Aumühle (SH) – Eine chemische Reaktion löst in einem Pressmüllcontainer an einer Seniorenresidenz im Kreis Herzogtum Lauenburg einen Gefahrguteinsatz mit mehr als 100 Einsatzkräften aus. Chlorgranulat und ein pH-Senker reagieren im Behälter miteinander, Chlorgas tritt aus. Später gerät der Inhalt in Brand. Weil ein Entleeren und Ablöschen am Standort zusätzliche Risiken birgt, bringt die Feuerwehr den Container schließlich 18 Kilometer weit in ein Abfallwirtschaftszentrum (AWZ).
Nach einer chemischen Reaktion in einem Müllcontainer in Aumühle (SH) tritt Chlorgas aus. Mehr als 100 Kräfte sind bei der Gefahrgutlage im Einsatz. (Bild: Jann)
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50 Bewohner in Sicherheit gebracht
Die Integrierte Regionalleitstelle Süd alarmiert am 26. Juni 2026 um 11:23 Uhr zunächst die Freiwillige Feuerwehr Aumühle, Nachbarwehren, den Löschzug Gefahrgut des Kreises und den Rettungsdienst. Beim Eintreffen steigen bereits Nebelschwaden aus dem Container auf. Einsatzleiter Joachim Miro, stellvertretender Wehrführer der FF Aumühle, legt zunächst einen Sicherheitsabstand von 300 Metern fest.
Im angrenzenden Haus 4 der Seniorenresidenz räumen die Einsatzkräfte die Appartements und bringen 50 Bewohner im Foyer und im Theater in Sicherheit. Zwei Betroffene werden direkt an den Rettungsdienst übergeben. Insgesamt sichtet und versorgt dieser acht Personen. Parallel warnt die Leitstelle die Bevölkerung über das Modulare Warnsystem.
Ein Trupp unter Chemikalienschutzanzug (CSA) erkundet den Container. Die gemessenen Werte liegen mit 0,2 ppm zwar sehr niedrig. Wegen der geschlossenen Bauweise der Müllpresse lässt sich jedoch kaum beurteilen, was sich im Inneren weiterentwickelt. „Wir mussten sichergehen, dass sich da nichts weiter entwickelt. Zumal wir da ja einen sehr exponierten Standort hatten“, erklärt Miro.
18 Kilometer bis zum Abfallwirtschaftszentrum
Im Container waren Chlorgranulat und ein pH-Senker zusammengekommen. Durch die Reaktion entstand Chlorgas, später geriet der Inhalt in Brand. Den Behälter direkt an der Seniorenresidenz zu öffnen und zu leeren, verwirft die Einsatzleitung: Sie will eine Kontamination am Standort vermeiden. Bei einer weiteren Brandentwicklung hätte außerdem Löschwasser in die nahe Bille oder die Schwarze Au gelangen können.
Nach Abstimmung mit der Firma Buhck steht fest, dass der Pressmüllcontainer im 18 Kilometer entfernten AWZ in Wiershop bearbeitet werden kann. Ein Wechselladerfahrzeug der FF Reinbek nimmt den Container auf. Beim Aufladen beginnt er plötzlich stark zu qualmen; eine Kontrolle mit der Wärmebildkamera zeigt jedoch keine signifikante Temperaturentwicklung.
Um 15:50 Uhr setzt sich die von Feuerwehr und Polizei abgesicherte Kolonne in Bewegung. Während der Fahrt steigt weiter Rauch aus dem Container auf. Im AWZ bereiten Einsatzkräfte einen Ablöschplatz vor. Gegen 17 Uhr wird der Container geöffnet, sein heißer Inhalt entleert und mit einem C-Rohr abgelöscht. In Aumühle endet der Einsatz um 17:30 Uhr, im AWZ gegen 20 Uhr.
„Dass das Feuer zu uns gebracht wird, war schon absolut ungewöhnlich, aber es hat alles gut geklappt“, bilanziert Christopher Richard, Wehrführer der FF Hamwarde.
Der vollständige Einsatzbericht von Timo Jann in Feuerwehr-Magazin 10/2026 zeigt unter anderem, wie die Kräfte die Kolonne aus neun Einheiten taktisch zusammengestellt und abgesichert haben, welche genaue Route der Konvoi durch das Amtsgebiet genommen hat, wie der CSA-Trupp die Erkundung am Container durchführte und wie die iKat-App den Einsatz unterstützt hat.
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