TV-Tipp: Rückblick auf Leipziger Inferno

Leipzig (SN) – Am Dienstagabend um 21.15 Uhr steht die Leipziger Hauptfeuerwache im Mittelpunkt einer TV-Reportage des Mitteldeutschen Rundfunks. “Echt! – Das Magazin zum Staunen” blickt auf einen spektakulären Feuerwehreinsatz im Juni 1986 zurück. Vor 25 Jahren starben zwei Menschen bei einem Brand in einer Wollkämmerei. 26 Einsatzkräfte und 19 Mitarbeiter erlitten schwere Verletzungen.

Nachgestellte Verletztenversorgung. Foto: Stadt Leipzig, BranddirektionAm frühen Morgen des 26. Juni 1986 steckte ein Mitarbeiter der Leipziger Wollkämmerei im Keller eines Produktionsgebäudes Haufen von Chemiefasern in Brand. Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus. Tonnen von Kunststofffasern und Wolle fangen Feuer. Bei der Verbrennung entstanden große Mengen giftiger Rauchgase.

Die Feuerwehr Leipzig rückte mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften an. Für zwei Mitarbeiterinnen kam jede Hilfe zu spät. Sie konnten sich nicht rechtzeitig ins Freie retten und kamen durch Rauchgasvergiftungen ums Leben. Sogar die Atemschutztrupps mussten den Innenangriff abbrechen, weil ihnen übel geworden ist. Immer wieder mussten die Einsatzkräfte ausgetauscht werden, weil sie Verletzungen erlitten hatten. Zwischenzeitig wurde auch ein Feuerwehrmann vermisst, der aufgrund der starken Belastung zusammengebrochen war.

Zur Verstärkung kamen auch dienstfrei Berufsfeuerwehrleute und freiwillige Feuerwehren zum Einsatz. Die Löscharbeiten dauerten bis zum Nachmittag an.

“Es wurde später davon ausgegangen, dass die ausgefallenen Feuerwehrmänner durch die Aufnahme gasförmiger Reaktionsprodukte im Brandrauch über die Haut vergiftet wurden. Wie giftig der Brandrauch war, wurde daran deutlich, dass die Vögel von einem neben dem Eingang stehenden Baum tot herabfielen”, erklärt ein Sprecher der Feuerwehr Leipzig.

Der Schaden belief sich auf vier Millionen DDR-Mark. Der Brandstifter wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Für die Reportage stellte der MDR Einsatzszenen nach. Dabei unterstützten die Freiwillige Feuerwehr Borna die Dreharbeiten mit historischen DDR-Löschfahrzeugen und Statisten.

Dreharbeiten zu Leipziger Inferno. Foto: Feuerwehr Leipzig
Dreharbeiten zur Reportage über einen dramatischen Leipziger Feuerwehreinsatz im Juni 1986. Foto: Stadt Leipzig, Branddirektion

5 Kommentare zu “TV-Tipp: Rückblick auf Leipziger Inferno”
  1. Reinhard Steffler

    Hallo,

    als Hinweis für die nachgestellten Einsatzszenen. Es wurde auch vom DRK die dort eingesetzten Originalfahzeuge einschließlich der Originalbesatzung des RTW, welche den vermissten Feuerwehrmann einer Wiederbelebung unterzogen haben aufgeboten.

    Gruß
    Reinhard

  2. Werde es mir mal zum 2. mal anschauen – beim 1. mal war ich leider live dabei.Und 3 Tage ITS im St. Georg Leipzig. Mal schauen ob man die Wahrheit zeigt.gglg. Uwe

  3. Super, jetzt wäre es nur noch toll wenn die Sendetermine hier veröffentlich werden.

  4. Christian Patzelt

    Der Sendetermin steht im ersten Satz des Beitrages: Dienstagabend, 21.15 Uhr, MDR.

  5. Daniel Schwartz

    Woher kam das Gift? Besondere Gefahren eines Polyacrylnitril-Brandes

    Wolpryla ist eine Markenname für das Polymer Polyacrylnitril. Es ist als Nitril ein organisches Cyanid. Wird nun Polyacrylnitril einer hohen thermischen Belastung ausgesetzt und herrscht dabei noch ein Mangel an Sauerstoff, so depolymerisiert der Stoff und zersetzt sich danach. Es entsteht u.a. Acrylnitril, Blausäure Ammoniak und Kohlenmonoxid. Diese Stoffe sind starke Gifte. Das Acrylnitril fördert zudem das Eindringen der Blausäure in die Haut und ein Festsetzen der Blausäure in der Kleidung. Daß ein extremer Mangel an Sauerstoff herrschte, war an der großen Entwicklung von schwarzem Rauch zu erkennen. Brände von Acrylnitril und dessen Polymere und Co-Polymere sind gerade bei Sauerstoffmangel extrem gefährlich, da sowohl das Acrylnitril als auch die Blausäure selbst eine tödliche Zyanidvergiftung hervorrufen können.
    Die Stoffe werden durch die Haut sehr gut aufgenommen.
    Beim Kontakt mit Acrylnitril ist zudem mit Spätfolgen wie Krebs zu rechnen. Zudem ist eine große Diffusion durch Gummi und andere Werkstoffe zu beachten. Brandbekämpfungsmaßnahmen in der Nähe eines Polyacrylnitril-Brandes dürfen daher nur bei 100% gesichertem Selbstschutz durchgeführt werden. Brennt Polyacrylnitril in einem Raum unter starkem Sauerstoffmangel (erkennbar an starker schwarzer Rauchentwicklung), darf dieser auch unter Atemschutz unter keinen Umständen betreten werden. Man kann ein solches Gebäude nur dann betreten, wenn mit großen Lüftern Frischluft den Einsatzkräften dauerhaft unter leichtem Überdruck zugeführt werden kann. Die Einsatzkräfte dürfen mit dem Rauch auch unter Schutzausrüstung unter keinen Umständen in Berührung kommen. Den Brandherd kühlt man unter die Entzündungstemperatur (z.B. Wassersprühstrahl). Ein Ersticken ohne ausreichende Kühlung (z.B. mit Pulver) muß vermieden werden, da das noch heiße Polyacrylnitril weiter depolymerisiert und pyrolysiert.
    Ein Polyacrylnitril-Brand gehört zu den gefährlichsten Bränden überhaupt, besonders dann, wenn zu wenig Sauerstoff am Brandherd vorhanden ist.
    Die Cyanidkonzentration in der Rauchwolke ist so groß, daß sie beim Einatmen in wenigen Sekunden, bei Aufnahme durch die Haut, in einigen Minuten tödlich wirkt.

    Die in großen Mengen thermisch belastete Wolle hat ebenfalls enorme Ammoniak-und Cyanidkonzentrationen sowie auch die Freisetzung von Kohlenoxidsulfid, Schwefeldioxid und anderen Giften bewirkt.

    Es empfieht sich, zur Entgiftung dem Löschwasser Eisen II-sulfat beizumischen, da dieses die Blausäure als komplexes Hexacyanoferrat bindet. Wenn stark eisenhaltiges Brunnenwasser zur Verfügung steht, kann man notfalls auch das einsetzen.

    Bei weiteren Fragen:
    Daniel Schwartz Technikhandel Chemikalien-, Explosivstoffrecycling, Beratung
    0160/95392146

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