Rückblick auf das Unwetter-Jahr 2012

Offenbach (HE)– Auch im zu Ende gehenden Jahr traten in ganz Deutschland wieder viele Unwetter auf, die Menschenleben forderten und zu beträchtlichen Schäden führten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat den Wetterverlauf des Jahres 2012 Tag für Tag und rund um die Uhr überwacht, etwa 30.000mal frühzeitig vor gefährlichen Wetterlagen gewarnt und diese dokumentiert. Wie auch im Vorjahr hat der DWD Medienberichte über größere Schäden durch Unwetter in Deutschland gesammelt und ausgewertet.

Die folgende, umfangreiche Zusammenstellung für den Zeitraumbis November 2012 hat allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weitere Meldungen und Beobachtungen können gerne über die Kommentarfunktion eingefügt werden!

Januar 2012

Die Tiefdruckgebiete “Ulli” (am 3.) und “Andrea” (am 5.) verursachten Sturmschäden in Deutschland. Hier eine Auswahl besonderer Ereignisse: Am 3. wurde das Dach des Gebäudes der Emszeitung in Papenburg abgedeckt. Im hessischen Korbach wurde ein Lkw von der Straße geweht. Im nordrhein-westfälischen Ennepetal wurden 290 Menschen aus einem Zug befreit, der wegen eines Baums auf den Gleisen nicht weiter kam. Am 5. starb eine Frau in Oberfranken, nachdem eine Windböe ein entgegenkommendes Fahrzeug erfasst und auf die Gegenfahrbahn geschleudert hatte. In Regensburg flogen Teile des Daches eines Möbelhauses davon. Auf dem Rhein bei Gernsheim wehte eine Bö einen Container von einem Schiff. Ein Lkw verlor am Gießener Südkreuz Teile der Ladung und verursachte ein Verkehrschaos. Im Ostallgäu wurde in der Gemeinde Wald der Kirchturm vom Blitz getroffen. Er brannte völlig aus und stürzte teilweise ein. Durch den starken Niederschlag stiegen die Pegel von Mosel, Nahe, Glan, Lahn, Ahr und Sieg an. Auf einigen Flüssen wurde die Schifffahrt eingestellt.

Schneeglätte vom 6. bis 10. führte in Bayern zu Verkehrsunfällen. In Regen (Oberpfalz) wurden dabei fünf Personen zum Teil schwer verletzt. Auf der A 6 starb ein Junge. Bei Passau kam eine Frau ums Leben, deren Wagen eine Böschung hinunter rutschte. Aufgrund schwerer Sturmböen wurden die Fährverbindungen am 12. zu den Halligen zeitweise eingestellt. Am 19. führte gefrierender Niederschlag in Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen zu hunderten von Unfällen – viele davon im Raum Stuttgart. In Meiningen fuhr ein Lkw in ein Wohnhaus. Der Fahrer starb. Bei Kitzingen schlitterte ein Wagen in den Main. Beide Insassen konnten gerettet werden.

Durch Schneefall am 20.,  24.,  28. und 30./31. kam es verbreitet zu zahlreichen Unfällen in Mecklenburg-Vorpommern, im Berliner Raum sowie in der Mitte Deutschlands. Dabei gab es einem Massenunfall auf der A1 bei Cloppenburg mit vielen Verletzten. Bei Neumarkt in der Oberpfalz starb eine 17-jährige Fahrerin. Bei Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen traten Behinderungen im Bahnverkehr auf. Bei Zwönitz (Erzgebirge) prallte eine Frau mit dem Pkw gegen zwei Bäume.

Bei St. Egidien kamen Lkws eine Steigung nicht hinauf, stellten sich quer und blockierten die Straße. Bei Traunstein mussten rund 250 Fahrgäste in einen Ersatzzug umsteigen, nachdem ihr Zug gegen einen quer liegenden Baum gefahren war. Die Oberleitung war auf einer Länge von 600 Metern heruntergerissen. Die Oder wurde wegen zu starkem Eisgang ab dem 31. für die Schifffahrt gesperrt.

Hagel wurde an folgenden Tagen beobachtet: am 5. in Rheinland-Pfalz bei Durchzug der Ausläufer von Orkantief „Andrea“: In Urbach (Kreis Neuwied) bildeten Hagelkörner von drei Zentimeter Durchmesser eine 5 Zentimeter hohe Eisdecke. Dachziegel und Scheiben gingen zu Bruch. Vom 19. bis 22. zogen die Ausläufer der Sturmtiefs „Fabienne“ und „Gisela“ über Deutschland hinweg. An einzelnen Tagen fiel dabei auch im Erzgebirge und entlang der Schwäbischen Alb Hagel.

Februar 2012

Starker Frost in der ersten Monatshälfte führte vor allem im Straßenverkehr zu Behinderungen. Auf der Elbe hatte sich so viel Eis gebildet, dass der Fluss zwischen Magdeburg und Hamburg ab dem 5. für die Schifffahrt gesperrt war. Ebenso waren der Elbe-Havel-Kanal und der Neckar nicht befahrbar. Auf dem Neckar zwischen Heilbronn und Mannheim lagen zeitweise ca. 50 Frachtschiffe fest. Nicht nur auf den Binnengewässern kam es zu Einschränkungen, auch der Fährbetrieb zu den Ostfriesischen Inseln, insbesondere Wangerooge, Juist und Spiekeroog, kam zeitweise zum Erliegen.

Weichen und Signalstörungen führten am 7. im Raum Hannover sowie Frankfurt zu deutlichen Verspätungen im Bahnverkehr. Gefrierender Regen führte am 8. in Teilen Nordrhein-Westfalens zu zahlreichen Staus und Verkehrsunfällen. Wegen starken Schneefalls am 15. mussten am Flughafen München 88 Flüge annulliert werden. Bei weiteren hauptsächlich glättebedingten Unfällen starben am 14. und 15. im Raum Chemnitz zwei Menschen. In Deutschland waren im Februar nach Berichten der Medien mehrere Kältetode zu beklagen. Neben Frost und Schnee traten auch Sturmböen auf: Daraufhin wurde am 15. das Weltcupspringen in Klingenthal abgesagt.

März 2012

Schwer verletzt wurde eine Autofahrerin, als sie am 8. des Monats bei Schömberg (Zollernalbkreis) durch Glätte ins Schleudern geriet und eine Böschung hinab stürzte. Am 24. schlug in den 32 Meter hohen Maibaum in Heimstetten bei München der Blitz ein – die Überspannung zerstörte die Elektrik eines nahegelegenen Hauses. Trockenheit erhöhte in Teilen Deutschlands die Waldbrandgefahr. In Hessen und Baden-Württemberg brannten einige Wiesen. Hagel wurde am 18. im Erzgebirge und am 24. im Südschwarzwald sowie südlich von München mit Hagelkorngrößen bis drei Zentimeter beobachtet.

April 2012

Bei Bad Hersfeld wurde am 22. des Monats eine Spaziergängerin vom Blitz erschlagen. Im Sauerland und in der Oberpfalz kam es durch Hagel- und Regenschauer zu Verkehrsunfällen. Etliche Personen wurden dabei schwer verletzt. In Bremen-Arsten stürzte nach Blitzschlag ein Baum um und riss eine Gasleitung aus dem Boden. Auf dem Flugplatz Northeim wurde ein Sportflugzeug von einer Bö erfasst und stark beschädigt.

Am 3. fielen in Teilen Baden-Württembergs, vor allem nordöstlich von Reutlingen, Hagelkörner mit einer Größe bis zu fünf Zentimeter. Es gab Schäden an Autos und Obstgehölzen. Weitere Meldungen zwischen dem 4. und 12. sowie zwischen dem 19. und 22. des Monats kamen aus dem Raum Berlin, dem Osterzgebirge, der Eifel, dem Rothaargebirge, aus Warnemünde, dem Thüringer Wald, dem Südwesten Niedersachsens, dem Sauerland, der Oberpfalz, von der Ostsee und aus dem Donauraum.

Mai 2012

Zahlreiche Gewitter im Mai führten an mehreren Orten zu Schäden: Am 2. beschädigte ein Blitz ein Wohnhaus in Bad Hersfeld. Am 3. wurden in Zwickau zwei Bewohner nach einem Hausbrand mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht und in Spiesen (Saarland) schlug es in eine Schreinerei ein. Am 4. traf in Rodewisch (bei Plauen) ein Blitz gleich drei Hauser. Durch den entstandenen Brand erlitt auch hier eine Person eine Rauchgasvergiftung. Am 10. fiel nach Blitzschlag in Albersloh (Westfalen) der Strom aus und in Warendorf läuteten aufgrund eines Kurzschlusses längere Zeit die Kirchenglocken. Am 19. geriet der Dachstuhl von Schloss Dieprahm bei Kamp-Lintfort (NRW) nach Blitzschlag in Brand. Am 23. wurde in Marktredwitz (Oberfranken) eine Frau schwer verletzt. Am 30. kam es nach Gewitter im Bahnhof Bobingen (Bayern) zu Behinderungen im Schienenverkehr und in Bogen brannte eine Scheune.

Durch Sturm und Starkniederschläge stürzten vielerorts Bäume um, liefen Keller voll, wurden Straßen unpassierbar: So stand am 2. des Monats die Saarbrücker Stadtautobahn 40 Zentimeter unter Wasser. Am 3. löste sich an der A 38 bei Rippachtal nasse Erde auf einer Länge von ca. 200 Metern und blockierte zwei Fahrspuren. Am 20. war in Düsseldorf die S-Bahn Station Rath wegen Überflutung unbenutzbar. Am 23. wurde die A44 zwischen Unna und Werl stellenweise überflutet und von Schlamm überspült. In Plettenberg (Märkischer Kreis) stürzte ein Baum auf einen Pkw und im Kreis Siegen-Wittgenstein wurde nach einem Erdrutsch bei Netphen ein Dorf kurzzeitig von der Außenwelt abgeschnitten, da dieser die einzige Zufahrtstraße blockierte. Auf der Grenzwaldbrücke der A7 (Kreis Bad Kissingen) führte Straßenglätte am 17. zu einer Unfallserie mit sieben Fahrzeugen – zehn Personen wurden dabei verletzt, vier davon schwer.

Hagel wurde im Mai an 11 Tagen beobachtet. Hagelbedingte Schäden oder heftige Hagelniederschläge wurden aus folgenden Regionen gemeldet: am 2. aus großen Teilen Hessens, örtlich aus dem Raum Göttingen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und der Oberpfalz bei Hagelkorngrößen bis vier Zentimeter. Außerdem aus den Bergländern des Rothaargebirges und des Schwarzwalds. Ebenso am 20. vom Niederrhein bis zur Voreifel. Dabei entstand in Mechernich-Kommern (Kreis Euskirchen) eine 40 Zentimeter hohe Schicht aus Hagelkörnern. Mehr als 45 Tonnen Hagel brachte die Feuerwehr mit Lastwagen weg. Eiskörner von bis zu vier Zentimeter Durchmesser hatten Dächer durchschlagen und Bäume entlaubt. Eine Hageldecke von 20 Zentimeter Höhe entstand auch am 31. bei Cham (Oberpfalz), Hagel wurde zudem aus dem Raum Göttingen gemeldet.

Im Mai wurden drei Tornados gesichtet: der erste am 6. in Waldenbuch (Baden-Württemberg), der zweite und dritte am 31. in Heidhausen sowie Mensinghausen (Niedersachsen). Die Schäden blieben jedoch gering.

Juni 2012

Häufige Gewitterlagen sorgten vor allem in der zweiten Junihälfte örtlich für starke Niederschlage, Sturmböen und Blitzeinschlage. Zahlreiche Keller liefen voll und Strassen sowie Bahnlinien waren wegen Überflutung oder umgestürzter Baume zeitweise unpassierbar. So traf am 3. ein Blitz das Klärwerk von Wohlfahrtshausen. Das Dach wurde heruntergeschleudert und das Haus zerstört. Am 7. wurde ein Pfarrhaus in Loffingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) getroffen und beschädigt, in Lobbach (Rhein-Neckar-Kreis) brannte ein Dachstuhl. Am 18. schlug ein Blitz in Rheine (NRW) in ein Wohnhaus. Über Rostock zog ein Hagelunwetter, das in kurzer Zeit mehrere Strassen unter Wasser setzte. Ein umstürzender Baum traf gleich vier Autos.

In der Nacht zum 19. schlugen Blitze in drei Polizei-Dienststellen in Kempten, Memmingen und Linden ein. Am 20. wurde ein Regionalsender des MDR getroffen – hier fielen längere Zeit alle Sendungen aus. In Hauzenberg (bei Passau) gab es einen Erdrutsch und der Riedbergtunnel (bei Regen) musste von Schlamm und Geröll gereinigt werden. Im Bereich von Mengkofen (Kr. Dingolfing-Landau) fiel zeitweise der Strom aus. Auf dem Flughafen München musste ein Flugzeug nach Blitzschlag notlanden. Am 21. wurden in Darmstadt elf Autos durch Trümmer eines zerstörten Schornsteins beschädigt und in Gondelsheim (bei Karlsruhe) brannten mehrere Lagerhallen nieder. Durch starke Sturmböen wurden am 24. in Hamburg-Kirchwerder zahlreiche Gartenhäuschen zerstört.

Besonders tragisch: Am 29. schlug ein Blitz in einen Unterstand auf einem Golfplatz bei Korbach (Nordhessen) ein, in dem vier Frauen Schutz suchten. Drei starben sofort, die vierte wenige Tage später. In Rothenbach (Kreis Lindau) brannte ein Bauernhof ab, in Hirschzell (Allgäu) fiel nach einem Brand in der Grundschule der Unterricht aus. Im hessischen Steinbach sowie in St. Goarshausen rutschte ein Hang ab – die Bahnlinie dort musste gesperrt werden. Eine Autofahrerin wurde am 30. durch einen umstürzenden Baum zwischen Günzburg und Gundelflingen (Schwaben) erschlagen. In der Nacht vom 30. auf den 1. Juli wurden 51 Besucher eines Metal-Festivals im nordsächsischen Roitzschjora durch einen Blitzschlag verletzt, drei davon schwer. An diesem letzten Wochenende des Monats zählte der Deutsche Wetterdienst mehr als 300.000 Blitze über Deutschland.

Hagel wurde im Juni in folgenden Regionen beobachtet: am 2. auf Rügen; am 7. in Lörrach; am 16. in Sachsen, am 18. in Teilen Ostdeutschlands, wobei in Schaprode auf Rügen etwa 1.000 Autos durch bis zu sieben Zentimeter große Hagelkörner beschädigt wurden. Hagel auch am 19. am Alpenrand und in den Alpen, mit bis zu 5 Zentimeter Korndurchmesser in Garmisch-Partenkirchen. Hagel fiel auch am 20. im Erzgebirge, am 21. in Meinigen, am 28. auf der Zugspitze, am 29. vom Oberrhein bis ins Allgäu, am 30. in Baden-Württemberg (vier Zentimeter große Körner in Oberstenfeld-Prevorst, Kr. Ludwigsburg) sowie in Franken, Thüringen und Brandenburg.

Auch im Juni entwickelten sich bei schweren Unwettern einzelne Tornados, so z.B. am 7. über Grefrath (NRW), am 11. westlich von Hafenlohr (Bayern), am 12. in Höxter-Ovenhausen (NRW). Es entstanden einige Schäden an Hausdächern.

Orkan Andrea: eines der Unwetter, die im Jahr 2012 Deutschland beschäftigten, hier in Mölln (Schleswig-Holstein). Foto: Christian Nimtz

Juli 2012

Auch Im Juli kam es häufiger zu Gewittern – zum Teil in Verbindung mit Starkregen und Hagel. So führten Blitzschläge in einigen Bereichen Deutschlands zu Bränden oder Störungen bei der Bahn. Auch Schlammlawinen traten auf – Verspätungen im Bahnverkehr waren die Folge. Am 1. wurden in Öettingen mehrerer Personen durch umstürzende Bäume und herab fallende Ästen während eines Gewitters verletzt. Am 6. traf ein Blitz 15 Bergsteiger im Berchtesgadener Land und verletzt sie. Auch Tote waren zu beklagen – allein am Wochenende 7./8. Juli starben in Sachsen drei Menschen.

Der Juli war ein starker Hagelmonat. Durch den ganzen Monat und aus allen Regionen kamen die Meldungen. Eine kleine Auswahl: am 1. in Augsburg, Konstanz, im Bayerischen Wald, in Freilassing (Bayern), in Feuchtwangen (Baden-Württemberg), in Anger (Bayern), in Sankt Peter- Ording, in Wiesenburg Brandenburg) und in Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen). Am 2. in Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) sowie am 5. in Neuhaus am Rennweg (Thüringen), in Pösnitz (Thüringen), in Lauchhammer (Brandenburg), in Grimma (Sachsen) und in Pausa (Sachsen). Am 7. in Giesen und in Finsterwalde (Brandenburg). Am 8. in Arkona (Rügen), in Lindenberg (Brandenburg) und in Sankt Peter- Ording. Am 9. in Fürstenzell (Bayern), am 10. in Rheinstetten und Lahr (beide Baden-Württemberg), auf dem Feldberg im Schwarzwald, in Regensburg und in Sankt Peter-Ording. Am 12. in Angermünde (Brandenburg) und in Gera. Am 14. in Gera, am 15. in Zschepplin (Sachsen), in Augsburg, in Fürstenzell (Bayern), in Neuhaus am Rennweg (Thüringen) und in St. Peter-Ording. Am 16. in Sankt Peter-Ording, am 17. in Berlin-Dahlem, am 18. in Magdeburg und am 19. in Berlin-Dahlem, erneut in Sankt Peter-Ording sowie in Zeesen (Branden-burg). Am 21. in Frankfurt /Main, am 27. in Magdeburg, am 29. in Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) usw.

Auch mehrere Tornados wurden im Juli gesichtet: Am 7. in Heuchelheim bei Giessen und über der Nordsee bei Sahlenburg (Niedersachsen), am 08. in Vielist (Mecklenburg-Vorpommern) sowie in Nordhastedt (Schleswig-Holstein), am 11. in Burgtiefe (Fehmarn), am 13. in Remscheid und Tessin (Mecklenburg-Vorpommern), am 30. in Mölln (Schleswig-Holstein) und am 31. über der Nordsee bei Wenningstedt (Schleswig-Holstein) und bei Duhnen (Niedersachsen). Teils wurden Dächer abgedeckt, Äste brachen, Bäume stürzten um.

August 2012

Bei Unwettern am 2. wurden in München Keller und Straßenunterführungen überflutet. Im Stadtteil Bogenhausen brannte nach Blitzschlag ein Dachstuhl völlig aus. In Genthin (Sachsen-Anhalt) wurden Bäume entwurzelt und Keller überflutet. Am 6. wurden ein Spaziergänger (bei Kelheim, Bayern) vom Blitz getroffen. Getroffen wurde auch eine Scheune bei Oberstdorf, in der vier Wan- derer Schutz suchten. Zwei Personen wurden schwer verletzt. In Marktoberdorf (Allgäu) brannte ein Dachstuhl.

Bei großer Hitze am 19. führten streikende Klimaanlagen bei der Bahn zu Zugausfällen. Neue schwere Unwetter am 20./21. führten zu Überschwemmungen in Teilen von Frankfurt/Oder. Umgestürzte Bäume blockierten hier einige Zufahrtsstraßen. In der Oberlausitz musste wegen Wassereinbruch eine Jugendherberge geräumt werden. Im Berliner Norden legten Blitzschläge mehrere S-Bahnlinien lahm. In Heldenstein (Kreis Mühldorf) brannte ein Bauernhof, in Pförring traf ein Blitz einen Dachstuhl, in Beilngries (beides Kreis Eichstätt) wurde eine Trafostation beschädigt. Der Verkehr auf mehreren S-Bahnlinien in München war wegen beschädigter Oberleitungen stark beeinträchtigt.

In Berlin wurde in der Nacht zum 22. der Ausnahmezustand ausgerufen, die Feuerwehr hatte bis zu 250 Einsätze, meist wegen vollgelaufener Keller. Durch herab fallende Äste und umgestürzte Bäume kamen der Bahnverkehr auf der Strecke Dresden – Zwickau sowie Dresden – Prag sowie der Straßenbahnverkehr in Görlitz zeitweise zum Erliegen. Bei heftigen Gewittern kippte am 22. auf der Autobahn bei Freising ein Reisebus mit 30 Kindern um, wobei einige sich schwer verletzten.

Bei Rottweil (Schwarzwald) zerstörte starker Wind Zelte eines Zirkus. Nach starken Regenfällen am 29. in Glasewitz (Kr. Rostock) ergoss sich Erde von einem Acker als Schlammlawine in den Ort. Am 31. zerfetzte ein Blitz einen Baum in Mainz. Seine Äste flogen bis zu 50 m weit – es gab Sachschäden an benachbarten Häusern.

Auch im August trat zusammen mit schweren Unwettern immer wieder Hagel auf. So am 2. im Fläming, am 4. in der Uckermark und in den Alpen. Bis zu drei Zentimeter große Hagelkörner meldete Nesselwang im Allgäu. Hagel auch am 5. in der Ortenau, am 7. auf Norderney, am 15. erneut in der Ortenau. Besonders große Hagelkörner fielen am 20. in Sachsen: bis zu vier Zentimeter Durchmesser in Gablenz (Kreis Zwickau), bis zu sechs Zentimeter Durchmesser bei Stollberg im Erzgebirge, mit Schäden an Häusern, Autos und der Vegetation. Hagel auch am Südrand des Odenwaldes in Schwarzach sowie im Alpenvorland. Hagel auch in den Folgetagen in Göttingen, in der Rhön und im Thüringer Wald, auf der Zugspitze, örtlich in Sachsen und vom Süden Niedersachsens bis zur Mecklenburger Seenplatte. Gegen Ende des Monats, am 29. dann im Markgräfler Land, mit Schäden an Gewächshäusern, Autos, Oberlichtern und Solaranlagen, sowie am 31. an Schleswig-Holsteins Nordseeküste und am Bodensee.

Im August gab es zwei bestätigte Tornados – beide in Schleswig- Holstein. In Hedwigenkoog wurde am 26. ein Tornado über der Nordsee beobachtet und am 31. zwei weitere in Travemünde und im hessischen Bad Nauheim. Schäden wurden nicht gemeldet.

September 2012

Bei Gewittern, die am 10. über Bayern niedergingen, wurde das Stellwerk Neubiberg bei München von einem Blitz getroffen, der Bahnverkehr zwischen Giesing und Aying kam zum Erliegen. Zudem verursachte ein Blitz in Kempten einen Hausbrand. Am 11. kam es über Bayern erneut zu Gewittern, die durch Starkniederschläge, insbesondere in Franken, örtlich Keller überfluteten. Windböen deckten – u. a. in Weidenberg – Dächer ab, ließen Äste brechen und Baume umstürzen. In Selb beschädigte ein umher fliegendes Trampolin ein Auto. Nach Blitzeinschlägen brannten in Görlitz, Cottbus und in Striegistal (Sachsen) mehrere Häuser. In Hassfurt (Franken) wurde eine Autofahrerin durch einen Blitz verletzt und aus Holzmaden bei Stuttgart kam die Meldung, dort sei ein Kugelblitz aufgetreten.

Am 24. sorgte Sturmtief „Karin“ speziell in der Mitte, im Westen und im Norden Deutschlands für weitere Schäden. Der Sturm führte in Nordrhein-Westfalen örtlich zu Einschränkungen beim Bahnverkehr, teilweise kam er völlig zum Erliegen. Zwei Frauen wurden am Abend des 27. durch einen Blitz verletzt – er war in den Baum eingeschlagen, unter dem die beiden vor dem einsetzenden Regen Schutz gesucht hatten.

Hagelmeldungen auch noch im September: In Zusammenhang mit den Gewit- tern am 10. beispielsweise vom Hohenpeissenberg sowie aus Nürnberg- Zerzabelshof. Auch am 11. waren überwiegend Orte in Bayern betroffen, aber auch aus Freudenstadt sowie aus Zinnwald-Georgenfeld und Chemnitz kamen Meldungen. Gleich an drei Tagen hatte es in Sankt Peter-Ording gehagelt: am 12., 19. und am 24.

Ein Tornado wurde am 13. über dem noch warmen Bodensee bei Friedrichshafen gemeldet. In derselben Gegend trat am 19. ein weiterer Tornado auf. Ebenfalls vom 19. liegt eine Tornadosichtung über der Nordsee bei Büsum/Meldorfer Bucht vor. Einige Tage später, am 24., zog ein Tornado über Damme (Niedersachsen) hinweg, der das Dach eines Schweinestalls abdeckte.

Oktober 2012

Erste Herbststürme verursachten vom 3. bis 6. des Monats nördlich der Mainlinie zahlreiche Schäden durch umstürzende Bäume und vollgelaufene Keller. Dabei flog beispielsweise in Vörde-Spellen (Niederrhein) ein Trampolin durch die Luft und beschädigte einen Erker im 3. Stock. Im südlichen Nordrhein-Westfalen blockierten Bäume mehrere Straßen. Ein IC auf der Strecke Cottbus-Emden konnte seine Fahrt wegen eines auf der Strecke liegenden Baumes nicht fortsetzen. 250 Fahrgäste mussten umsteigen. In Mecklenburg- Vorpommern waren einige Ortschaften zeitweise ohne Strom. In Berlin wurde am 6. der Ausnahmezustand verhängt – umgestürzte Bäume blockierten Gleise im S-Bahn- und Fernverkehr. In Prenzlau (Brandenburg) beschädigte ein umstürzendes Gerüst drei Autos. In Marl-Hüls (NRW) wurde ein Festzelt losgerissen und auf den Baldeneysee (bei Essen) kenterten fünf Boote einer Regatta. In Bocholt begrub ein Baum einen Wagen unter sich. Starke Niederschläge am 9. führten u. a. im östlichen Bodenseekreis zu überfluteten Straßen. In Freiburg überflutete die über die Ufer getretene Dreisam zahlreiche Keller, ein Möbelhaus und einen Einkaufsmarkt.

Durch den frühen Wintereinbruch am 27. kam es durch Glätte und Schnee zu zahlreichen Verkehrsunfällen im gesamten Bundesgebiet: in Schleswig-Holstein wurden Autobahnabschnitte gesperrt; in Nordrhein- Westfalen kam es auf der A 1, A 40 und der A 54 zu mehreren Unfällen. Auf der Jungbuschbrücke in Mannheim wurden bei einem Glätteunfall fünf Menschen verletzt. Bei Villingen (Baden-Württemberg) kollidierte ein junger Mann mit einem Reisebus und verunglückte tödlich. Bei Sonthofen (Allgäu) übersah ein Autofahrer im Schneetreiben an einen Bahnübergang einen herankommenden Zug und wurde gerammt. Im Bahnverkehr kam es zu Ausfällen und zahlreichen Verspätungen. Beispielsweise wurde die ICE-Stecke Leipzig-München wegen umgestürzter Bäume infolge Schneelast gesperrt – ebenso die Strecken Weimar-Schmölln, Starnberg-Tutzing/Weilheim und Holzkirchen- Rosenheim. Am Brauneck in Oberbayern verirrten sich zwei Mädchen im Schnee. Sie mussten von der Bergwacht gerettet werden. In Thüringen fiel in mehreren Orten der Strom aus – umgestürzte Bäume hatten die Freileitungen beschädigt.

Hagel und Graupel wurde nochmals am Nachmittag des 7. in Berlin beobachtet.

Am Morgen des 29. wurden in Bayern zwei Tornados, genauer zwei Wasserhosen, beobachtet – einer über dem Ammersee und einer über dem Starnberger See.

 November 2012

Vom 12. bis 19. des Monats bestimmte Hoch „Otto“ das Wettergeschehen in Deutschland. Nebel und Reifglatte führte zu Verkehrsunfällen. Insgesamt weit über 100, mit vielen Verletzten aber auch Toten. Am 13. stießen in Nordhessen auf glatter Fahrbahn zwei Autos frontal zusammen – beide Fahrer wurden schwer verletzt, ein fünfjähriger Junge starb. Am 15. wurde die A38 nach einer Serie von sechs Unfällen mit 42 Pkw und 8 Lkw zwischen Eisleben und Querfurt gesperrt. 40 Menschen wurden dabei verletzt, ein 74-jahriger Mann starb. In Zschorlau (Sachsen) starb eine junge Frau, als sie mit ihrem Auto gegen einen Baum rutschte. Am 18. starben zwei Menschen im Kreis Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) in einem Massenunfall in dichtem Nebel. Am 19. starb eine Frau, als sie bei Güstrow mit ihrem Wagen bei glatter Straße von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum fuhr.

Am 24. und 25. entstanden durch Sturmtief „Franziska“ Schäden im Westen und Nordwesten Deutschlands. Ein auf die Gleise gefallener Baum behinderte kurzzeitig den Bahnverkehr bei Verden. Bei Münster wurde ein Radfahrer unter mehreren Bäumen begraben. Er konnte sich selbst befreien und wurde nur leicht verletzt. In Hude (Kreis Oldenburg) brach eine 200 Jahre alte Linde und beschädigte eine historische Klosterschänke.

Ab dem 28. brachte Tief „Heike“ dann dem Süden und Osten anhaltende Niederschläge, der von Regen in Schnee überging. Korrespondierend zu dem Wintereinbruch kam es zu zahlreichen Unfällen und Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr. Rund um Nürnberg kam der Bahnverkehr völlig zum Erliegen. Umgestürzte Bäume blockierten die Schienen. Im Vogtland mussten Straßen wegen Schneebruch gesperrt werden. Lkws blieben vor allem in Sachsen, Franken und auf der Schwäbischen Alb liegen, betroffen waren auch die Autobahnen. Bei Hopferau (Ostallgau) kam ein Autofahrer im Schneematsch ins Rutschen und verunglückte tödlich. Am 16. kam es gegen Mittag in Sulzemoos bei Dachau zu einem „Nebelteufel“. Dieses seltene Naturschauspiel bildet sich an der Grenze von Nebel und Sonnenschein. Vom Aussehen her ähnlich einem Staubteufel, rotierte der Nebel um eine vertikale Achse und erreichte ein Höhe von zeitweilig mehr als 15 Metern. Kurz danach bildeten sich noch einige weitere dünnere Wirbel.

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