebastian Liedtke stellt in der zwölfseitigen Reportage im Heft die komplette Fahrzeugliste der BF Innsbruck mit allen Fahrgestellen und Baujahren sowie die über 125-jährige Geschichte der Feuerwehr seit ihrer Gründung 1897 vor.