Laufach (BY) – Der Eisenbahntunnel Falkenberg (Kreis Aschaffenburg) war am vergangenen Samstag Schauplatz einer groß angelegten Katastrophenschutz-Vollübung mit über 500 Beteiligten. Das Szenario: Ein brennender Personenzug ist etwa in der Mitte der 2623 Meter langen Nordröhre zum Stehen gekommen. Mit der Übung erprobte der Landkreis Aschaffenburg als zuständige Katastrophenschutzbehörde den Katastrophenschutz-Sonderplan für die Bahntunnel zwischen Laufach und Heigenbrücken in der Praxis.
Dichter Übungsrauch am Westportal des Falkenbergtunnels: Bis zum angenommenen Brandort im Personenzug lag ein Anmarschweg von rund 1,3 Kilometern vor den Einsatzkräften. (Bild: Mönkemeier)
Gegen 11:52 Uhr begann die Übung mit einem Notruf des Triebfahrzeugführers der betroffenen Regionalbahn über die internen Meldewege der Deutschen Bahn (DB). Die Notfallleitstelle der DB informierte daraufhin die zuständige integrierte Leitstelle Bayerischer Untermain, welche gegen 12:08 Uhr zahlreiche Einsatzkräfte aus dem gesamten Landkreis alarmierte. Diese fuhren die Rettungsplätze an den beiden Tunnelportalen und weitere Bereitstellungsräume an. Ausgerückt sind die Helferinnen und Helfer von ihren jeweiligen Standorten. Die Übung war mit einem groben Zeitfenster für die Alarmierung vorab angekündigt worden.
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Gegen 12:20 erreichten erste Kräfte das Portal im Westen. Dort strömte dichter Rauch aus einer der beiden Tunnelröhren. Einige Betroffene konnten sich bereits selbst retten und kamen den Einsatzkräften fußläufig entgegen. Hilferufe hallten aus dem Tunnel. Die eintreffenden Kräfte entfalteten sich zeitgleich an beiden Tunnelportalen und schufen Führungs-, Rettungs- und Versorgungsstrukturen für den mehrstündigen Einsatz.
Nachdem das Bahnerden der Oberleitung dank einer vorhanden Oberleitungsspannungsprüfeinrichtung schnell und ferngesteuert erfolgte, konnten erste Feuerwehrkräfte unter Atemschutz in den Tunnel vorgehen. Zunächst galt es, den Reisezug zu erreichen und die Lage weiter zu erkunden. Bei einem Anmarschweg von etwa 1,3 Kilometern und durch simulierten Brandrauch stark eingeschränkte Sicht eine (körperliche) Herausforderung für die vorrückenden Einsatzkräfte.
Im weiteren Einsatzverlauf kümmerte sich die Feuerwehr um die Brandbekämpfung sowie das Suchen und Retten der Fahrgäste. Insgesamt spielten 61 Statisten und Statistinnen Fahrgäste des Zuges, 25 von ihnen mit schweren bzw. mittelschweren Verletzungen. Zur realistischen Unfalldarstellung schminkten Helferinnen und Helfer im Vorfeld zahlreiche Verletzungen und instruierten angemessene Verhaltensweisen.
Der im Juni 2017 in Betrieb genommene Falkenbergtunnel entspricht vergleichsweise modernen Standards. So besteht der Tunnel aus zwei getrennten Röhren, die alle 500 Meter durch Querschläge mit Brandschutztüren verbunden sind. Dank einer festen Fahrbahn sind die Tunnelröhren jeweils für Einsatzfahrzeuge mit Straßenfahrgestell befahrbar – allerdings nur als Einbahnstraße. An den Tunnelportalen kann die Feuerwehr Löschwasser aus unterirdischen Behältern in die Löschwasseranlage des Tunnels einspeisen. Für Transportmaßnahmen über große Entfernungen stehen Schienenrollwägen bereit.
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Da in diesem Szenario die Südröhre rauchfrei blieb, konnten die Rettungskräfte den Transport von Material und Personal, aber auch Rettungsmaßnahmen über diese abwickeln. An den Tunnelportalen erfolgte die Übergabe der Verletzen an die Kräfte des Rettungs- und Sanitätsdienstes. Rettungswagen (RTW) und Krankentransportwagen (KTW) transportierten einen Teil der Schwerstverletzten direkt in Richtung eines Krankenhauses. Andere Patientinnen und Patienten brachten die Rettungskräfte zunächst zu einem Behandlungsplatz in einer Turnhalle in Laufach.
Kräfte der Bereitschaft Aschaffenburg des Bayrischen Roten Kreuzes (BRK) und der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Behandlung des Malteser Hilfsdienstes bereiteten die Verletzten für den Weitertransport vor und kompensierten die begrenzten Transportressourcen. Bis zu sechs Verletzte der Sichtungskategorie 2 und vier Verletzte der Sichtungskategorie 1 konnte der Behandlungsplatz in der Turnhalle temporär versorgen.
Auch zwei Kliniken beteiligten sich an der Vollübung: Die Asklepios Klinik Seligenstadt im Kreis Offenbach stand als Transportziel zur Verfügung. Hier durchliefen die angelieferten Patientinnen und Patienten den gesamten Weg durch die reale Notaufnahme. Das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau legte den Fokus auf die Schnittstelle zum Rettungsdienst. Im Feuerwehrhaus Haibach richtete Klinikpersonal eine Übungsnotaufnahme ein und trainierte die strukturierte Patientenübergabe inklusive Triage mit zwei Teams. Die in diesem Fall doppelte Sichtung diente der internen Weiterentwicklung und würde im Realfall nicht erfolgen.
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Die örtliche Einsatzleitung nach Bayerischem Katastrophenschutzgesetz befand sich im Rathaus in Laufach und arbeitete stabsmäßig. Verschiedene Führungskräfte kümmerten sich beispielsweise um das Personal, die Lagedarstellung oder die Planung der Einsatzmaßnahmen.
Ein erstes positives Resümee konnten die Verantwortlichen bereits unmittelbar nach dem Übungstag ziehen. Die detaillierte fachliche Auswertung folgt noch. Hierzu werden sich die eingesetzten Führungskräfte, Schiedsrichter und Übungsbeobachter austauschen und Abläufe kritisch betrachten. Erkenntnisse sollen in die weitere Einsatzplanung einfließen.
Eine solche Katastrophenschutz-Vollübung haben sich viele Personen bereits seit mehreren Jahren gewünscht. Aufgrund einer ohnehin bestehenden Sperrung der Bahnstrecke durch Bauarbeiten an einem Bahnhof hat sich nun eine Gelegenheit ergeben. Demnach kam es übungsbedingt zu keinen zusätzlichen Einschränkungen im Bahnverkehr. Planung und Vorbereitung der Übung liefen über einen Zeitraum von etwa 10 Monaten.
An der Übung beteiligten sich Feuerwehren aus Stadt- und Landkreis Aschaffenburg, die Kreisbrandinspektion Aschaffenburg sowie Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsdienste von der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem BRK und dem Malteser Hilfsdienst. Auch die Polizei, die Deutsche Bahn, die Integrierte Leitstelle Bayerischer Untermain und das Landratsamt Aschaffenburg waren involviert. Unter den Gästen der Übung waren Andrea Lindholz, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Aschaffenburg und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages sowie Landrat Alexander Legler.