Mitgliedergewinnung

„Wir suchen Nachbarn“: Feuerwehrwerbung ohne Superhelden-Druck

Werneck (BY) – Eine Kampagne der Freiwilligen Feuerwehr Werneck setzt bei der Mitgliedergewinnung nicht auf Actionbilder, sondern auf Alltagssituationen und erlernbare Fähigkeiten. Das Konzept verbindet aufmerksamkeitsstarke Motive mit der Klärung typischer Bedenken und einem unverbindlichen Kennenlernen.

Symbolfoto: Michael Rüffer

Ausgangspunkt war eine selbstkritische Analyse der bisherigen Öffentlichkeitsarbeit. Die Projektgruppe der Feuerwehr kam zu dem Schluss, dass Werbung mit Flammen, schwerem Gerät und spektakulären Einsätzen zwar Respekt erzeugen, mögliche Quereinsteiger aber zugleich abschrecken könne.

Anzeige

Nach Angaben der Feuerwehr befürchten manche Menschen, für den aktiven Dienst nicht mutig, sportlich oder handwerklich genug zu sein. Die vollständig in ehrenamtlicher Eigenregie entwickelte Kampagne soll diesen „Superhelden-Druck“ abbauen. Ihr Kernversprechen lautet: „Wir suchen keine Helden. Wir suchen Nachbarn.“

Alltag und Feuerwehrdienst gegenübergestellt

Die Motive stellen jeweils eine vertraute Alltagssituation einer Tätigkeit bei der Feuerwehr gegenüber. Auf einem Banner schneidet ein Mann zunächst eine Hecke. Die zweite Bildhälfte zeigt ihn in Einsatzkleidung mit hydraulischem Rettungsgerät vor einem Feuerwehrfahrzeug.

Ein weiteres Motiv verbindet das Lösen von Mathematikaufgaben mit dem Öffnen einer Tür mithilfe eines Werkzeugs. Damit rückt die Kampagne nicht außergewöhnliche körperliche Fähigkeiten, sondern Lernbereitschaft, technisches Verständnis und taktisches Denken in den Mittelpunkt.

Die gemeinsame Botschaft lautet: Vorhandene Fähigkeiten aus Alltag und Beruf können eine Grundlage bilden. Was für den Feuerwehrdienst zusätzlich benötigt wird, lernen neue Mitglieder während der Ausbildung Schritt für Schritt.

Die Kampagne der Freiwilligen Feuerwehr Werneck übersetzt vertraute Alltagssituationen in Aufgaben des Feuerwehrdienstes. Damit soll deutlich werden: Neue Mitglieder brauchen keine „Superkräfte“, sondern Lernbereitschaft und Fähigkeiten, die sie bereits aus Beruf und Alltag mitbringen.

Landingpage beantwortet typische Einwände

Die Plakatmotive bilden nur den ersten Teil des Konzepts. Eine eigene Landingpage greift Fragen und Bedenken möglicher Interessierter auf. Dazu gehören fehlende Zeit, geringe Fitness, mangelndes handwerkliches Geschick, ein vermeintlich zu hohes Alter oder die Sorge, bei jedem Einsatz verfügbar sein zu müssen.

Neben Informationen zu Ausbildung, Team und Zeitaufwand stellt die Feuerwehr dort klar, dass ein unverbindlicher Einstieg ohne Vorkenntnisse möglich ist. Geplant sind außerdem druckfreie Schnupper-Abende außerhalb regulärer Übungsdienste. Interessierte sollen die Feuerwehr kennenlernen können, ohne sich unmittelbar festlegen zu müssen.

PDF-Download: Download Feuerwehr-Mitgliederwerbung

Dieses eDossier stellt 7 preisgekrönte Ideen für die Feuerwehr-Mitgliederwerbung vor.

2,90 €
AGB

Nach Angaben der Feuerwehr hat die Kampagne bereits zu konkreten Gesprächen mit Quereinsteigern geführt. Die Gesprächspartner reichten von einem medizinischen Assistenten bis zu Menschen ohne handwerklichen Hintergrund. Bei ihnen habe die Kampagne die Hemmschwelle für eine Kontaktaufnahme gesenkt.

Für andere Wehren liegt der übertragbare Ansatz vor allem in der Verbindung mehrerer Schritte: Die Kampagne setzt bei den Zweifeln der Zielgruppe an, übersetzt Feuerwehrtätigkeiten in vertraute Alltagssituationen und führt anschließend zu konkreten Antworten sowie einem niedrigschwelligen Erstkontakt. Damit ist sie nicht nur eine Plakataktion, sondern eine abgestimmte Kette aus Aufmerksamkeit, Einwandbehandlung und Kennenlernen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert