Wolfach (BW) – Seit 100 Jahren gehört die automobile Feuerspritze der Benzwerke Gaggenau zur Geschichte der Feuerwehr Wolfach im Ortenaukreis. Zweimal schien der 40 PS starke Oldtimer verloren. Nach einem schweren Brandschaden baute ihn die Historische Gruppe in rund 7.500 Arbeitsstunden wieder auf.
Die Historische Gruppe der FF Wolfach mit ihrer 100 Jahre alten, benzinbetriebenen Automobil-Feuerspritze Type 2CSN. Hersteller waren die Benzwerke Gaggenau. (Bild: Brinkmann)
Schon von Weitem kündigt sich der „Alte Benz“ an. Motorengeräusch, Alarmglocke und Ballhupe hallen durch die engen Gassen von Wolfach. Polierte Messingteile glänzen in der Sonne, der rote Lack wirkt wie neu.
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Tatsächlich musste die Feuerwehr einen großen Teil des Fahrzeugs neu aufbauen. „Auch wenn das Fahrzeug im Kern genau 100 Jahre alt ist, so ist die Farbe und vieles andere doch neu“, sagt Kommandant Christoph Mayer. „Der Weg dahin war jedoch lang, steinig und sehr wechselvoll.“
Großbrand gab den Anstoß zur Beschaffung
Ausgangspunkt für den Kauf war der Brand der Stadtmühle am 10. Juli 1925. Die Flammen drohten auf einen weiteren Stadtteil überzugreifen. Erst die Werkfeuerwehr Junghans aus Schramberg brachte mit ihrer automobilen Feuerspritze den entscheidenden Erfolg bei der Brandbekämpfung.
Die Gemeinde Wolfach entschied daraufhin, ein vergleichbares Fahrzeug zu beschaffen. Am 2. Dezember 1925 unterzeichnete sie den Kaufvertrag. Bereits am 20. Januar 1926 lieferten die Benzwerke Gaggenau die Feuerspritze der Type 2CSN aus. Rund einen Monat später erhielt sie ihre Zulassung.
Der Kaufpreis betrug 27.916,50 Reichsmark. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem Benzinmotor mit 40 PS (29 kW) und einem 4-Gang-Schaltgetriebe. Die Besatzung 1/8 sitzt ohne Verdeck im Freien. Eine Heckpumpe fördert 1.500 Liter Wasser pro Minute bei 8 bar.
Nach mehreren Jahrzehnten im Dienst verließ der Benz im Jahr 1970 Wolfach. Erst 1994 gelang es der Feuerwehr, das historische Fahrzeug zurückzuholen. Die Wehrleute restaurierten den Oldtimer und gründeten eine Historische Gruppe, die sich fortan um seinen Erhalt kümmerte.
Brand beschädigt den Benz schwer
Am 20. November 2011 brach in dem Lager, in dem der Benz untergebracht war, ein Feuer aus. Drei Feuerwehrleute versuchten noch, die Feuerspritze aus der Garage zu schieben. Eine kleine Kante im Boden stoppte das Fahrzeug. Wegen der schnellen Brandausbreitung mussten sie den Versuch abbrechen.
Erst nachdem die Einsatzkräfte das Feuer in diesem Bereich eingedämmt hatten, konnten sie den Benz mit einem Abschleppseil und einem Kommandowagen aus der Garage ziehen. Zu diesem Zeitpunkt war der Oldtimer bereits schwer beschädigt.
Trotzdem schrieb die Feuerwehr das Fahrzeug nicht ab. Unter der Führung von Joachim Oberfell begann die Historische Gruppe mit dem Wiederaufbau. Als Grundlage dienten 560 Dokumente und 1.800 Bilder einer früheren Renovierung. Auch dieses Archivmaterial hatte jedoch unter dem Brand und dem Löschwasser gelitten und musste zunächst aufgearbeitet werden.
Im November 2011 gerät das historische Fahrzeug in Brand und wird schwer beschädigt. (Bild: Feuerwehr)
7.500 Arbeitsstunden für den Wiederaufbau
Die Restaurierung dauerte 4.228 Tage – rund elfeinhalb Jahre. Die Beteiligten dokumentierten etwa 7.500 Arbeitsstunden und fertigten rund 8.000 Bilder an.
Mehrere Bauteile waren nicht mehr zu retten oder vollständig verbrannt. Weil keine Baupläne mehr vorhanden waren, suchte die Gruppe nach einem vergleichbaren Fahrzeug. Bei der Feuerwehr Überlingen wurde sie fündig. Dort bauten Feuerwehrleute benötigte Teile aus und vermaßen sie, damit Nachfertigungen entstehen konnten.
Auch zahlreiche Verkleidungsbleche mussten von Hand hergestellt werden. Besondere Unterstützung erhielt die Feuerwehr bei den hölzernen Bauteilen. „Die Holzkonstruktion war besonders knifflig“, berichtet Oberfell. Ein Orgelbauer investierte viel Zeit in die Arbeiten.
Am 17. Juni 2023 enthüllte die Feuerwehr den restaurierten Benz. Das Fahrzeug war wieder funktionsfähig und zugelassen. Doch bereits vier Wochen später folgte der nächste Rückschlag: Auf dem Weg zu einem Oldtimertreffen beim Landesfeuerwehrtag in Kehl löste sich der Vollgummireifen am linken Vorderrad.
Die Historische Gruppe fand schließlich einen neuen Hersteller. Im Jahr 2025 konnte sie die Feuerspritze wieder in Betrieb nehmen.
„Der Benz gehört einfach zu uns“, sagt Kommandant Mayer. „Wir werden ihn auch weiterhin hegen und pflegen.“
Wie die Feuerspritze einst nach Wolfach kam, welche Einsätze sie über Jahrzehnte bewältigte, warum sich ihre Spur für 22 Jahre verlor und vor welchen technischen Herausforderungen die Historische Gruppe beim Wiederaufbau stand, erfährst Du von Rainer Brinkmann im Feuerwehr-Magazin 7/2026.