Wenn der Zug kommt, steht alles

Waldkraiburg (BY) – Eine Momentaufnahme aus dem Einsatzgeschehen: Manchmal kommen auch die schnellsten Retter nicht weiter, wenn Unvorgesehenes geschieht. So geschehen am Dienstag im bayerischen Kreis Mühldorf: Auf dem Weg zu einem Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person standen Polizei, Notarzt und Feuerwehr bei Waldkraiburg plötzlich vor einer verschlossenen Bahnschranke und mussten ihre Einsatzfahrt unterbrechen.

Mehrere Minuten mussten die Helfer warten, bis der Zug den Übergang passiert hatte und sie nach dem Öffnen der Schranken weiterfahren konnten. Ein zufällig anwesender Pressesfotograf dokumentierte kurzerhand die Szene. Übrigens: Auch Einsatzkräfte auf dem Weg zum Feuerwehrhaus wurden durch die gesenkten Schranken aufgehalten. Ähnliches passiert immer wieder in Einsatzgebieten mit Bahnübergängen. Doch eine Alternative zum Warten gibt es nur in wenigen Fällen: Fast immer wäre die Fahrzeit für alternative Routen trotz Wartezeit am Übergang länger.

Trotz Blaulicht eine Zwangspause: An einem Bahnübergang müssen die Einsatzkräfte warten. Foto: fib/GS
Trotz Blaulicht eine Zwangspause: An einem Bahnübergang müssen die Einsatzkräfte warten. Foto: fib/GS
7 Kommentare zu “Wenn der Zug kommt, steht alles”
  1. Ich finde es schlimm und zum Glück ist der Perosn ( hoffe ich mal ) nichts Passiert… Aber ich habe auch so was schonmal erlebt das hinter uns Feuerwehr mit Blaulicht standen und die Schranke war unten. Aber es war nnur ein Mülleimerbrandt wie ich es mit bekommen habe. Aber ein guter Moment das ein Prsse mitglied dabei war und es fotografiert hat.

    Mit freundlichen Grüsen Vechy

  2. Ich habe einmal gesehen wie in eitorf (NW) für ein einsatzfahrzeug auf dem weg zum Einsatz die schranken wieder kurz geoeffnet wurden. Das sollte ueberall so sein, besonders wenn es um Menschenleben geht!!!

  3. Christoph

    @L.L. : Wie stellst Du Dir das vor? Wenn da vor Ort noch einer der leider immer weniger werdenden Schrankenwärter sitzt, ok, der kann sowas machen.
    Heutzutage sind leider die unbesetzten (also ohne Personal vor Ort) Bahnübergänge die Regel. Die haben dann bei Halbschranken auch keine Kameras, so daß der Fahrdienstleiter der Bahn gar nicht mehr weiß, daß da Blaulichtautos stehen und dringend durchwollen. Selbst wenn er es weiß, muß er zunächst den Zugverkehr stoppen, bevor er die Schranken öffnen kann.
    M.E. könnte man dort, wo es häufiger mal vorkommt, oder die Schranken lange zu sind, über die Leitstelle (gleich bei der Arlamierung?) eine Info an die zuständige Bahnstelle weiterleiten, aber jeder, der im Einsatzgebiet ne Bahnlinie hat, weiß wie lange man z.B: auf die Meldung, daß die Fahrleitung ausgeschaltet ist, warten muß. Außerdem ist nicht auszuschließen, daß das Unternehmen Zukunft dann noch eine Rechnung wegen der Verspätungsminuten stellt- und das wird nicht billig…
    MfG Christoph

  4. Fabian

    Da Lob ich mir unsere österreichischen Nachbarn. Dort werden ganz viele Bahnübergänge durch Unterführungen bzw. Straßenbrücken ersetzt. Meines wissens müssen das noch nichtmal die Gemeinden tragen. (kann mir nicht vorstellen das eine kleine Gemeinde [2700 Einwohner] in 10 Jahren sechs Unterführungen bauen kann)

    Unsere Gemeinde wollte vor Jahren mal eine Fussgängerunterführung bauen (nach zwei Tötlichen Unfällen). Die Gemeinde hätte sich mit knapp 100.000€ beteiligen müssen. Die Bahn hätte sich mit ein paar 10.000€ beteiligt…..

    So wie ich das sehe ist dass wieder ein deutsches Problem, mit unserer super tollen Bahn!
    Nichts ist unmöglich, wenn einem Sicherheit was wert ist!!!

    Gruß
    Fabian

  5. Vanessa

    @Christoph:

    Das ist leider kaum zu realisieren. Nichtmal bei einer eingeklemmten Person auf den Gleisen, wie hier kürzlich passiert, kommt eine solche Meldung schnell genug durch. Der Vater musste zusehen, wie sein Sohn unter dem Traktor vom Zug erfasst wurde. Wie eillst du also für Rettungsfahrzeuge auf diese Art einen Zug stoppen?! Traurig aber wahr, es ist wohl nicht möglich. Und ich würde als Maschinistin auch das Risiko nicht eingehen wollen und trotzdem fahren…

  6. Michael

    Verspäteter Nachtrag zu L.L.s Beobachtung: In Eitorf(Sieg) befindet sich das Gerätehaus direkt am Bahnübergang Brückenstraße. Der Bahnübergang ist mit Vollschranken ausgestattet und wird nach dem Schließen mittels Videokamera per Augenschein frei gemeldet. Zugfahrten können erst nach Freimelden des Bahnübergangs stattfinden, da sich vorher die Signale für die Züge nicht auf Fahrt stellen lassen. Das zuständige Fahrdienstleiterstellwerk “Ef” befindet sich zudem in unmittelbarer Sichtweite und ist ständig besetzt.

    Unter diesen Gegebenheiten ist es möglich, den Bahnübergang wieder kurz zu öffnen. So wird verfahren, wenn sich nach Schließen der Schranken noch ein Verkehrsteilnehmer auf den Gleisen befinden sollte. Ich weiß nicht, was die Konzernrichtlinien der DB dazu sagen, aber es könnte im Ermessensspielraum des Fahrdienstleiters liegen, ggf. auch für Einsatzfahrzeuge den Übergang wieder zu öffnen. Die Züge müssen dann vor den Signalen warten und fangen sich u.U. Verspätung ein, Sicherheitseinbußen gibt es für keine der beteiligten Parteien.

    Bei automatischen Halbschrankenanlagen kann so nicht verfahren werden, zudem sich die Schließzeiten dort zumeist recht kurz, weil die Signale für die Züge schon vor Schließen der Schranken in Fahrtstellung gehen dürfen. Wenn der für einen Übergang mit Vollschranken zuständige Schrankenwärter oder Fahrdienstleiter nicht an Ort und Stelle sitzt und über die Kamera hinaus keinen Blickkontakt zum Übergang hat, kann er auch gar nicht wissen, dass vor der Schranken Einsatzfahrzeuge warten. Maßgeblich ist allein, dass der Gefahrenraum zwischen den Schrankenbäumen geräumt ist.

  7. Michael

    Korrektur zu meinem letzten Absatz: “zudem SIND die Schließzeiten dort zumeist recht kurz”

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