Notruf feiert 40. Geburtstag

Winnenden (BW) – Vor genau 40 Jahren, am 20. September 1973, wurden die bundesweiten Notrufnummern 110 und 112 beschlossen. Zuvor gab es nur in wenigen Städten einheitliche Rufnummern: Wer Hilfe brauchte, musste die örtlichen Nummern für seinen aktuellen Aufenthaltsort kennen.

Vor 40 Jahren wurden die bundesweiten Notrufnummern "110" und "112" eingeführt. Fotos: Björn Steiger-StiftungDoch eine große Bereitschaft zur Einführung des Notrufs gab es zunächst nicht. Erst durch die Hartnäckigkeit der privaten Björn Steiger-Stiftung wurde die Notrufnummer beschlossen – Politiker hielten das Projekt zunächst für zu teuer.

Die Stiftung wurde von Siegfried und Ute Steiger gegründet, nachdem ihr achtjähriger Sohn bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Fast eine Stunde dauerte es, bis erste Rettungskräfte am Unfallort eintrafen – nichts Ungewöhnliches für die damalige Zeit.

Auf genaue Nachfrage der Stiftung kam heraus: Für den Regierungsbezirk Nordwürttemberg würden die Kosten für die Einrichtung von Notrufnummern 387.000 DM (zirka 197.869 Euro) betragen. Für jeden der 18 Landkreise und die Stadt Stuttgart hätte dies also Kosten von 20.000 DM (zirka 10.225 Euro) bedeutet.

Siegfried Steiger stellte den Landräten in Aussicht, den Notruf einzurichten – wenn sie sich mit 20.000 DM an der Aktion beteiligen. Sie willigten ein, und so wurde erstmals für 3,6 Millionen Menschen eine einheitliche Notrufnummer geschaffen.

Klage für bundesweite Einführung

Ute Steiger hatte insgesamt 6.000 Briefe an politische Verantwortliche geschrieben. Allerdings sah der Bund die Länder in der Pflicht, die Länder den Bund. Letztendlich reichte das Ehepaar Klage gegen das Land Baden-Württemberg ein.

Erwartungsgemäß wurde die Klage aus verfahrensrechtlichen Gründen abgelehnt. Allerdings schloss der Richter mit einem Plädoyer, “dass er selbst gerne anders entschieden hätte”. Diese Aussage zog bundesweite Medienberichte nach sich – die Politik geriet unter Druck.

Am 20. September 1973 einigten sich Vertreter von Bund und Ländern auf die Einführung des einheitlichen Notrufs. Der damalige Postminister rief spätabends noch bei den Steigers an und teilte mit: “Ihr Dickkopf hat sich durchgesetzt, der Notruf ist beschlossen.”

Vor 40 Jahren wurden die bundesweiten Notrufnummern "110" und "112" eingeführt. Fotos: Björn Steiger-Stiftung
Vor 40 Jahren wurden die bundesweiten Notrufnummern “110” und “112” eingeführt. Fotos: Björn Steiger-Stiftung
2 Kommentare zu “Notruf feiert 40. Geburtstag”
  1. Gut, dass es Menschen gibt, die sich für etwas beharrlich einsetzen – auch wenn die Politik mal nicht so will! Ich danke allen Beteiligten dafür, obwohl ich noch bei weitem keine 40 Jahre bin. 😀

  2. Es ist gut, das sich in diesem Fall ein “Dickkopf” durchgesetzt hat und die 112 zur bundeseinheitlichen Notrufnummer wurde. Die Vorteile einer einheitlichen Notrufnummer liegen klar auf der Hand. Ich kann und will mir das Chaos von einst gar nicht vorstellen, als jede Feuerwehr noch ihre eigene Notrufnummer besaß. Obwohl es immer noch sehr viele Menschen gibt, die nicht wissen, dass die 112 der Feuerwehrnotruf ist.

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