Testphase: Flugdienst soll weiter starten

Hannover – Der “Feuerwehr-Flugdienst” in Niedersachsen soll auch weiterhin starten dürfen – zumindest vorerst. Niedersachsen Innenminister Uwe Schünemann kündigte eine einjährige Testphase an, nach der die Daten von Luft- und Kameraüberwachung ausgewertet werden sollen. In dieser Zeit sollen bei Waldbrandgefahrenstufe 5 auch Mitarbeiter der Landesforsten die Flüge begleiten dürfen.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann.
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann.

Das “Automatisierte Waldbrandfrüherkennungssystem” (AWFS) und die Einsatzstrategien der Feuerwehrflugzeuge sollen künftig optimiert werden, hieß es aus dem Ministerium in Hannover. “Dazu werden wir die Schnittstellen zwischen der Luft- und Kameraüberwachung noch feiner justieren und die erhobenen Daten und Fakten in einem Jahr evaluieren”, kündigte Schünemann an. Dabei schloss der Minister ausdrücklich nicht aus, dass die Flugzeuge auch kameraüberwachte Gebiete mit überwachen. Zudem sei mit dem Landwirtschaftsministerium vereinbart worden, dass Mitarbeiter der Landesforsten “bei der Waldbrandstufe 5 die Flüge begleiten können.” Die Flugzeuge sollen auf einer im Jahr 2009 festgelegten Route fliegen. Vor welcher Zukunft der Flugdienst in etwa einem Jahr stehen wird, bleibt somit offen.

Seit März 2011 wird die Lüneburger Heide durch ein Kamerasystem überwacht. Es soll in der Lage sein, Brände aus einer Entfernung von 25 Kilometer mit einer Genauigkeit von zehn mal zehn Metern zu erkennen. Alle vier Minuten würde das Gebiet gescannt. Die Auswertung erfolgt in der Kooperativen Leitstelle Lüneburg. “Das AWFS ersetzt die bisherige Überwachung von Feuerwachtürmen aus und macht grundsätzlich auch eine Überwachung aus der Luft entbehrlich”, teilte das Innenministerium mit. Vor diesem Hintergrund war kurz nach Ostern – trotz hoher Waldbrandgefahr – kein Geld für für den Flugdienst mehr bereit gestellt worden, die Flugzeuge durften nicht mehr starten. Eine Welle der Empörung, insbesondere bei der Feuerwehr, die teilweise von den Flugzeugen im Einsatzfall auch navigiert wird, war die Folge.

“Die weniger waldbrandgefährdeten Bereiche im Westen und Süden Niedersachsens sind nicht kameraüberwacht. Hier bleibt es bei der Waldbrandvorsorge aus der Luft”, sagte Landesbranddirektor Jörg Schallhorn. Allerdings: Anders als an den Stützpunkten in Lüneburg und Hildesheim ist die früher in Damme bei Vechta stationierte Maschine vor einigen Jahren nicht ersatzbeschafft worden. Vor allem viele Feuerwehrleute in West-Niedersachsen halten den Flugdienst deshalb seitdem für lückenhaft. Laut der “Lüneburger Landeszeitung” bleibt auch Torsten Hensel, Kreisbrandmeister und Leiter des Stützpunktes Lüneburg, trotz der Ankündigung aus dem Ministerium skeptisch. Er wolle zunächst ein Gespräch am Montag im Ministerium abwarten, berichtete das Blatt.

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Auch sie soll wieder starten: Cessna 206 des Feuerwehr-Flugdienstes in Lüneburg. Foto: Matthias Köhlbrandt
Auch sie soll wieder starten: Cessna 206 des Feuerwehr-Flugdienstes in Lüneburg. Foto: Matthias Köhlbrandt
3 Kommentare zu “Testphase: Flugdienst soll weiter starten”
  1. Martin Horn

    Ganz toll: Jetzt müssen die Flugzeugbesatzungen in einen Wettstreit mit den Kameras treten? Was ist, wenn es einen nassen Sommer gibt? Der Herr Minister lässt sich feiern. Richtig wäre, eine dritte Maschine in Damme zu stationiern, statt dieser lächerlichen Salami-Taktik, die nur die Gemüter beruhigen soll…

  2. Ich komme nicht aus Niedersachsen und es mag sein,dass es wirklich eine Salami-Taktik ist – aber:

    Dass das System optimiert werden kann, muss und soll hat der LFV doch selbst eingeräumt!

    Es ist wohl besser den Flugdienst jetzt für ca. 1 Jahr zu sicher, in der Zeit zu optimieren und dann hoffentlich längerfristig zu erhalten, als ab sofort gar nicht mehr fliegen zu können!

  3. Michael Klöpper

    Die Polizeidirektion Lüneburg teilte am 6. Mai 2011 mit:

    “Am Samstag, den 07.05.2011, nimmt auf Anforderung der Polizeidirektion Lüneburg der Feuerwehr-Flugdienst des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen seine Tätigkeit wieder auf. Hintergrund ist die andauernde Wärme und die bereits länger ausbleibenden größeren Niederschlagsmengen. Die sich weiter abzeichnende Trockenheit und große Wärme lässt die Brandgefahr in Heide-, Moor- und Waldgebieten erheblich ansteigen. Aktuell gilt für das kommende Wochenende in großen Teilen Nordost-Niedersachsens die höchste Waldbrandstufe 5. Es wird das Flugzeug des Feuerwehr-Flugdienstes vom Standort Lüneburg eingesetzt. Der Feuerwehr-Flugdienst fliegt üblicherweise in der Zeit von 12-19 Uhr. Dabei legt er in der Regel drei Runden zurück, die weite Bereiche der Landkreise Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Soltau-Fallingbostel und Harburg abdecken. Neben dem Piloten sind ein Förster der Niedersächsischen Landesforsten und ein Beobachter der Feuerwehr mit an Bord.

    Die Polizeidirektion Lüneburg appelliert aufgrund der hohen Waldbrandgefahr an alle Bürgerinnen und Bürger, sich an einige grundlegende Regeln der Brandverhütung zu halten: In der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober ist es verboten, in Wäldern, Mooren und Heiden offene Feuer zu entzünden oder zu rauchen. Die Gefahr, die von achtlos aus dem Auto geworfenen Zigarettenkippen oder Glasflaschen ausgeht, wird besonders häufig unterschätzt – oft beginnen Waldbrände vom Straßenrand aus. Es ist auch darauf zu achten, dass Autos mit Katalysatoren nicht über trockenem Gras oder Heide geparkt werden dürfen. Vielfach sind Brände auch durch spielende Kinder entstanden. Erwachsene sollten den Nachwuchs deshalb rechtzeitig über das besondere Risiko aufklären. Beim Parken am Waldrand müssen generell die Wege und Zufahrten freigehalten werden, um im Notfall den Löschfahrzeugen ein schnelles Durchkommen zu ermöglichen. Jeder Waldbesucher ist verpflichtet, Waldbrände zu verhüten und zu bekämpfen. Scheint der eigene Löschversuch erfolglos oder von vornherein aussichtslos, so muss umgehend die Polizei, Feuerwehr oder die nächste Forstdienststelle informiert werden. Waldbrände vernichten nicht nur den Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, sondern auch unseren Erholungsraum. Außerdem sind die finanziellen Schäden oft beträchtlich und bewegen sich alljährlich bundesweit in Millionenhöhe.”

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