Offshore-Rettung wird zum Forschungsprojekt

Hamburg – Am Donnerstag ist im Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus Hamburg (BUKH) das Forschungsprojekt „Rettungskette Offshore Wind“ gestartet worden. Ziel des Projekts ist es, auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse ein innovatives Rettungskettenkonzept für Unfallverletzte in Offshore-Windparks zu erarbeiten. Das Projekt wird unter der Leitung des Ärztlichen Direktors des BUKH, Prof. Dr. med. Christian Jürgens, durchgeführt. “Bisher sind Notfallpläne für komplexe Rettungssituationen vorhanden, die keine einheitliche Rettungskette vorgeben”, erklärte Jürgens.

Dr. Klaus Schäfer, stellvertretender Präventionsleiter der BGHW, sagte anlässlich der Auftaktveranstaltung, dass die neuen Arbeitsbedingungen im Offshore-Bereich neben technischen Anpassungen auch eine angepasste Strategie des Arbeitsschutzes inklusive der notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen erforderten: “Wir erwarten, dass das Forschungsprojekt dazu beiträgt, das Arbeitsschutzniveau für derartige Arbeitsplätze zu verbessern.”

Übung für einen Unfall auf hoher See: Im Offshore-Sicherheitstrainingszentrum der Firma Falck Nutec in Bremerhaven üben Arbeiter, wie sie sich aus einem ins Wasser gestürzten Hubschrauber befreien können. Archivfoto: Michael Rüffer

Die Wichtigkeit eines interdisziplinären Teams machte Michael Ziethen, Regionalleiter Nord der BGHW, deutlich. Besonders der Austausch zwischen Ingenieuren und Medizinern sei ein entscheidender Faktor für die Erarbeitung einer komplexen Rettungskette. „Nicht nur die Arbeiter auf den Windrädern müssen dabei in Betracht gezogen werden“, so Dr. med. Karl-Peter Faesecke, Facharzt für Arbeitsmedizin, „ohne Taucher geht nichts“. Denn durch die Verankerung im Boden der Nord- und Ostsee, sind die Konstrukteure beim Aufbau und der Wartung von Offshore Windanlagen auch auf den Einsatz von Tauchern angewiesen.

Die weiteren Vorträge des Tages stellten klar heraus, welche momentanen Maßnahmen bereits ergriffen werden und wo es langfristig zu Engpässen und Problemen kommen könnte. Diese gilt es nun zu analysieren und in die weitere Forschungsarbeit einfließen zu lassen. So referierte Sören Makel vom Havariekommando Cuxhaven über die Problematiken der Bergung auf offener See. Auch Dr. med. Markus Stuhr, Mitglied der Spezial-Einsatzgruppe „Schiffsicherung“ der Feuerwehr Hamburg und Facharzt für Anästhesie, Intensiv- und Rettungsmedizin am BUKH, gab Praxisbeispiele der aktuellen Situation bei Rettung aus Hochseegebieten.

Offshore-Arbeiter müssen körperlich fit sein

Wie wichtig die körperliche Tauglichkeit bei Offshore- Arbeitern ist, präsentierte der Arbeitsmediziner Dr. med. Ulrich Rogall. Die medizinischen Check-Ups vor einem Arbeitseinsatz sind umfangreich, aber sinnvoll, da für die harte körperliche Arbeit auf See gewisse Attribute unbedingt erfüllt werden müssen. Speziell ausgerichtete Sicherheits- und Notfalltrainingskonzepte bietet das “Institut für nachhaltige Aktivitäten auf See” (INASEA) an.

Beate Lange zeigte hier anschaulich, wie Rettungsmittel richtig eingesetzt werden und wie die INASEA solche Maßnahmen in speziellen Trainings vermittelt. Auch Udo Helge Fox, Leiter des Rettungsdienstes und Mitglied der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sieht eine klare Konsequenz aus der weiteren Entwicklung, ein gemeinsames Notfallkonzept schnell und gemeinsam umzusetzen. So stellte er die aktuelle Planung zur Einrichtung einer zentralen Notfallleitstelle für Offshore-Windparks vor und betonte dabei die Zusammenarbeit in engem Schulterschluss mit dem Havariekommando.

Hintergründe zum Forschungsprojekt „Rettungskette Offshore Wind“

Das im September 2010 vorgestellte Energiekonzept der Bundesregierung sieht einen forcierten Ausbau der Offshore-Windenergie in den kommenden Jahren vor. Insbesondere muss von einem deutlichen Anstieg der Arbeitsplätze auf hoher See in den Windparks in den nächsten Jahren ausgegangen werden und so gilt es, Maßnahmen zur Vermeidung von Arbeitsunfällen in den Offshore-Windparks stetig an diese Entwicklung anzupassen.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Rettungslogistik, -technik und -medizin ein bestmögliches Rettungskettenkonzept für Unfallverletzte in Offshore-Windparks zu erarbeiten, um hieraus Empfehlungen für die zukünftige Gestaltung der Rettungskette abzuleiten.

2 Kommentare zu “Offshore-Rettung wird zum Forschungsprojekt”
  1. Sebastian

    Warum denn jetzt erst?
    Die Anlagen werden doch nicht erst seit gestern auf See gestellt.
    Aber is doch klar, das sich damit Doktoren und Wissenschaftler befassen, da bin ich mal gespannt was da raus kommt und ob es umsetzbar ist.
    Meiner Meinung nach, müssten mehrere Rettungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und die Arbeiter die Vorort sind müssten dann entscheiden welche Methode für die HiloPe (Hilflose Person) die beste wäre.

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