Gudow (SH) – Mit einem einzigen Kommando schickt Oberlöschmeisterin Sabrina Goldenbaum ihren Labrador Sammy in ein gut 20.000 Quadratmeter großes Waldstück. Acht Mitglieder und sechs Hunde gehören zur Rettungshundestaffel (RHS) der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Gudow im Kreis Herzogtum-Lauenburg. Bis zu 25 Mal im Jahr rücken die Teams zur Suche nach vermissten oder verunglückten Menschen aus.
Die FF Gudow hat seit 2017 ihre eigene Rettungshundestaffel. Im Einsatz müssen die Hunde auch in unwegsamem Gelände ihren sicheren Weg finden, um hilflose Personen aufspüren zu können. (Bild: Köhlbrandt)
Für die Übung hat Staffelleiter Sven Bernhardt eine Person mitten im Dickicht platziert. Zwei Helfer gehen an den Grenzen des vereinbarten Suchgebiets entlang, während Sammy das Gelände durchstreift. Nach gut fünf Minuten beginnt der sechsjährige Rüde zu bellen. Er hat die sitzende Person entdeckt. Die gesamte simulierte Suche ist nach 10 Minuten beendet.
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„Die Hunde schlagen ausschließlich bei liegenden, sitzenden oder krabbelnden Personen an“, erklärt Bernhardt. Menschen in Bewegung nehmen die Tiere zwar wahr, zeigen sie aber nicht an. Sammy meldet seinen Fund durch Bellen, in der Fachsprache „Verbellen“ genannt. Andere Rettungshunde arbeiten als sogenannte Freiverweiser: Sie kehren zum Hundeführer zurück und machen ihn auf die gefundene Person aufmerksam.
Goldenbaum nähert sich mit einem Helfer der gefundenen Person. Während dieser Sammy belohnt und vom Fundort wegführt, erkundigt sich die Hundeführerin nach dem Gesundheitszustand. Im Ernstfall würde sie anschließend weitere Hilfe organisieren – bis hin zum Transport zum möglicherweise weit entfernt stehenden Rettungswagen.
Nicht jede Suche endet erfolgreich. Mitunter spüren die Hunde nur noch verstorbene Menschen auf. In anderen Fällen durchkämmen die Teams große Waldgebiete, ohne die vermisste Person zu finden.
Zweimal wöchentlich für den Ernstfall trainieren
Donnerstags und sonntags trainieren die sechs Teams der Gudower RHS die Flächensuche. Hinzu kommen Erste-Hilfe-Einheiten für Menschen und Hunde sowie Übungen an Hindernissen. Die Tiere müssen über Wippen laufen, Tunnel durchqueren und Hindernisse überwinden. Schließlich treffen sie auch im Einsatz auf umgestürzte Bäume, Mauern oder schwer zugängliche Bereiche. Geübt wird nicht nur in Wäldern, sondern beispielsweise auch auf Recyclinghöfen, Bauernhöfen und in Lagerhallen.
Bis ein Hund einsatzbereit ist, vergehen je nach Tier zwei bis drei Jahre. Parallel absolvieren die Hundeführer ihre Ausbildung. Externe Prüfer nehmen die Abschlussprüfungen ab. Derzeit sind drei der sechs Gudower Hunde fertig ausgebildet, drei weitere befinden sich noch in der Ausbildung. Auch Mitglieder ohne eigenen Hund können sich als Suchtrupphelfer einbringen.
Fast alle Mitglieder der Rettungshundestaffel samt Hunden haben sich für das Gruppenfoto versammelt. (Bild: Köhlbrandt)
Die Staffel gehört einem organisationsübergreifenden Rettungshundestaffelverbund in den Kreisen Stormarn und Herzogtum-Lauenburg an. Bei Einsätzen alarmiert die Integrierte Rettungsleitstelle Süd in Bad Oldesloe die beteiligten Einheiten gemeinsam. Je nach Lage kommen weitere Einsatzkräfte hinzu. „Personensuchen sind Polizeilagen, wir kommen lediglich zur Unterstützung für die gezielte Suche dazu“, erklärt Bernhardt.
Gesucht wird beispielsweise nach vermissten Pflegeheimbewohnern, Menschen nach Verkehrsunfällen oder verunglückten Reitern in Waldgebieten. Das Einsatzgebiet reicht über die beiden Kreise hinaus bis nach Hamburg, an den Stadtrand von Lübeck und bis nach Schwerin.
Wie lange ein Rettungshund suchen kann, hängt auch vom Gelände und den Temperaturen ab. Nach einer Suchsequenz benötigt das Tier mindestens eine Stunde Pause, bevor es erneut eingesetzt werden kann.
Mehr im Heft: Matthias Köhlbrandt stellt in seiner Reportage im FM 11/2026 die Geschichte der Staffelgründung, alle Fahrzeuge der FF Gudow, die Partnerorganisationen im Staffelverbund sowie die spezielle Schutzausrüstung der Hundeführer vor.
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