Gemeinsame Gefahrenabwehr

Düsseldorf und Rhein-Kreis Neuss planen Leitstelle für 1,12 Mio. Menschen

Düsseldorf (NW) – Die Landeshauptstadt Düsseldorf und der Rhein-Kreis Neuss wollen ihre bislang getrennten Leitstellen zusammenführen. Eine gemeinsame Absichtserklärung sieht langfristig einen Neubau auf Düsseldorfer Stadtgebiet vor. Bis Anfang 2027 soll eine gegenseitige Vertretung bei Ausfällen möglich sein. Zudem wollen sich die Kommunen bei erhöhtem Notrufaufkommen unterstützen. Die Kooperation betrifft die Gefahrenabwehr für 1,12 Millionen Menschen.

HLF der Wache 2 der Berufsfeuerwehr Düsseldorf auf den Rheinwiesen. Insgesamt 11 Löschfahrzeuge stehen im 24-Stunden-Dienst der BF bereit.
Symbolfoto: HLF der Feuerwehr Düsseldorf. (Bild: Michael Rüffer)

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Landrätin Katharina Reinhold haben am 13. Oktober 2026 eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Beide Kommunen betreiben bislang jeweils eine eigene Leitstelle für Brandschutz, Hilfeleistung, Katastrophenschutz und Rettungsdienst. Künftig sollen sie sich zunächst gegenseitig unterstützen und ihre Aufgaben langfristig an einem gemeinsamen Standort wahrnehmen.

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Für den Neubau strebt Düsseldorf einen Standort links des Rheins auf dem eigenen Stadtgebiet an. Voraussetzung ist, dass geeignete Flächen zur Verfügung stehen. Vorgesehen sind ein gemeinsames Gebäude und gemeinsam genutzte Technik. Nach ersten Einschätzungen rechnet die Verwaltung des Rhein-Kreises Neuss mit einer Umsetzungsdauer von rund zehn Jahren. Möglichst bis 2036 soll die neue Leitstelle entstehen.

Bis dahin müssen die bestehenden Einrichtungen weiterbetrieben und an die künftigen Anforderungen angepasst werden. Im Rhein-Kreis Neuss fehlt bislang eine Vereinbarung mit einer anderen Leitstelle, die bei einem Ausfall vorübergehend die Notrufbearbeitung übernimmt. Nach Angaben der Kreisverwaltung werden dadurch gesetzliche Anforderungen derzeit nicht erfüllt.

Die Vorbereitungen für eine solche gegenseitige Vertretung laufen bereits. Bis Anfang 2027 sollen die technischen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen sein. Auch bei außergewöhnlich hohem Notrufaufkommen wollen sich beide Leitstellen künftig unterstützen.

Kreisleitstelle im Rhein-Kreis Neuss benötigt mehr Personal

Neben der fehlenden Rückfallebene muss der Rhein-Kreis Neuss seine Leitstelle personell verstärken. Ein Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass für die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben 83,7 Vollzeitstellen erforderlich sind. Der bisherige Stellenbestand umfasst 52 Stellen.

Um diese Lücke zu verkleinern, schlägt die Kreisverwaltung einen stufenweisen Personalaufbau vor. Bereits 2027 soll die Stellenzahl zunächst auf 68 steigen. Die dafür benötigten Stellen sollen im Stellenplan für das kommende Jahr berücksichtigt werden.

Auch räumlich stößt die Kreisleitstelle an ihre Grenzen. Ihr bisheriger Standort auf der Feuerwache Neuss lässt sich technisch nicht erweitern. Zusätzlich angemietete Büros am Hammfelddamm liegen auf der gegenüberliegenden Straßenseite und bieten keine ausreichende Absicherung für den Leitstellenbetrieb. So fehlt dort unter anderem eine Notstromversorgung. Zudem können von diesen Räumen aus nicht innerhalb der gutachterlich vorgegebenen Zeiten zusätzliche Kräfte zur Unterstützung der Disposition eingesetzt werden.

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Interimsleitstelle soll bis Anfang 2028 eingerichtet sein

Als Übergangslösung prüft die Kreisverwaltung deshalb, geeignete Büroflächen direkt in der Nähe der bestehenden Leitstelle anzumieten. Dort sollen zusätzliche Dispositionsarbeitsplätze entstehen und technische Ersatzsysteme eingerichtet werden. Gleichzeitig ist vorgesehen, bislang räumlich getrennte Arbeitsbereiche zusammenzuführen.

Nach dem aktuellen Zeitplan könnten die neuen Räume zum 1. November 2027 fertig ausgebaut angemietet werden. Bis zum 1. Januar 2028 soll der Umzug abgeschlossen sein. Anschließend sollen die bisherigen zusätzlichen Büros am Hammfelddamm und die Interimsarbeitsplätze in Grevenbroich aufgegeben werden.

Für die Einrichtung und technische Ausstattung sind einmalige Kosten von insgesamt 650.000 Euro vorgesehen. Hinzu kommen kalkulierte jährliche Mehrkosten von 199.000 Euro ab 2028. Die einmaligen Mittel sollen über die Haushaltsplanung 2027 bereitgestellt werden.

Unabhängig von der geplanten Übergangslösung steht auch die technische Aufrüstung der bisherigen Leitstellenräume an. Ein Teil der dafür notwendigen Arbeiten ist bereits beauftragt. Die Umsetzung soll 2027 erfolgen.

Gemeinsame Leitstelle verändert bisherige Neubauplanung

Mit der geplanten Zusammenarbeit ändert sich auch die bisherige Bauplanung des Rhein-Kreises Neuss. Nach einer Risikoanalyse hatte der zuständige Ausschuss im Oktober 2023 empfohlen, einen Neubau für die Kreisleitstelle vorzubereiten. Dabei sollten auch Räume für den Krisenstab, den operativ-taktischen Stab und die Koordinierungsgruppe des Stabes berücksichtigt werden.

Nun soll die Planung für das Bevölkerungsschutzzentrum ohne die Kreisleitstelle fortgeführt werden. Für Letztere ist stattdessen ein gemeinsamer Neubau mit Düsseldorf vorgesehen.

Stadtdirektor und Feuerwehrdezernent Burkhard Hintzsche sieht in der Zusammenarbeit die Möglichkeit, Ressourcen zu bündeln und die regionale Gefahrenabwehr langfristig neu aufzustellen.

Welche Aufgaben beide Leitstellen künftig gemeinsam übernehmen und wie die Zusammenarbeit organisiert wird, muss noch konkretisiert werden. André Klöckener, Leiter der Kreisleitstelle Rhein-Kreis Neuss, kündigt dazu die Prüfung möglicher Kooperationsfelder und die Ausarbeitung entsprechender Vereinbarungen an. Außerdem soll ein verbindlicher Zeitplan mit klar definierten Meilensteinen entstehen.

Zunächst steht jedoch die gegenseitige Absicherung des Leitstellenbetriebs im Vordergrund. Die vollständige Zusammenführung ist erst für die kommenden Jahre vorgesehen.

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