Niedersachsen: immer weniger Mitglieder

Hannover – Die Feuerwehren in Niedersachsen verlieren immer mehr Mitglieder. Bis Ende 2011 versahen insgesamt 124.740 ehrenamtliche Mitglieder ihren aktiven Übungs- und Einsatzdienst. Im Vorjahr waren es noch 126.872 Mitglieder, ein Rückgang von 2.132 Aktiven. Im Zeitraum von 2008 bis 2011 ist somit ein Mitgliederrückgang von 3,01 Prozent (3.872) zu verzeichnen.

In diesem Zeitraum sind nach Angaben des Innenministeriums 27 Ortsfeuerwehren zusammengelegt oder aufgelöst worden. Diese Entwicklung sei dem demographischen Wandel geschuldet. “Die Bevölkerungszahl nimmt in Niedersachsen ab. Die Gesellschaft wird älter und bunter”, heißt es. Trotz der Entwicklung sei der Brandschutz in dem Bundesland sichergestellt.

Kinderfeuerwehren als Boom-Trend

Hoffnung wird seitens des Ministeriums bei den Mitgliederentwicklungen von Frauen sowie bei den Nachwuchseinheiten geschöpft. Die Zahl der weiblichen Aktiven stieg leicht von 12.657 auf 12.765. Die Zahl der Jugendfeuerwehren ist um zwei auf 1.954 gestiegen. Doch auch hier sind die Mitgliederzahlen rückläufig, 31.511 Jugendliche sind in der Jugendfeuerwehr aktiv, 2010 waren es noch 31.760. Einzig die Zahl der jüngsten Sprösslinge steigt an. Die Zahl der Mitglieder in Kinderfeuerwehren stieg von 5.957 im Jahr 2010 auf 7.391 im Jahr 2011.

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Minister Uwe Schünemann erklärte: “Um die Mitgliedszahlen in den freiwilligen Feuerwehren weiterhin stabil zu halten, brauchen wir gute und aktive Nachwuchsorganisationen. Sie müssen alle gesellschaftlichen Bereiche und insbesondere die bisher in den Feuerwehren unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen wie Mädchen, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund erreichen und mit einbinden.”

Immer mehr Brände in Niedersachsen

Während die Zahl der Mitglieder schrumpft, müssen die niedersächsischen Feuerwehren weiterhin immer häufiger ausrücken. So wurden die Wehren im Jahr 2011 bei insgesamt 23.095 Bränden und 49.932 Technischen Hilfeleistungen eingesetzt. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Brände damit um 13,8 Prozent (2010: 20.298). Auffällig sei außerdem ein Anstieg der Grossbrände um 10,5 Prozent in den letzten drei Jahren.

Einsatz einer Feuerwehr in Niedersachsen: auf der A 7 bei Ramelsloh (Kreis Harburg) brennt ein Lkw. Archivfoto: Köhlbrandt/Feuerwehr

 

13 Kommentare zu “Niedersachsen: immer weniger Mitglieder”
  1. Trashman

    Aktive Mitglieder jetzt bis 63 Da kann ich in Schleswig-Holstein nur drüber lachen. Bei uns ist das auf 67 angehoben worden! Meiner Meinung nach muss der Staat mehr Anreize schaffen, um das Ehrenamt dem Bürger schmackhafter zu machen. Eine kleine Zusatzrente nach Einsätzen oder Vorteile bei Eintritt zu öffentlichen Einrichtung, wie Schwimmbäder etc. können ein Anfang sein.

  2. Ist ja auch kein Wunder keiner weiß mehr wie wichtig Feuerwehren sind egal ob Gros oder kleine !! Das sollte man als erstes ändern !! Jeder denkt nur da wir ehe nur gesoffen aber Keine weis überhaupt was wir heute für Schulungen machen und und und !!!

  3. Weil einfach denke ich das Interesse fehlt und alle nur denken Sun paar Schläuche Rollen kann jeder weist was ich meine unsere Wehr ist eine kleine dorf Feuerwehr und wir haben in 5 Jahren arbeit unsere Jugendwehr von 7 auf 30 Kinder hochgearbeitet

  4. Wir machen mit den Kinder viel aus den einfachen Grund jede Feuerwehr egal ob Gros oder klein ist wichtig genau wie die Kinder die bald unsere Position einnehmen die Kinder sind die Feuerwehr Leute von morgen

  5. Nicht verwunderlich, wenn es einem immer schwieriger seitens der Arbeitgeber gemacht wird und man als Fw´ler in der Bevölkerung einfach nur als Belästigung angesehen wird.

  6. Christian

    Hallo!

    @Daniel Weidlich:
    >>War grad in den Staaten, da siehts ganz anders aus..

    Was sieht da anders aus? Fakt ist, dass die Anzahl der Feuerwehrleute auch in den USA abnimmt, z.B. von 2009-2010 um 45.000. Die Anzahl der Volunteers ist in 2010 erstmals unter 770.000 gesunken (nämlich rd. 768.000, in 2009 waren es noch über 812.000, in 2008 noch 827.000. Das ist eine Abnahme vom 59.000 in zwei Jahren), das sind so wenige wie noch nie seit 1986. Und auch das demographische Problem ist bei den US-Feuerwehren vorhanden, jeder zweite US-Firefighter ist bereits älter als 40, fast jeder vierte älter als 50.
    Kann man alles in den NFPA-Statistiken nachlesen.

  7. ist doch nicht anders zu erwarten! man muss mal überlegen, wie viele tage ausbildung, ein mitglied, vor ca 20- 30 jahren absolvieren musste, um einsatztechnich voll nutzbar zu sein < -> heute! jeder wird heute auch mehr von seinem arbeitgeber gefordert wie früher. ich persönlich sehen den trend mehr und mehr zu hauptamtlichen kräften, bzw zu einem grundstock aus hauptamtlichen.

  8. Ein Nordbayer

    Sorry, wenn ich nicht meinen richtigen Namen schreibe – ich will schlicht und einfach nicht zu allem ge-googelt werden können.

    Ich bin seit 30 Jahren Aktiver einer kleinen Dorffeuerwehr. NOCH sind wir in der Lage, wenigstens ein TSF zu besetzen. Aber schon unsere Stützpunktfeuerwehr hat Probleme, am Tage die Autos zu besetzen. Eine weitere Stutzpunktwehr rekrutiert sich unter anderem mit Feuerwehrleuten aus den umliegenden Dorffeuerwehren, weil die eigenen Leute tagsüber auswärts arbeiten. Unsere Nachbarwehr – keine drei Kilometer von uns entfernt – geriet sogar in die Schlagzeilen und war Thema im Gemeinderat, weil sie tagsüber nicht mal mehr das TSF besetzen konnte. Sie wird wohl bald mit der gemeindeeigenen Nachbarwehr zusammengelegt. Und genau das wird der Trend werden: Zunächst Zusammenlegungen, dann Berufsfeuerwehr. Bringt alles in allem eine Vergrößerung des Zuständigkeitsgebietes mit sich und damit schlicht und ein Mehr an Zeit, bis die Feuerwehrleute vor Ort sind. Die jungen Leute ziehen vom Land in die Stadt, weil sie dort Arbeit finden. Was wiederum bedeutet, dass die Jungen nicht unbedingt zur Stadtfeuerwehr oder Berufsfeuerwehr gehen. Freizeit ist heutzutage wichtiger als das Gemeinwohl. Darüber sollten alle Verantwortlichen in den Wehren und auch in der Politik mal nachdenken. Sie werden dann bestimmt Ansatzpunkte finden, wie man gegensteueren kann. Ich schlage vor, mal über Arbeitsplatzverlagerungen auf das Land nachzudenken – undzwar qualifizierte Arbeitsplätze und nicht jene, die man (eigentlich) nach China verlagern könnte. Das würde schon was bringen. Und zwar allen Vereinen, nicht nur den Feuerwehren.

  9. Carsten

    Die Angebung der Altersgrenze hilft sicherlich im Bereich der Führungskräfte, sie hilft jedoch nicht im Bereich der Einsatzstärken. Hier muss, wie oben schon erwähnt, von Seiten der Politik Anreize für das Ehrenamt Feuerwehr gesetzt werden. Anerkennende Worte alleine reichen eben nicht mehr um neben einer immer schwierigeren Arbeitsplatzsituation die Bevölkerung für den Freiwilligen Dienst am Strahlrohr zu erwärmen!

  10. Rollo112

    Ein weiteres Problem ist das Bild der Feuerwehren in den Köpfen der Bürger, viele unterscheiden immer noch zwischen der “richtigen Feuerwehr” und dem “Hobby-Verein der Freiwilligen Feuerwehr” (hier wird natürlich nur gesoffen, löschen tun die nicht) was natürlich abosluter blödsinn ist, aber das schwirrt nun mal in den Köpfen vieler Bürger rum (zumindest hier in der Gegend). Und für viele ist es manchmal nicht mehr als ein Heimatverein, etwas veraltetes, verstaubtes demnach was “uncooles”. Dies ist wahrscheinlich auch ein Grund für den Rückgang.

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