Feuerwehr Wissen

Tierrettung – Wann ist die Feuerwehr zuständig?

Katze auf Baum, Dackel im Fuchsbau, Pferd in Graben – die Anzahl an Tierrettungseinsätzen steigt bei vielen Feuerwehren. Doch ist die Feuerwehr überhaupt immer zuständig? Und welche Einsätze sind kostenpflichtig? Wir klären auf.

In der Leitstelle der Feuerwehr L. geht ein Notruf ein. Der Anrufer meldet: “Da sitzt ein Vogel im Baum.” Auf Nachfrage des leicht irritierten Disponenten wird der Notruf konkretisiert: “Der sitzt schon lange da.” Daraufhin fragt der Leitstellenbeamte, inwieweit denn eine Notsituation vorliege. Sagt der Anrufer: “Der sieht irgendwie depressiv aus, sie müssen so schnell wie möglich jemanden schicken!”

Klingt lustig, ist aber tatsächlich passiert. Täglich gehen in den Leitstellen im Bundesgebiet Notrufe ein, mit denen Tiere in Not gemeldet werden. Dabei gibt es immer wieder Situationen, in denen sich die Leitstellenbeamten die Frage stellen, ob sie denn nun Feuerwehrfahrzeuge zum Einsatzort schicken sollen/müssen oder nicht. Was ist mit dem entflogenen Wellensittich, dem Hund, der beim Jagen nach einem Hasen im Hasenbau festsitzt oder dem verletzten Schwan auf dem Gemeindeweiher? Gibt es keine Grenzen für die Zuständigkeit der Feuerwehr?

Pferd aus Graben gerettet
Die Feuerwehr rettet einen Hengst aus einem Wassergraben. Foto: Timo Jann

Seit dem 1. August 2002 ist der Tierschutz in Artikel 20a des Grundgesetzes (GG) festgeschrieben. Auch in den Landesverfassungen ist das ausdrücklich geregelt. Das bedeutet, es gehört zu den Staatszielen, Tiere zu schützen. Und die Feuerwehren sind als Teil der Exekutive Teil des Staates. Einklagbar sind Staatsziele jedoch nicht, sodass sich aus der Erwähnung des Tierschutzes im höchsten deutschen Gesetz keine generelle Zuständigkeit der Feuerwehren herleiten lässt.

Vielmehr ist dies auf die Feuerwehrgesetze abzustellen. Dabei handelt es sich um Landesgesetze. Jedes Land hat also selbst bestimmt, welche Aufgaben die Feuerwehr erfüllen muss. Die Regelungen in Deutschland fallen sehr unterschiedlich aus. Zudem haben nur wenige Bundesländer, wie etwa Baden-Württemberg oder Bremen, ausdrücklich geregelt, dass die Feuerwehr für die Rettung von Tieren aus “lebensbedrohlichen Lagen” (Paragraf 2 Absatz 1 Nr. 2 Feuerwehrgesetz (FwG) BW) oder “die technische Rettung von Menschen und Tieren aus lebensbedrohlichen Lagen” (Paragraf 1 Absatz 1 Satz 2 Nr. 1c Bremisches Hilfeleistungsgesetz, kurz BremHilfeG) zuständig ist. In vielen Gesetzen ist lediglich von “technischer Hilfe bei Unglücksfällen” oder der “Gewährleistung vorbeugender und abwehrender Maßnahmen gegen Gefahren (allgemeine Hilfe)” die Rede.

Ob aber ein Unglücksfall oder eine Gefahr vorliegen soll, wenn es sich um ein Tier handelt, wird nicht ausdrücklich geregelt. Es ist dann nur möglich, sich jeweils das komplette Landesgesetz anzuschauen und nach Hinweisen zu suchen, ob sich aus anderen Stellen im Gesetz, an denen Tiere ausdrücklich genannt werden, Hinweise darauf ergeben, dass auch Tiere gemeint sein sollen (so genannte Auslegung des Gesetzes). Es würde den Rahmen sprengen, jedes der 16 Landesgesetze (meist Brandschutz- oder Feuerwehrgesetze) einzeln darzustellen und zu erläutern, ob und in welchem Umfang die Rettung von Tieren zu den Pflichtaufgaben der Feuerwehren gehört.

Tipps zum richtigen Vorgehen bei der Tierrettung

Die rechtlichen Grundlagen bei einer Tierrettung sind die eine Seite. Doch wie sieht es mit der öffentlichen Wahrnehmung der Handlungen der Feuerwehr aus? Ein Bürger bittet diese um Hilfe und sie kommt einfach nicht. Schlecht. Es empfiehlt sich deshalb, bei freien Kapazitäten eine Führungskraft in einem Kommandowagen zur Lageerkundung zu entsenden.

Im persönlichen Gespräch vor Ort kann der besorgte Bürger vermutlich beruhigt oder es können eventuell weitere erforderliche Schritte eingeleitet werden. Der Betroffene wird so in seiner Not nicht alleine gelassen und gut betreut. Gerade in ländlichen Regionen wird das von der Feuerwehr erwartet. 

Text: Nicole Kreutz

Tipps zur Tierrettung
Hunderettung aus einem freigebuddelten Abwasserkanal. Foto: CAP

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich bin als Landtierarzt schon bei verschiedenen Tierretungen durch die Feuerwehr hinzugerufen worden.
    Wenn bei diesen Einsätzen Feuerwehrkamerad/Innen teilnehmen, die selbst Tier-
    halter sind (Landwirte), ist oft schon viel gewonnen. Viele Handgriffe sind bekannt, Situationen werden richtig eingeschätzt, denn nichts ist schlimmer als Beteiligte/Zuschauer die emotional aufgeladen und hoch motiviert sind, aber eine vergleichbare Situation noch nie erlebt haben.
    Deshalb lautet meine Empfehlung, dass die Feuerwehrkamerad/Innen mindestens in der Theorie geschult werden sollten, besser sollten solche Einsätze geübt werden. Haben Veterinärämter dazu keine Zeit oder Lust, gibt es bestimmt Tierärzte und/oder Landwirte, die dazu gern bereit sind!

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Primär sollten mal die Halter die “richtigen Handgriffe lernen”, auf ihre Viecher aufpassen und nicht für jeden Quatsch den Aufbau einer mobilen Tierklinik erwarten. Absolutes Highlight war bei uns vor ein paar Jahren “Papagei auf Baum”. Ist ja wohl keine Notlage. Die LEBEN AUF BÄUMEN! (….wenn sie nicht gerade fliegen.)

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Hallo, heute wurde eine ca. 6 Mon. Alte Katze aus ca.8-10m Höhe gerettet.. Sie war schon mehrere Tage da oben… Nachbarn haben in einer halsbrecherischen Aktion, 2 Leitern mit Klebeband zusammengeklebt und sind dann hoch. Die Feuerwehr wollte 600 Euro…. Wem die Katze gehört, wissen wir nicht. Ich finde das nicht OK von der Feuerwehr.

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. War die Katze wirklich mehrere Tage kontinuierlich auf dem Baum?
    Oder immer wieder hoch geklettert?
    Grundsätzlich: Für eine Katze riskiere ich nicht meine Gesundheit oder gar mein Leben.
    Die Katze kommt spätestens runter, wenn sie Hunger hat.
    Wenn Menschen für eine Katze mit solchen Aktionen sogar ihr Leben riskieren, bin ich als Feuerwehrler nicht dafür verantwortlich.
    Bin ehrenamtlich bei der Feuerwehr und nicht für jedes Tier auf irgendeinem Baum zuständig. Wenn die Katze hoch kommt, kommt sie auch runter. Ganz einfach: kleine Kieselsteine hochwerfen. Da kommt jede Katze runter – ohne Verletzung.

    Auf diesen Kommentar antworten
  5. Nicht jede Katze kommt runter, manchmal begeben sich auch Tiere in für sie ausweglose Situationen (ähnlich wie Menschen).

    Bei uns musste einmal eine Katze aus einem Lichtschacht gerettet werden. Sie war irgendwie reingefallen und schaffte es um einige Zentimeter nicht mehr heraus zu springen. Sie war allerdings panisch und griff alle Helfer an und verursachte einige Kratzer bei Helfern.

    Auf diesen Kommentar antworten
  6. Ich finde die Situation extrem schwierig. Einem Wildtier in Not wird nicht geholfen, weil man auf den Kosten des Einsatzes sitzen bleibt. Das dies bei Tieren die einen Besitzer haben so ist, verstehe ich noch, aber alles andere ist moralisch-ethische Erpressung. Seinen Kindern klar zu machen, dass man den Spatz nicht aus dem Dachrinnenfallrohr (ja, 3 geschossiges Mietshaus – keine Möglichkeit ohne Selbstgefährdung zu retten) befreien kann und er bei praller Sonne dort drin jämmerlich sterben muss, da die Feuerwehr nur kommt, wenn ich den Einsatz zahle.

    Genau so passiert. Nur das mir keiner vorher gesagt hat das ich zahlen muss, sondern jetzt eine Rechnung präsentiert bekomme.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: