Quecksilber-Freisetzung sorgt für Großeinsatz

Weyhe (NI) – Die Freisetzung von rund vier Zentiliter Quecksilber hat am Donnerstagabend in der Gemeinde Weyhe (Kreis Diepholz) einen größeren Gefahrguteinsatz ausgelöst. Drei Männer hatten beim Ausräumen eines Kellers die metallisch aussehende Flüssigkeit entdeckt und Alarm geschlagen. Der Stoff war aus einem Glasgefäß ausgelaufen und hatte sich über diverse Gegenstände verteilt. 

Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die Männer das Quecksilber an Kleidung oder Schuhen durch das Treppenhaus getragen hatten wurden die restlichen Bewohner des Hauses mit Steckleitern über die Balkone in Sicherheit gebracht. Die drei Männer mussten ihre Kleidung ablegen, wurden von der Feuerwehr mit Trainingsanzügen versorgt und zur Überprüfung in ein Krankenhaus gebracht. Sie konnten die Klinik aber bereits nach einer kurzen Untersuchung wieder verlassen.

Ein Erkundungstrupp konnte in Chemikalienschutzanzügen das Glasgefäß bergen und in einem Fass sichern. Der Trupp meldete, dass sich kleine Mikrotröpfchen im Kellerraum verteilt hätten. Um sicherzugehen, dass es sich bei dem Stoff tatsächlich um Quecksilber handelt, wurde entsprechende Messtechnik von der Berufsfeuerwehr Bremen angefordert. Den Messtrupps, die ebenfalls unter Vollschutz vorgingen, gelang es schließlich den Stoff sicher nachzuweisen. Das Gebäude wurde anschließend der Polizei übergeben, die es bis zur Entsorgung der Chemikalien durch eine Spezialfirma für den Zugang absperrte. Für die Bewohner wurden durch die Gemeinde Weyhe Notunterkünfte zur Verfügung gestellt oder sie kamen bei Bekannten unter. Die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz waren mit insgesamt ca. 100 Kräften fünf Stunden im Einsatz.

Gefahruteinsatz der Feuerwehr Weyhe: In einem Wohnhaus ist Quecksiber freigesetzt worden. Foto: Panten/Feuerwehr
Jonas Panten
Gefahruteinsatz der Feuerwehr Weyhe: In einem Wohnhaus ist Quecksiber freigesetzt worden. Foto: Panten/Feuerwehr
8 Kommentare zu “Quecksilber-Freisetzung sorgt für Großeinsatz”
  1. Hi Alex,
    du weißt schon dann dass nahezu jeder iwo geringe Mengen Quecksilber hat? Man bedenke, dass z.B. in Energeisparlampen einiges an Quecksilber enthalten ist.

  2. Oh Mann, da kann man mal wieder nur den Kopfschütteln. Nicht wegen dem Quecksilber, sondern wegen viel Rauch um nichts. Quecksilber, 40ml, wir werden alle sterben! Ich wäre einfach in den Keller gegangen (ohne Ausrüstung) und hätte mit einem kleinen Zinkblech die Kügelchen aufgesammelt. Ende. Keine Feuerwehr, oder gar Evakuierung notwendig.

    Habe ich übrigens schon einmal gemacht, als in einem Labor 100ml (1,35kg) ausgelaufen ist……

    Mfg,

    Ein Chemieingenieur

  3. Nadine

    Ganz einfach, viele ältere Leute haben noch die alten Quecksilber Thermometer. Davon muss man gar nichts wissen die werden gebunkert irgendwo aufbewahrt und geraten in vergessenheit…
    Schon öfter alte Thrmometer gefunden die noch mit Quecksilber ausgestattet sind…

  4. @ Peter:

    Wenn du richtig liest steht da, dass zunächst nicht sicher war, ob es sich um Quecksilber handelte! Auch eine Vergiftung konnte nicht ausgeschlossen werden!

    Auch war die Menge ja wohl nicht klar…

    Also? Alles richtig gemacht würde ich sagen!

  5. @Peter

    Du bist ja ein richtiger Held. Schon mal in die Gefahrgutdatenbank geschaut? UN-Nummer 2809. Empfohlene Schutzausrüstung CSA…
    Ist ja wohl klar wofür sich dann der EL entscheidet, wenn er nicht mit einem Bein im Knast stehen will. Kann ja nicht jeder so mutig sein wie du.

    Von daher vollkommen richtig gehandelt und angemessener Aufwand.

  6. @Peter,

    ich sehe schon das du ein sehr großer feuerwehr experte bist… und als chemiker finde ich deinen komentar ne glatte sechs!!!
    wenn man nur mal den gefahrgutersthelfer zur hand nimmt oder mal im internet mit hilfe der ericard die zu treffenden maßnahmen durchliest, dann wird man sehr schnell merken, das quecksilber nicht ohne ist. und schon aus eigener sicherheit wird immer der höchst möglcihe schutz für die einsatzkrafte benutzt! …und erkläre mal in der heutigen zeit einer mutter, das sie ein behindertes kind bekommt, weil bei einem quecksilberunfall fahrlässig gehandelt wurde :-O

    ein dank an meine kammeraden für diesen anstrengenden einsatz, zum wohle der allgemeinheit!!!!

  7. @ Timo und Peter

    Mit dem verteilen von Noten sollte man vorsichtig sein; da ist wohl jemand emotional getroffen worden? Wenn man seine Fachkompetenz ins Spiel bringt, sollte man auch fachlich sachlich bleiben.

    Die Einträge der Eri Card zu Quecksilber rechtfertigen den Einsatz so wie er gelaufen ist prinzipiell schon. Ob die Menge des Personals nötig war, darüber mag man diskutieren oder auch nicht. Effizienz und Effektivität sind nicht immer das gleiche.
    Nun ist eine Evakuierung über Steckleitern nicht ganz gefahrlos, aber der Einsatzleiter musste möglicherweise unter Stress entscheiden.
    Die Eri Cards müssen notgedrungen knapp gehalten sein, daher vieles verallgemeinern und auf jeden Fall auf der sicheren Seite bleiben. Da fällt das Paradigma des Paracelsus schon mal unter den Tisch. Ein Zehntel des freigesetzten Quecksilbers trägt manch ein Zeitgenosse in seinem Gebiss herum. Aber kann man so was wissen, wenn man’s gerade braucht? Also, nicht den vergangenen Einsatz kritisieren, sondern nüchtern analysieren. Falls es im konkreten Einsatzfall nicht geschehen ist, ein Tip für künftige Einsätze: TUIS berät rund um die Uhr, und ein Anruf bei der Vergiftungszentrale ist oftmals auch sehr hilfreichv zur Einschätzung der Gefährlichkeit (die wissen auch einzuschätzen, ob die einmalige Exposition gegenüber Quecksilber zu Missbildungen beim ungeborenen Kind ).

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