Hannover (NI) – Machtmissbrauch in der Feuerwehr bewegt viele, offen gesprochen wird darüber selten. Auf der Bühne des Feuerwehr-Magazins während der Interschutz 2026 hat der Autor Florian Funkenkind das Thema aufgegriffen. Im Anschluss haben wir bei dem 38-jährigen Brandenburger nachgehakt – über destruktive Persönlichkeiten, die Rolle der Gruppe und die Frage, woran sich ein ungesundes Klima in der eigenen Wehr erkennen lässt.
Auf der Feuerwehr-Magazin-Bühne während der Interschutz sprach Florian Funkenkind, selbst Ehrenamtler, zum Thema „Machtmissbrauch in der Feuerwehr“. (Bild: Liedtke)
Funkenkind ist Ehrenamtler und veröffentlicht unter Pseudonym. Sein Buch „Im Schatten des Ehrenamts“ erschien im Eigenverlag. Auf der BOS-Dialog-Stage by FM & RM sprach er zunächst im Vortrag, anschließend im Interview mit Moderator Philipp Wentzel. Wir haben ihn danach noch einmal genauer befragt.
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FM: Gleich als Eingangsfrage an Dich, Florian: Warum schreibst Du unter Pseudonym? „Florian Funkenkind“ ist ja nicht Dein Geburtsname.
Funkenkind: Grundsätzlich geht es mir um den Schutz meiner Familie und meiner Person. Das Thema ist kein leichtes. Gerade destruktive Persönlichkeiten neigen schnell zu Zorn und Rache. Das habe ich mehr als einmal erlebt. Ein Beispiel dafür ist mein durchwühlter Spind auf der Feuerwache. Auch an meiner PSA wurde sich schon vergangen. Weiter geht es mir darum, niemanden bloßzustellen, sondern um Aufklärung und Wissensvermittlung. Wenn man die Person hinter dem Buch sehr gut kennt, könnte man auch Rückschlüsse auf die Personen in meinem Buch ziehen. Zu guter Letzt: Nach jahrelanger Recherche und vielen Lernprozessen brauchte ich einen Namen, der als Symbol und Alter Ego dienen kann. Florian ist der Schutzpatron der Feuerwehr, ein Symbol, das jeder kennt. Der Name „Funkenkind“ setzt sich folgendermaßen zusammen: Ich habe einen Funken erhalten, der mir den Mut gegeben hat, dieses Buch zu schreiben. Und das „Kind“ steht dafür, dass dieses Thema und dieses Buch mein inneres Kind berühren.
FM: Welche Rolle spielt die Gruppendynamik? Du schreibst in Deinem Buch „Im Schatten des Ehrenamts“: „Machtmissbrauch entsteht auch durch das Schweigen der anderen.“ Magst Du das erläutern?
Funkenkind: Eine destruktive Persönlichkeit allein hat keine Macht. Macht entsteht erst durch das Schweigen der Gruppe. Das Problem ist, dass dies eine völlig normale menschliche Reaktion ist. Auch hier gibt es viele verschiedene Aspekte. Einer davon ist der Selbstschutz. Menschen haben Angst, dass sie die Nächsten sind, wenn sie etwas Gegenteiliges sagen oder sich offen dagegenstellen. Niemand möchte ausgegrenzt werden. Deshalb schließen sich die meisten der vermeintlich stärkeren Person an. In der Psychologie spricht man vom Deindividualisierungs-Effekt. Menschen tun in einer Gruppe Dinge, die sie allein möglicherweise niemals tun würden. Genau das machen sich destruktive Persönlichkeiten zunutze, oftmals, ohne die psychologischen Hintergründe überhaupt zu kennen. Sie beherrschen solche Mechanismen intuitiv und setzen sie ganz natürlich für ihre eigenen Ziele ein.
Beim Interview mit Moderator Philipp Wentzel (links) gab Funkenkind Teile seiner Biografie preis und machte Kameradinnen und Kameraden Mut. (Bild: Liedtke)
FM: Welche Warnsignale sind Deinen Erfahrungen nach typisch dafür, dass etwas innerhalb einer Wehr nicht stimmt? Und wie werden diese rechtzeitig erkannt?
Funkenkind: Ein großer Punkt ist der Umgang mit Kritik. Wo Kritik nicht geäußert werden darf, ohne Repressalien befürchten zu müssen, stimmt meist etwas ganz gewaltig nicht. Ein weiteres Warnsignal ist die Grüppchenbildung. Wenn wichtige Gespräche nur noch in kleinen Kreisen stattfinden und Informationen gezielt zurückgehalten werden, sollte man genauer hinschauen. Besonders offensichtlich wird es, wenn einzelne Personen das Geschehen dominieren und dabei nahezu unantastbar wirken. Wo Macht nicht mehr hinterfragt werden kann, entsteht schnell ein ungesundes Umfeld. Ein weiteres Zeichen ist die nachlassende Beteiligung von Kameraden, die sonst immer engagiert waren und sich stark eingebracht haben. Wenn solche Menschen plötzlich fehlen oder sich zurückziehen, lohnt es sich, genauer hinzusehen. In der Regel steckt mehr dahinter, als auf den ersten Blick erkennbar ist.
Mit welchen Manipulationstechniken destruktive Persönlichkeiten arbeiten, was hinter der „Dunklen Triade“ steckt, wie Funkenkind selbst zu dem Thema kam und was er Betroffenen konkret rät, liest Du im vollständigen Interview im Feuerwehr-Magazin 8/2026.
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