Öffentlichkeitsarbeit auf Amerikanisch

Naples (USA) – Die “National Fire Prevention Week” hat in der vergangenen Woche zahlreiche Feuerwehren in den USA beschäftigt. Vielerorts führten die Feuerwehren Aktionen durch, um die Öffentlichkeit über das Thema “Vorbeugender Brandschutz” aufzuklären. Feuerwehr-Magazin-Redakteur Michael Klöpper hat sich in Naples (Florida) ein Beispiel angesehen, wie Öffentlichkeitsarbeit auf Amerikanisch funktioniert.

Der Radio-Werbespot dudelte stündlich: “Ihr lokaler Feuerwehr-Distrikt lädt Sie anlässlich der Fire Prevention-Week zu einem Schautag ein!” Tagelang brachte das Lokalradio die Werbung, auch die örtliche Presse der 21.000-Einwohner-Stadt Naples berichtete vorab über die geplante Aktion: Feuerwehrfahrzeuge seien zu sehen, Kinder könnten sich mit “Smokey Bear” fotografieren lassen (dem Waldbrandschutz-Maskottchen), außerdem gäbe es kostenlose Hot Dogs. In der völlig übersättigten amerikanischen Werbewelt muss sich also auch die Feuerwehr einreihen, wenn sie wahrgenommen werden möchte.

Samstagmorgen, der Veranstaltungstag. Die Präsentation findet auf einem Parkplatz gegenüber einer großen Einkaufsmall statt. Ein guter Ort für Spontanbesucher. Schon von weitem sind zwei aufgerichtete Drehleitern zu erkennen, dazwischen weht eine große US-Flagge. Die Werbung scheint gefruchtet zu haben: Menschenmassen strömen auf einem Fußweg am Veranstaltungsgelände entlang. Doch der zweite Blick enthüllt die Wahrheit: Die Mehrheit der Familien scheint nicht die Feuerwehr besuchen zu wollen – sondern den Zoologischen Garten gegenüber. Andere zieht es ins Einkaufszentrum, viele wollen ein Schüler-Baseballspiel auf dem Sportplatz neben der Feuerwehr-Aktionsmeile sehen. Immerhin: Ein paar Neugierige kommen dann doch zu den Firefightern.

Verschiedene Partyzelte säumen einen Fußweg, der zu einem Parkplatz führt. Hier werden kostenlose Infobroschüren zu verschiedenen Themen angeboten, außerdem Werbegeschenke – vor allem für Kinder. Viele von ihnen setzten sich stolz einen Plastik-Feuerwehrhelm auf den Kopf oder pinnen sich ein “Firefighter-Abzeichen” ans T-Shirt. Auf Radiergummis, Linealen und Ansteckern sind Werbebotschaften aufgedruckt – oder die Produkte machen allgemein Image-Werbung für die Feuerwehr. Das offizielle T-Shirt der Feuerwehr ist für jedermann für 15 Dollar erhältlich. Zwischen den kostenlosen Gaben versuchen Feuerwehrleute hier und da ihre Gäste in Gespräche zu verwickeln – teils erfolgreich. So präsentiert einer der Helfer Feuerzeuge, die aufgrund ihrer optischen Form an Spielzeuge erinnern. Da gibt es Comicfiguren, Tiere, Waffen. “Was sollte ein Kind sonst machen, als damit spielen zu wollen?” fragt der Kamerad. “Solche Feuerzeuge haben gefährliche Folgen – entsorgen sie sie lieber, verwenden Sie normale!”

Nicht nur die Feuerwehr aus Naples präsentiert sich an diesem Tag, aus dem gesamten Collier County sind verschiedene Einheiten angerückt – auch vom Sheriff Department, vom Rettungsdienst und der Forstbehörde. Letztere bemüht sich vor allem um Aufklärung, wie Waldbrände verhindert werden können. Regelmäßig haben die Einsatzkräfte mit Buschbränden, unter anderem in den Everglades-Sümpfen, zu tun. Die Forstbehörde hält im County zwei eigene Wachen mit Löschfahrzeugen, Bulldozern sowie einem Hubschrauber und einem kleinen Beobachtungsflugzeug bereit. “Nicht viel, wenn man die Größe unseres Bezirkes bedenkt”, erklärt einer der Waldbrandspezialisten seinen Besuchern.

Vor seinem Stand kurvt unterdessen ein halbmannshohes Plastik-Feuerwehrauto mit Blinklicht. Am Steuer sitzt ein Plüsch-Dalmatiner (das Maskottchen der US-Feuerwehren). Der Clou: Das Fahrzeug fährt nicht nur wie von Geisterhand, der Dalmatiner spricht auch mit den umstehenden Kindern, beantwortet Fragen – und gibt Tipps. Was den faszinierten Kindern entgeht: In wenigen Metern Entfernung läuft einer der Feuerwehrleute mit einer Funkfernsteuerung und einem Headset. Er ist es, der die Rolle des Dalmatiners übernimmt.

Eine Fahrzeugshow rundet die Darstellung ab. Was dabei aus europäischer Sicht ungewöhnlich anmuten mag – Buschlöschfahrzeug auf Hummer, ein blaues Löschfahrzeug, ein Panzerwagen der SWAT-Einheit -, ist für die Amerikaner oftmals nichts Besonderes. Vor dem American Lafrance-Oldtimer aus dem Jahr 1931 posiert dann doch der eine oder andere für ein Erinnerungsfoto. Und eine Szene scheint merkwürdig vertraut: Der kleine Junge, der sich staunend von seiner Mutter die ausgefahrene Drehleiter zeigen lässt: “Wow, ist die groß!”

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