Schiffskollision im Lübecker Hafen

Lübeck (SH) – Um 18:16 Uhr meldete der erste Anrufer der Feuerwehr Lübeck eine Schiffskollision am Skandinavienkai. Beim Einlaufen war das deutsche Passagierschiff “Nils Holgersson” mit der dänischen Ro/Ro-Fähre “Urd” kollidiert. Dabei wurde vor allem die Fähre stark sowohl im Über- als auch im Unterwasserbereich beschädigt. Durch das eindringende Wasser lief der Havarist auf Grund. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Feuerwehr, Rettungsdiest,  zwei Rettungshubschrauber sowie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und der Ortsverband Lübeck des THW rückten zur Unglücksstelle aus.

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Der Seenotkreuzer "Hans Hackmack" liegt standby am Havaristen "Urd", um die Lenzarbeiten unterstützen zu können. Foto: DGzRS

Die 190 Meter lange “Nils Holgersson” kam mit 63 Passagieren aus Schweden und wollte zum Anleger 6 des Skandinavienkais in der schleswig-holsteinischen Hansestadt. Aus bislang noch unbekannten Gründen fuhr das Schiff jedoch geradeaus und rammte im rechten Winkel in die Backbordseite der am Anleger 3 festgemachten dänischen Fähre. Der Wulststeven der “Nils Holgersson” riss dabei ein zirka 6 Quadratmeter großes Loch unterhalb der Wasserlinie in die Seite der “Urd”. Hier lief sofort Wasser in den Rumpf, woraufhin die Fähre Schlagseite bekam und später auf Grund ging. Die entsprechende Sektion des Schiffs konnte jedoch noch geschlossen werden. Der Bug des Passagierschiffs schnitt eine keilförmige Kerbe in das Schanzkleid und beschädigte einige auf dem Deck der “Urd” abgestellte Sattelauflieger.

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Wie mit einem Spaltbeil hat der Bug der "Nils Holgersson" ein Loch in Bodwand und Schanzkleid der "Urd" geschnitten. Foto: DGzRS

Ein zunächst angenommener Massenanfall von Verletzten (MANV) bestätigte sich nicht. Erkundungen ergaben, dass alle an Bord befindlichen Personen auf beiden Schiffen unverletzt geblieben waren. Die Versorgung der Passagiere und Besatzungsmitglieder übernahm die Lübecker Hafengesellschaft. Die “Urd” war zum Zeitpunkt des Unglücks gerade beim Beladen gewesen, 14 Lkw standen bereits an Bord. Keiner dieser Lastwagen hatte Gefahrgüter geladen. Nachdem die “Nils Holgersson” rückwärts aus dem Havaristen herausgefahren war, konnte das Loch in der Bordwand mittels Stahlplatten verschlossen werden. Die Feuerwehr Lübeck sowie der THW OV Oldenburg/Holstein unterstützten die Lenzarbeiten der bordeigenen Pumpen der “Urd”. Die Seenotkreuzer “”Hans Hackmack”/Station Grömitz und “Bremen”/Station Großenbrode waren ebenfalls in Bereitstellung, um mit ihren Lenzpumpen gegebenenfalls die Maßnahmen unterstützen zu können.

Die "Nils Holgersson" wurde am Wulstbug sowie an der Bugklappe beschädigt. Foto: DGzRS

Sicherheitshalber legten die Einsatzkräfte vom Feuerlöschboot “Senator Emil Peters” auch Ölschlengel rund um den Havaristen aus. Um 20.45 Uhr übernahm das Havariekommando Cuxhaven die Gesamteinsatzleitung. Nach Abschluss der Ermittlungen und wenn die zuständigen Gutachter die “Urd” freigegeben haben, soll das Schiff in eine Werft zur Reparatur geschleppt werden. Die “Nils Holgersson” erlitt Schäden am Wulstbug sowie der Bugklappe. (Informationen: Feuerwehr Lübeck, Wasserschutzpolizei, Havariekommando, DGzRS, THW OV Lübeck; Fotos: DGzRS)

Die Havaristen

Passagierschiff “Nils Holgersson VI”: RoPax-Fähre (kombiniertes Schiff für den Transport von Pkw, Lkw, Lkw-Aufliegern und Passagieren), 2000 bei der SSW Fähr- und Spezialschiffbau GmbH in Bremerhaven gebaut, vier MaK-M43-Dieselmotoren sowie ein MaK-M32-Dieselmotor mit Generator, Siemens-Schottel-Propellergondelantrieb, zwei Bugstrahlruder (im vorderen Schiffsteil quer eingebaute Propeller zum Manövrieren), Länge: 190 m, Breite: 29,50 m, Tiefgang: 6,20 m, Geschwindigkeit: 22 kn, Kapazität für bis zu 744 Passagiere sowie 540 Pkw, Reederei TT-Line.

Fährschiff “Urd” (altnordisch für “Schicksal”): Ro/Ro-Kombifähre (Roll on/Roll off, Fährschiff für den Transport von Pkw, Lkw und Lkw-Aufliegern), 1981 bei Nuovi Cantieri Apuania S.P.A. gebaut, Umbau zur Autofähre 1991, Hauptmaschine Wärtsilä 12V32E, Länge: 171,05 m, Breite: 20,22 m, Tiefgang: 6,01 m, Geschwindigkeit: 17,3 kn, Kapazität für 600 Passagiere sowie 290 Pkw, Reederei Scandlines A/S.

Glossar

Backbord: in Fahrtrichtung linke Seite des Schiffs, rotes Positionslicht, im Gegensatz zu Steuerbord, in Fahrtrichtung rechte Seite, grünes Positionslicht
Sektion: Sektionen sind senkrechte und waagerechte Wände bzw. Decks im Schiff und dienen der wasserdichten Unterteilung des Schiffrumpfes
Bug: vorderer Schiffsteil
Wulstbug: Vorbau am unter Wasser liegenden Teil des Bugs, vermindert den Wasserwiderstand und bei kleineren Schiffen das Eintauchen des Bugs
Schanzkleid: Oberhalb eines Decks liegende Verlängerung der Bordwand
Bugklappe: Verschluss der vorderen Laderampe eines Fährschiffs

4 Kommentare zu “Schiffskollision im Lübecker Hafen”
  1. Tommy

    nein, er ist nicht geflohen, nur ins Rettungsboot gefallen. Man hat ihn direkt am Anleger gefunden 🙂

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