Hochwasser: “Das wird lebensgefährlich”

Lauenburg (SH) – Das, was Passau und Dresden sowie viele andere Städte im Süden und Osten Deutschlands bereits hinter sich haben, steht den Menschen in Lauenburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) ganz im Süden von Schleswig-Holstein erst noch bevor: Eine Flut mit rekordverdächtigen Wasserständen der Elbe. Am Mittwoch löste Landrat Gerd Krämer den Katastrophenfall aus. Am Freitag sollen 300 Menschen aus der direkt am Elbufer gelegenen Elbstraße evakuiert werden.

“Die Gefahr, die uns durch das Wasser der Elbe droht, ist einfach zu groß”, sagt Bürgermeister Andreas Thiede. Rund um die Uhr sind jetzt 200 Feuerwehrleute und etwa 50 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) in der Stadt im Einsatz.

“Ab einem Wasserstand von zehn Metern haben weder unsere Pumpen noch die Sandsackbarrieren eine Wirkung”, räumt Feuerwehrchef Lars Heuer ein. “Die Hoffnung stirbt aber zuletzt”, begründet er den Kampf gegen die drohende Flut der Elbe. Kommenden Mittwoch soll das Wasser mindestens 10,35 Meter hoch stehen, so die neueste Prognose. Normalerweise sind es etwa 4,50 Meter. Bei der “Jahrhundertflut” 2002 waren es 8,70 Meter, im Januar 2011 immerhin schon 9,23 Meter.

Keine Schutzeinrichtung vorhanden

Lauenburgs Altstadt ist die einzige Stadt an der Elbe, die den Wassermassen schutzlos ausgeliefert ist. Bisher konnten sich Stadt und Land nicht über die Finanzierung von Schutzeinrichtungen einigen. Das bedeutet für die Helfer jetzt wieder jede Menge Arbeit. Und für die Anwohner die erste Evakuierung in der mehr als 800-jährigen Geschichte der Elbstraße.

Große Schäden erwartet

Voraussichtlich wird das Wasser in der kommenden Woche mit einer Geschwindigkeit von acht Metern pro Sekunde durch die Elbstraße rauschen. “Das wird lebensgefährlich”, warnte Heuer. Freitag um 8 Uhr beginnt die Evakuierung, die um 18 Uhr beendet sein soll. Polizisten werden patrouillieren und für Sicherheit sorgen, heißt es. “Wir müssen etwa 300 Menschen in Sicherheit bringen”, berichtet Bauamtsleiter Reinhard Nieberg. Er schätzt, dass etwa 20 Prozent davon in Notunterkünften von Einsatzkräften der DLRG bereut werden müssen. Bevor die evakuierten Menschen in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren können, wird es vermutlich eine Woche dauern. Denn noch ist die weitere Wasserstandsentwicklung nach nächstem Mittwoch unsicher. Und erst, wenn die Flutwelle abebbt, kann mit dem Aufräumen begonnen werden. Klar ist: Es wird verheerende Schäden geben.

Kampf auch gegen Gaffer

“Was wir auf jeden Fall verhindern werden, ist, dass die Schaulustigen einfallen. Bei der Flut 2011 hatten wir an einem Wochenende 30.000 Touristen in der Stadt. Diesmal gilt von Sonnabend 8 Uhr an ein Verbot für Fußgänger in der Altstadt”, so Nieberg. Wohl ebenfalls am Sonnabend wird der Strom abgeschaltet, die Kanalisation wird kapitulieren. “Wir befinden uns dann für unbestimmte Zeit im Ausnahmezustand”, sagt Bürgermeister Thiede.

Die Technische Einsatzleitung (TEL) des Kreisfeuerwehrverbands koordiniert vom Schlossplatz aus die Einsatzkräfte aus einem Einsatzleitwagen (ELW) 2 heraus. In der sicheren Oberstadt gibt es einen Bereitstellungsraum. Dort sammeln sich die Einsatzkräfte, die für ihre Schicht jeweils amtsweise angefordert werden. (Text: Timo Jann)

Vorbereitung auf das Hochwasser in Lauenburg: Feuerwehrleute bereiten einen Damm vor. Foto: Timo Jann
Vorbereitung auf das Hochwasser in Lauenburg: Feuerwehrleute bereiten einen Damm vor. Foto: Timo Jann
5 Kommentare zu “Hochwasser: “Das wird lebensgefährlich””
  1. Wünsche Euch viel Ausdauer, Kraft und Erfolg. Bei uns in Roßwein/Sachsen/Freiberger Mulde ist es durch, leider nicht ohne Schäden zu hinterlassen. Haben dies nicht in der Höhe erwartet, was nun für uns

  2. .. geht weiter: doch eine Menge von Schäden hinterließ. Wenn auch nicht so hoch wie 2002, so stand doch das Wasser 1 m auf der Straße und 60 cm bei uns im Feuerwehrmuseum. Fahrzeuge und Anhängegeräte konnten wir leider dann doch nicht merh in Sicherheit bringen.

  3. …”r konnten sich Stadt und Land nicht über die Finanzierung von Schutzeinrichtungen einigen…” wenn ich das lese, kann ich nur sagen: die hirnlosen bekloppten volltrottel die sich da nicht einigen können, sind diie, die den schaden jetzt aus eigener tasche bezahlen müssten!! der schaden den die deppen dadurch angerichtet haben, ist 100 fach höher als der hochwasserschutz kostet ! da hab ich kein verständnis für, für die trottel, die nicht wissen was wesentlich ist, die scheiss, bürosesdelfurzidioten !!

  4. Helmut

    Ich würde gerne helfen, aber ich darf nicht.
    Ich bin seit 22 Jahren beim THW, davon 18 Jahre in der Fachgruppe Wasserschaden Pumpen, ich war an der Oder, am Rhein, an der Elbe,in Süd Frankreich, in New Orleans und Polen. Sowie viele andere Einsätze in Deutschland. Nur ich musste mich vor 4 Monaten eine Schulter OP unterziehen und war in der Zeit nicht im OV, weil ich ja AU war. Nun bin ich seit ca 5 Wochen wieder voll gesund und Einsatzfähig (sogar mit Attest)und habe mich zur Verfügung gestellt um dort zu helfen. Und was musste ich hören, kein Bedarf. Denn ich bin auf einmal ein unzuverlässiger Helfer mit den man nicht mehr planen kann, weil ich nicht als ich krank war zum THW gekommen bin und bei Diensten teilnahm. Und es wurde mir mitgeteilt das ich auf keinen Fall zum Einsatz komme.
    Das ist bitter und tut weh.

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