Linienbus als Einsatzfahrzeug

Siegen (NW) – Am Donnerstagnachmittag starteten die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd GmbH (kurz VWS) mit ihrem neuen Rettungsbus ein Pilotprojekt, das deutschlandweit seinesgleichen sucht. In Kooperation mit kommunalen Trägern der Region Siegen-Wittgenstein wurde ein Fahrzeug bereitgestellt, das künftig für den zivilen Bevölkerungsschutz eingesetzt wird. “Mit dem Rettungsbus bieten wir eine optimale Möglichkeit, um im Ernstfall viele Menschen zu evakuieren und verletzte Personen zu beherbergen” erklärte VWS-Betriebsleiter Gerhard Bettermann. Das Fahrzeug ist regulär im Linienverkehr im Einsatz – und kann im Ernstfall jederzeit durch Feuerwehren und der Rettungsdienste angefordert werden.

“Gelenkt wird das neue Spezialfahrzeug dann von eigens ausgebildeten Fahrern, die für den Ernstfall geschult wurden” so VWS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Wern, der das Projekt angestoßen hat. Insgesamt 130 Personen finden in dem MAN-Gelenkbus Platz. Zudem verfügt er über eine Vollklimaanlage, Standheizung und viele weitere Merkmale, die speziell dem Zweck als Einsatzfahrzeug dienen. Dazu gehört unter anderem eine Sondersignalanlage mit Blaulicht und Martinhorn sowie eine einem Feuerwehrfahrzeug nachempfundene reflektierende Außengestaltung. Mit all seinen Extras ist der Rettungsbus bereits von den Behörden genehmigt worden.

Durch den Verkauf der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd GmbH an die Familie Wern hat sich einiges im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs (kurz ÖPNV) im Kreis Siegen-Wittgenstein verändert. Dem Leitspruch der VWS „Wir verbinden die Region“ folgend will die VWS nicht nur die Region Südwestfalens verbinden, sondern auch etwas für die Region tun. Die vermehrten Großschadenslagen in vergangener Zeit, wie etwa Bombenfunde in Dortmund, ein Brand im Krankenhaus Weidenau oder Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Omnibussen auf der Autobahn 45 haben die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd dazu bewegt, eines ihrer Fahrzeuge den Organisationen zur Gefahrenabwehr im Kreis Siegen-Wittgenstein zur Verfügung zu stellen.

Für die Umsetzung und Bereitstellung dieses neuen Rettungsbusses entstanden für die hiesigen Einsatzorganisationen keine Kosten. Sponsoren, die mit Werbung auf dem Fahrzeug genannt werden, sind an den Kosten beteiligt.

Mehr zu diesem ungewöhnlichen Fahrzeug erfahren Sie in einer der nächsten Ausgaben des Feuerwehr-Magazins. (Text: Jörg Büdenbender)

Der neue Rettungsbus der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd. Das Fahrzeug fährt im regulären Linienverkehr und kann jederzeit zum Einsatz abberufen werden. Foto: Jörg Büdenbender
Der neue Rettungsbus der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd. Das Fahrzeug fährt im regulären Linienverkehr und kann jederzeit zum Einsatz abberufen werden. Foto: Jörg Büdenbender
39 Kommentare zu “Linienbus als Einsatzfahrzeug”
  1. Prinzipiell eine gute Idee.

    Aber wenn das so weiter geht nutzt der Städtische Bauhof bald alle Fahrzeuge….
    – Teleskopmast für Baumschneidearbeiten
    – Löschfahrzeuge zur Bewässerung
    – MTF für Besorgungsfahrten

  2. Eigentlich eine gute Idee, jedoch finde ich, im Linienverkehr hat der Rettungsbus dann nicht’s zu suchen. Sinnvoller wäre es, auch um Verwechslungen auszuschließen, den Rettungsbus gänzlich auf seine Tätigkeit, nämlich den Bevölkerungsschutz, vorzuhalten. Außerdem etwas fragwürdig, weshalb vorallem gerade die Sonersignalanlage auf einem “Privatfahrzeug”, als welches der Rettungsbus eigentlich läuft, genehmigt worden ist. Aus diesem Grund eher Sinnvoll, den Bus auch nur für Rettungszwecke zu nutzen.

  3. Tobias

    Finde ich super diese Idee!

    So lassen sich effektiv Steuergelder sparen. Einen kompletten Bus für “ein paar” Einsätze im Jahr vorzuhalten kostet erheblich viel Geld. So kann sich dieses “Einsatzfahrzeug” selbst armortisieren.
    Einen kleinen Punkt als konstruktive Kritik: Um Verwechslungen auszuschließen würde ich die Blaulichter im Linienverkehr abdecken.

  4. Generell eine gute Idee. Aber da der Bus im Linienverkehr fährt ist die Gefahr eines Ausfalls/Unfalls sehr groß. Wie sieht es mit einer Reserve aus? Wenn ich es richtig verstanden habe ist das Fahrzeug nicht mit rettungsdienstlichem Material bestückt. Also müsste der Bus am Einsatzort ausgestattet werden? Können damit überhaupt Liegendtransporte durchgeführt werden bzw stehen nach einem eventuellen Umbau Intensivbehandlungsplätze zur Verfügung? – Sinnvoll auf der einen Seite… Andererseits hat man in der Vergangenheit schon problemlos “normale” Busse im Einsatzfall als Notunterkunft oder ähnliches herangezogen, auch nachts… Werbewirksam ist der Bus auf jeden Fall!

  5. TorstenNey

    Das ist schon eine gute Webewirksame Sache nur stelle ich mir einige Fragen:
    1. Wie ist es mit der sterilität, wenn ich mir überlege/vorstelle der Bus fährt im Liniendienst Tag und Nacht. Da wird morgens und Nachmittags Cola, Saft etc. Kekse und Brot gegessen Krümmel fallen gelassen. Nachts wird Bier etc. verkippt ein Besoffner macht eventuel im sitzten noch in die Hose und gerade jetzt muss der Bus zum Einsatz um Leute zu evakuiren.! Mh lecker. 🙁
    2. Der Bus ist im Liniendienst tätig, bekommt mitten auf seiner Route einen Einsatz was wird dann? Werden die Fahrgäste bei Schitt-Wetter, bei Minus-Graden und Schneefall raus geworfen?

  6. Super Idee. War auch klar das sich hier gleich wieder die Nörgler zu Wort melden. Das mit der Werbung ist doch egal und glaubt ihr ehrlich das eine Firma extra einen Bus kauft, den sich auf den Hof stellt und nur drauf wartet das das Teil zum Einsatz kommt? Ich weiß nicht was ihr für ein Zeug nehmt, aber hört auf damit scheint ungesund zu sein!!!

  7. Leute, vorher besser recherchieren!
    Das gibt es schon seit mind. 14 jahren bei der PVG / HVV in Schenefeld bei Hamburg. Die dort gleich ausgestatteten Busse waren aber “ziviel” als solche kaum zu erkennen, da die Blauchlichter mit Blickdichten Abdeckungen abgedeckt waren und die Martinsanlage verdeckt verbaut war. Auch haben die Busse dort keine spezielle Lackierung, was natürlich dadurch leicht zum übersehen führen könnte, aber im Alarmfall wurden die Fahrzeuge nie alleine losgeschickt, sondern immer duch den Unfallhilfsdienst und die Polizei begleitet und abgesichert.
    Lg, Andy

  8. Scheiß doch mal drauf ob da Werbung drauf ist oder nicht. Und ob der Bus jetzt mit Medizinischem Material ausgestattet ist oder nicht ist doch auch egal. Primär soll der Bus ja auch zum evakuieren und zum behandeln von (ich denke mal) Leichtverletzten/unter Schock stehenden Personen genutzt werden. und in beiden Fällen ist doch Rettungsdienstliches Personal vor ort oder etwa nicht? Also ich finde die Idee klasse, mal sehen wie sich der Bus im Liniendienst und im ersten Einsatz bewährt

  9. V.Clemens

    Klingt jetzt für mich eher nach Aprilscherz.
    Für den Zweck kann man auch zivile Busse anfordern.

  10. Was passiert, wenn dre Bus auf Linie ist und ein Einsatz kommt? Schmeißt der dann die Leute raus und fährt mit Panikorchester und Werbebeleuchtung weg?

    Ich stell mir das mal so vor: Ich sitze in diesem Bus auf den Weg zur Arbeit. Der Fahrer bekommt einen Alarm, fährt rechts ran, macht die Türen auf und wirft alle raus. Jetzt möchte ich mal die 120 Chefs sehen, denen gerade erklärt wird, dass ein Bus mit Blaulicht daran Schuld sei, dass der Mitarbeiter zu spät kommt. Mein Chef würde mich in die nächste Psychiatrie einweisen lassen…

  11. In dem Beitrag wird der Bus als “Rettungsbus” bezeichnet, solche Begriffe kannte ich bisher als Bezeichnung eines G-RTWs, nicht für einen “G-MTW”. Daher mein voheriger Beitrag.

  12. Eine Anmerkung bezüglich Intensivbehandlungsplätzen, Sterilität oder medizinischer Ausrüstung: Bei diesem Fahrzeug handelt es sich NICHT um einen GRTW! Es ist eher ein Großraum-MTF mit Aufgabenbereich Transport und Betreuung von un- oder leichtverletzten Personen.

    Das Fahrzeug steht übrigens auch den HiOrgs des Kreises Olpe zur Verfügung.

  13. Christian Pannier

    @TorstenNey: Zum einen ist es kein Rettungswagen im Sinne eines G-RTW, zum anderen sind auch normale RTW alles andere als steril.

  14. Heinz Karl

    Da hat sich der neue Eigentümer der VWS einen guten Namen bei den Behörden gemacht.
    Man weiss nicht wofür´s gut ist?

  15. dirk wagner

    Ich verstehe das System mit diesem Rettungsbus nicht, sicherlich ein von der Beklebung her geiles Showfahrzeug, aber der Einsatztaktische Wert ist doch wohl mehr als Grenzwertig, wie bereits gepostet, können Linienbusse generell als Aufenthaltsbusse im MANV angefordert werden, der Bus kann höchstens 80 km/h Fahren, muss u.u. Im Schülerverkehr erst noch die Schüler nach Hause fahren um dann mit Sosi durch den Landkreis zu Hupen, gibt es dann für die Einsatzverpflegung im Siegerland demnächst Imbiswagen in Feuerwehrlakierung und mit Signalanlage, warum kauft die Taxi-Innung im Siegerland nicht 1- 2 Notarzteinsatzfahrzeuge mit TAXI Schild auf der Hella-Box um im Bedarfsfalle als Ersatz NEF zu fahren? Die Liste liese sich mit Sicherheit noch verlängern.

    Für mich einen Linienbus mit Blaulicht und Martinshorn ein absolutes NOGO

  16. Michael

    Ich sehe das nicht so kritisch,
    wenn ich mir vorstelle das ein Reisebus auf der Autobahn einen Unfall hat (Reifenschaden kleiner Auffahrunfall) nichts großes! Da ist der Bus doch super! Schnell da Leute Rein von der Autobahn zur nächsten Bushaltestelle und dort auf den Ersatzbus gewartet! Dann stehen die Leute nicht auf der Autobahn und sind so nicht weiteren gefahren ausgesetzt! Und Bomben werden auch nicht jede Woche in einem Ort gefunden! Und hier für einen Bus anstelle von Einsatzfahrzeugen zu verwenden der die Menschen aus der Gefahrenzone Bringt ist auch nicht schlecht!
    Verletzte sollen auch nur beherbergt und nicht operieren!

  17. @dirk wagner: Den einsatztaktischen Wert eines solchen Fahrzeugs schätzen die Verantwortlichen der hiesigen HiOrgs durchaus anders ein. In unserem ländlichen Raum kann man bei abendlichen oder nächtlichen Einsätzen nicht mal eben Linienbusse anfordern wie in einer Großstadt. Da fahren hier nämlich keine mehr! Bei diesem Fahrzeug stellt der Unternehmer auch eine Rufbereitschaft mit Fahrern (auf eigene Kosten!) Und mit der SoSi-Anlage hatten die verantwortlichen Aufsichtsbehörden offensichtlich auch weniger Probleme als Sie. Sonst hätte es keine Genehmigung dafür gegeben.

  18. Felix

    Sio nun melde ich mich auch mal als Feuerwehr und Rettungsfan, kann ich diesen bus nur befür worten, da er ja eigneldich selbst für mich viel sinn ergibnt ich glaub auc kaum das er wenn er 30 km(mal übetrieben) von der Einsatzstelle enfernt seine Line macht wird er glaub nicht gefordert weill er zu weit weg is.
    mir kann es egal seim, dafür finde ich diesen Linen/Rettungsbus eine Sinnfalle ärgenzung für das Land ich würde mich auch freuen wenn es sowas hier in Hessen geben würde 😀

  19. Ich würde mich freuen wenn es sowas in Niedersachsen gibt
    lol

  20. Dirk Wagner

    @TG sicherlich gebe ich dir zum Teil recht, ich bin gebürtiger Siegerländer und habe auch ca 30 Jahre meines Lebens dort verbracht kenne also die weitläufigkeit des Landreises SIWI, es geht nicht um den Bus als solches, der mag ja sicherlich Sinn machen, es geht darum das dieser Bus dann noch im Liniendienst fährt !, Es gibt Feuerwehren die einen ehem. Imbiswagen als Verpflegungsfahrzeug vorhalten, der auch genauso wie ein andere Fahrzeug der Feuerwehr mit Funk und Sosi ausgerüstet ist, der wird aber auch nur durch BOS eingesetzt und steht nicht unter der Woche bei der Metzgerei Müller oder Meier zum Wurstverkauf! Für mich ist einfach Wichtig wo Feuerwehr oder Rettungsdienst draufsteht muß auch Rettungsdienst und Feuerwehr drinn sein !!

    Ersatzfahrzeuge des Rettungsdienstes fahren ja auch nicht während der Standzeiten für UPS Pakete aus.

    Grüße ins Sejerland Dirk

  21. @sst89: Ich glaube, da hat keiner ein Problem mit, einfach auf den nächsten Bus zu warten. Bei einer Panne muss man ja auch warten. Und die meisten pendler fahren rechtzeitig los, um auch einen Busaufall zu verkraften.
    @DirkWagner: Maximalforderungen sind schön, aber es muss alles finanzierbar sein. Und kein Unternehmen wird der Feuerwehr kostenlos einen Bus mit Fahrer stellen, der 95% der Zeit nutzlos auf dem Hof steht. So ein Projekt funktioniert nur, wenn beiden Seiten einen Nutzen haben. Man kann auch alles Neue schlecht reden! Die Verantwortlichen vor Ort haben sich mit Sicherheit vorher Gedanken gemacht und eine sinnvolle Lösung gefunden.

  22. Lukas Otto

    Also ich finde bevor man so kein so ein Fahrzeug nachweisen kann aus Kostengründen ist diese Lösung noch sinnvoll.

  23. In der Oktober-Ausgabe (Heft 10/2013) wird der neue Siegener Rettungsbus ausführlich vorgestellt.

    Nach langem hin und her ist der Bus jetzt endgültig fertig beklebt und konnte von mir entsprechend fotografiert werden.

  24. Mal für Herrn Wagner.
    Es gibt tatsächlich Gemeinden in meinem Umkreis dort werden die Fahrzeuge der Feuerwehren zum bewässern oder Schneeschieben benutzt. In Einzelfällen sogar die Drehleiter zum baumschnitt. Und das nur wegen fehlender Mittel. Das Prinzip mit dem Bus verfolgen wir schon seit Jahren nur halt ohne SoSi und Beklebung. Und ob der Bus nun Horn und Blaulicht hat, liegt wohl nicht in unserer Verantwortung und wurde von den Verantwortlichen wohl durchdacht.

    Lieben Gruß Jan

  25. M. Brodersen

    Eine gute Idee! Kosten und Nutzen halten sich die Waage, was ja bei den bekanntlich klammen Kassen der Kommunen auch nicht zu unterschätzen ist!
    Hier wurde es geschafft, Kosten für alle zu sparen, das Geld, was dabei frei wird könnte dann auch für ein dringend benötigtes Rettungsmittel u.s.w. genutzt werden…
    Mal noch zusätztlich abgesehen noch Gratiswerbung für die Fw,auch gut und auch gut für den Unternehmer als Eigentümer…
    Dann noch die Vorhaltung und Ausbildung der Fahrer,klasse! Ein neuer Weg bei klammen Kassen wurde gefunden die Sicherheit aller im betreffenden Raum erhöhen…
    Lächeln und dankbar annehmen!!!

  26. M. Brodersen

    Einen noch:
    Bei uns in SH haben wir eine Auszeichnung für vorbildlichen Betriebe, welche der Feuerwehr helfen, sei es personell,oder materiell… Sie heißt”Partner der Feuerwehr”
    Dieses kann Mann von diesem Unternehmer nun auch sagen! Er hätte so eine Auszeichnung bei uns sofort bekommen, und damit würde das Arrangement gewürdigt offiziell für alle sichtbar gewürdigt werden!
    Nochmal: klasse Idee bei klammen Kassen!

  27. Andreas Büttner

    Die Idee ist nicht schlecht. Ist nur blöd, wenn die Fahrgäste plötzlich wegen einem Einsatz alle aussteigen müssen.

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