Warn- und Überwachungssysteme

IoT-SIM soll Alarmübertragung trotz Netzstörung sichern

München (BY) – Eine neue IoT-SIM soll kritische Anwendungen auch bei fehlendem Empfang oder technischen Störungen verbunden halten. Die von Telefónica Deutschland und Crout gestartete „2CoreSIM“ kombiniert zwei unabhängige Netzprofile auf einer SIM-Karte und wechselt bei Ausfällen automatisch auf eine alternative Verbindung.

Die 2CoreSIM soll IoT-Geräte bei fehlendem Empfang oder technischen Störungen automatisch über ein zweites Netzprofil verbinden. (Symbolbild: pexels | Barnabas Davoti)

Für Feuerwehren und Katastrophenschutz ist vor allem der Einsatz in Warn- und Überwachungssystemen relevant. Als Anwendungsfelder nennen Telefónica Deutschland und Crout unter anderem Hochwasserüberwachung, Waldbrandsysteme, Backup-Systeme, Wasserwerke und Pumpstationen. Dort kann eine unterbrochene Datenverbindung dazu führen, dass Messwerte oder Alarme nicht rechtzeitig ankommen.

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Der Wechsel zwischen den Profilen erfolgt nach Angaben der Anbieter direkt auf der SIM-Karte. Zusätzliche Apps oder manuell eingerichtete Profile sollen dafür nicht nötig sein. Ist die primäre Verbindung nicht verfügbar, aktiviert die Karte automatisch das zweite Profil.

Ein Netzprofil nutzt das Mobilfunknetz von Telefónica Deutschland. Das zweite Profil greift auf das Netz und den internationalen Roaming-Footprint des maltesischen Mobilfunknetzbetreibers Melita zu. Damit stehen zwei voneinander getrennte Infrastrukturen zur Verfügung – vom Kernnetz bis zur Funkzelle.

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Die Lösung richtet sich an IoT-Anwendungen, bei denen eine stabile Verbindung für Betrieb, Sicherheit oder Versorgung wichtig ist. Neben Hochwasser- und Waldbrandsystemen zählen auch Kühlketten in Lebensmittelhandel und Pharmalogistik, Vital- und Gerätedaten im Gesundheitswesen, Sicherheitssysteme, Maschinen, Sensoren sowie Backup-Lösungen zu den vorgesehenen Einsatzfeldern.

Nach Angaben der Unternehmen geht die 2CoreSIM über klassisches Roaming hinaus. Sie setzt nicht nur auf mehrere Funknetze, sondern auf zwei getrennte Netzprofile und Infrastrukturen. Perspektivisch könne die SIM weitere Netzebenen einbinden, darunter terrestrische Mobilfunknetze, satellitengestützte Verbindungen und Kurzstreckenfunk.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für den ausführlichen und technisch sehr berechtigten Hinweis. Gerade bei Anwendungen im BOS- und Krisenumfeld muss Resilienz tatsächlich über die gesamte Kommunikationskette betrachtet werden – einschließlich Stromversorgung, Funkzugang, Backhaul/Core, Endgerät, Transportweg und Zielsystem.

    Zwei Punkte zur beschriebenen Lösung möchten wir jedoch präzisieren:

    Bei der eingesetzten Lösung handelt es sich nicht um klassisches nationales oder internationales Roaming. Auf einer eUICC (SIM) befinden sich zwei separate Mobilfunkprofile unterschiedlicher Betreiber. Damit stehen auch zwei unterschiedliche Mobilfunk-Core-Infrastrukturen zur Verfügung. Fällt die aktuell genutzte Verbindung aus, kann ein direkt auf der SIM laufendes Applet das alternative Profil aktivieren und das Gerät über die zweite Infrastruktur neu verbinden. Das „Reserveprofil“ ist also kein Festnetzanschluss, sondern ein bereits auf der eUICC vorhandenes zweites Mobilfunkprofil.

    Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass die Failover-Entscheidung lokal auf der SIM erfolgt. Für die Erkennung einer Störung und den Profilwechsel ist weder eine Cloud-Plattform noch eine Verbindung zum öffentlichen Internet erforderlich. Die Profile sind bereits vorhanden; zentrale Systeme dienen vor allem der Konfiguration, dem Lifecycle-Management und der Abrechnung. Auch die APN-Konfiguration kann beim Profilwechsel unverändert bleiben.

    Ebenso richtig ist aber: Eine solche Lösung kann nur die Resilienz der Mobilfunkkonnektivität deutlich erhöhen. Sie kann keinen vollständigen Ausfall aller Funknetze, gemeinsamer Stromversorgung, gemeinsamer Transportinfrastruktur oder eines nicht resilient ausgelegten Zielsystems kompensieren. Für wirklich kritische Anwendungen muss daher zusätzlich geprüft werden, ob beispielsweise unabhängige Stromversorgung, private Datenwege/VPN, redundante Backend-Systeme oder ergänzende Übertragungstechnologien erforderlich sind.

    Genau hier ist die Lösung bewusst nicht als starres Standardprodukt angelegt: Die Failover-Logik, Prioritäten und Parameter können an den jeweiligen Einsatzzweck angepasst werden. Je nach Kritikalität und technischer Umgebung kann die Konnektivitätsarchitektur außerdem um weitere Resilienzbausteine ergänzt werden. Entscheidend ist deshalb immer die Betrachtung des konkreten Use Cases und der gesamten Ende-zu-Ende-Kommunikationskette.

    Wir verstehen Multi-Core-Konnektivität daher nicht als Ersatz für ein vollständiges Krisen- und Kommunikationskonzept, sondern als einen zusätzlichen, konfigurierbaren Resilienz-Layer: Wenn ein Mobilfunknetz oder dessen Core-Infrastruktur ausfällt, soll nicht automatisch auch die Kommunikation des IoT-Geräts ausfallen.
    https://www.crout.de/connectivity-solutions/2coresim/

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  2. Es wäre bei solchen und ähnlichen Marketingaussagen zur Kommunikationsunterstützung in Krisensituationen hilfreicher, wenn der Technologiehintergrund für geneigte Leser ein wenig mehr „nachvollziehbarer“ würde.
    Der verwendete Begriff „SIM-Karte“ (mit Antennen im Artikelbild, Verweis auf deutschen Mobilfunkanbieter) deutet zwar auf eine drahtlose Alarmübertragungsoption hin, lässt aber für ein weiteres „Reserveprofil“ eine Festnetzalternative offen.
    Auch ggf. automatisierte IoT-Übertragungen benötigen eine funktionierende Funkinfrastruktur z.B. in einem so hinreichend sicher versorgten Landkreis. Wenn Mobilfunknetz A ausfällt, kann über entsprechende SIM-Kartenverträge auf Netz B automatisch umgeschaltet werden (z.B. nationales Roaming, auch mit SIM-Karten ausländischer Netzbetreiber), Oder auf eine andere Drahtlostechnologie, sofern die „herangezogenen“ Funkendgeräte, Modems oder Adapter die weiterhin (als Rückfallebene) einbezogenen Übertragungsformen unterstützen. Diesbezügliche Anwendungsvarianten unterscheiden sich durch mindestens drei Randbedingungen; die Funksystemreichweite (WLAN, Bluetooth), die machbare Übertragungsrate pro Zeiteinheit (LoRa & Co.), sowie eine verbleibende Kanalkapazität bei mehreren parallel eingebuchten bzw. „zeitgleich“ agierenden Nutzern (coverage-relevanter SAT-Footprint oder bei ELW-Wagenburgen an konkreten Einsatzorten). Dies muss jeder potentielle Krisenanwender im Rahmen einer vorgeschalteten Kosten-/Nutzenabwägung und daraufhin zu erfolgenden Verfügbarkeitseinschätzung, incl. permanenten Entgelt-, Support- und Wartungsaufwandsbetrachtung, für sich selber einschätzen (können).
    Zur Gewährleistung einer angemessenen Resilienz muss in Verbindung mit einer unterbrechungsfreigesicherten Stromversorgung (Mindestversorgungszeitraum) klar sein, für wie viele technologisch ggf. auch verdeckt einbezogen Netzelemente (Verstärker, Umsetzer, u.ä., bei wem auch immer; gerade auch außerhalb der eigenen, unmittelbar übersehbaren „Betriebsumgebung“) z.B. nicht durch eine Brown- oder Blackout-Situation ihre Funktionsfähigkeit sofort (!) einstellen.
    Jedwede Resilienzbemühungen werden fragwürdig, de facto aussichtslos, wenn an irgendeiner Stelle auf dem Übertragungsweg, oder für jedwede Betriebssteuerungsdetails, auch nur punktuell das öffentliche Internet „mitbenutzt“ wird; oder hierüber „außer Haus“ eingebundene Cloud-Plattformen (auch zur PC-Anmeldeverifikation, vorgelagerten Remote-Access-Identifizierung, kommunale IT-Dienstleister, oder die eigenen Server in einem anderen Stadtteilbüro, o.ä.) erreicht werden.
    Seit der Hochwasserkatastrophe 2021, oder zuletzt beim Berliner Blackout im Januar 2026, sollte deutlich geworden sein, dass sich zumindest offizielle Krisenbewältigungsinstitutionen nicht mehr auf postulierte Verfügungsstabilitäten oder darauf (im Detail ungeprüft) Systemkonzeptionen verlassen dürfen!

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