Praktisch, stabil und fälschungssicher

Feuerwehr-Ausweis im Scheckkarten-Format

Bremen – Bis heute gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung zu Feuerwehr-Ausweisen. Und so werden diverse Produkte eingesetzt. Verbreitet ist nach wie vor der “rote Lappen”. Dass es auch zeitgemäßer geht, beweist der Behördenverlag 0700Blaulicht. Den seit 2014 angebotenen Feuerwehr-Dienstausweis im Scheckkarten-Format nutzen auch die Hauptamtlichen Mitarbeiter des Deutschen Feuerwehrverbandes in Berlin und die gewählte DFV-Spitze. Wir stellen den Ausweis vor.

Am Pfingstwochenende 2014 fegten schwere Unwetter über Deutschland hinweg. Besonders heftig erwischte es Nordrhein-Westfalen. Umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, abgedeckte Dächer – tausende Einsätze fielen innerhalb weniger Stunden an Rhein und Ruhr an. Die Fastfood-Kette McDonalds und  ihre Franchise-Nehmer in Ratingen, Essen, Oberhausen und Mühlheim spendierten den Feuerwehrleuten als Dank daraufhin für eine Woche sämtliche Mahlzeiten. Die Feuerwehrleute mussten bei der Bestellung nur ihren Dienst- oder Feuerwehrausweis vorlegen.

Michael Röder (links) hatte die Idee zu dem bundeseinheitlichen Feuerwehrausweis im Scheckkartenformat. Den Behördenverlag gründete dann Felix Rösler. Die Ausweise stellen die beiden Feuerwehrleute selbst her. Foto: Hegemann
Michael Röder (links) hatte die Idee zu dem bundeseinheitlichen Feuerwehrausweis im Scheckkartenformat. Den Behördenverlag gründete dann Felix Rösler. Die Ausweise stellen die beiden Feuerwehrleute selbst her. Foto: Hegemann

Doch da fing das Dilemma an. Es gibt bisher keine einheitlichen Feuerwehrausweise – nicht in Nordrhein-Westfalen und nicht in Deutschland. Diese Feststellung hatte Feuerwehrmann und Ordnungsamtsmitarbeiter Michael Röder schon vor einigen Jahren gemacht. Eigentlich hatte Röder anfangs nur an einen Aufkleber gedacht, den sich BOS-Angehörige ans Auto kleben können. Sie sollten wirklich nur an BOS-Angehörige ausgegeben werden, die Besitzer als echte Aktive ausweisen. Doch mit den „Ausweisen“ war es auch so eine Sache.

Je mehr sich der Feuerwehrmann mit dem Thema beschäftigte, desto überraschter war er. Einzelne Bundesländer schreiben vor, dass sich Feuerwehrleute auf Verlangen als solche ausweisen müssen (beispielsweise Schleswig-Holstein durch einen Erlass des Innenministeriums). Die Anforderungen an entsprechende Dienstausweise sind allerdings eher gering. In Schleswig-Holstein, um bei dem Beispiel zu bleiben, muss das Dokument Dienstausweis heißen, nummeriert sein, Namen und Stempel der Dienststelle tragen, ein Lichtbild des Inhabers enthalten und von diesem unterschrieben sein.

„Rote Lappen“ nicht mehr zeitgemäß

„Entsprechend einfach sehen die Feuerwehr-Dienstausweise auch aus“, stellte Röder fest. In der Regel bestehen sie aus festem roten Papier im Format A7 (Modell Deutscher Gemeindeverlag). Ausgefüllt werden die Felder mit Schreibmaschine. „Oder handschriftlich, weil bei vielen Gemeinde- oder Stadtverwaltungen keine Schreibmaschinen mehr vorgehalten werden“, hat Röder selbst festgestellt. „Rote Lappen“ werden die Feuerwehrausweise von vielen Aktiven deshalb auch genannt. „Modern sieht jedenfalls anders aus“, so Röder. Etwa ab 2007 reifte in ihm die Idee, selbst ein entsprechendes Dokument herzustellen. Als optimale und einzig zeitgemäße Form erschien ihm das Scheckkarten-Format. Ähnliche Ausweise verwendeten damals schon vereinzelt einige Berufs- und Werkfeuerwehren.

Und so sieht das Muster des Feuerwehrausweises aus: Als Sicherheitsmerkmal ist links unter dem Bild des Inhabers ein Hologramm-Siegel angebracht. Guillochen (Zeichnung verschlungener Linien), Minischriften mit Farbverlauf sowie ein vollflächiges Hologramm-Laminat geben dem Ausweis ein unverwechselbares Outfit.
Und so sieht das Muster des Feuerwehrausweises aus: Als Sicherheitsmerkmal ist links unter dem Bild des Inhabers ein Hologramm-Siegel angebracht. Guillochen (Zeichnung verschlungener Linien), Minischriften mit Farbverlauf sowie ein vollflächiges Hologramm-Laminat geben dem Ausweis ein unverwechselbares Outfit.

2011 offenbarte sich Röder seinem Freund Felix Rösler, Berufsfeuerwehrmann in Leipzig. Auch Rösler empfand die bisherigen „roten“ Ausweise als nicht mehr zeitgemäß für eine deutsche Behörde. Bei Ihren Recherchen stellten die beiden fest, dass zwar das Aussehen und die Beschaffenheit der Papp- und Papierausweise weitestgehend geregelt sind, aber sich kaum jemand über Ausweise im Kreditkartenformat Gedanken gemacht hat. „Es gab insofern auch kaum Beschränkungen“, berichtet Rösler. Und so gründeten die beiden Feuerwehrleute den Behördenverlag 0700Blaulicht. Der Name 0700Blaulicht ist übrigens eine Vanity-Nummer; denn sie ist Firmenname, Telefonnummer, Webadresse und eMail zugleich.

Michael Röder entwarf kurz darauf den Feuerwehrausweis. Links neben dem Schriftzug ist eine individualisierte Nummer angebracht, rechts davon die Jahreszahl bis zum Ablauf der Gültigkeit. „Wie lange die Ausweise gültig sein sollen, entscheidet jede Feuerwehr oder Kommune selbst“, so Rösler. „Maximal 15 Jahre sind möglich.“

Hologramm und QR-Code

Links ist ein Foto des Ausweisinhabers aufgedruckt, darunter ein fälschungssicheres Sicherheitssigel. In der Mitte der Vorderseite finden sich Angaben zur ausstellenden Kommune, Name, Geburtsdatum und Funktion der Einsatzkraft sowie die berechtigten Führerscheinklassen (um den Ausweis auch als Betriebsfahrerlaubnis nutzen zu können). „Auf Wunsch des Bestellers kann auch noch das Wappen der Kommune abgebildet werden“, erklärt Röder.

Auf der Rückseite ist ein QR-Code aufgedruckt. Dieser kann eingescannt werden, worauf sich ein Formular öffnet. Damit kann dann – innerhalb weniger Sekunden – die Gültigkeit des Ausweises überprüft werden.
Auf der Rückseite ist ein QR-Code aufgedruckt. Dieser kann eingescannt werden, worauf sich ein Formular öffnet. Damit kann dann – innerhalb weniger Sekunden – die Gültigkeit des Ausweises überprüft werden.

Auf der Rückseite mittig muss der Ausweis vom Inhaber unterschrieben werden. Im Text darüber werden Behörden und Dienststellen gebeten, die Ausweisinhaber bei seiner Tätigkeit zu unterstützen. Unten rechts ist ein QR-Code aufgedruckt, mit dem ganz einfach die Gültigkeit des Ausweises und der enthaltenen Angaben geprüft werden kann. „Einfach mit dem Smartphone einscannen und schon werden auf dem Display des Smartphones die entsprechenden Auskünfte dargestellt“, erklärt Verlagsinhaber Rösler. „Auf diese Weise können gestohlene Ausweise oder solche von nicht mehr Aktiven Online ganz einfach erkannt werden.“

Anfangs konnten die Ausweise nur auf dem Postweg beantragt werden. „Für jeden Dienstausweis musste ein schriftlicher Antrag ausgefüllt werden. Der Antrag ist nur gültig mit Original-Unterschrift und Original-Stempel des Dienstvorgesetzten und der Dienststelle beziehungsweise Kommune“, berichtet Röder. „Die Behörde legitimierte uns durch den Antrag, für diese Person einen Ausweis auszustellen.“ Nach der Zustellung durch die Post scannte Röder die Formulare ein, die Daten wurden extrahiert und in eine separate Datenbank (nicht mit dem Internet verbunden) importiert. Anschließend wurden die Ausweise inhouse produziert und an die Feuerwehren oder Kommunen geschickt. „Eine Lieferung an eine Privatanschrift ist aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen“, erklärt Röder eins der nach wie vor gültigen Geschäftsprinzipien. Anträge von Privatpersonen werden außerdem grundsätzlich abgelehnt.

Ab Mitte April 2018 bietet der Behördenverlag registrierten Kunden einen einfacheren Weg an. Über einen Online-Zugang können die Ausweise von Ihnen selbst beauftragt werden. Die Ausweisfotos und Daten müssen dann nicht mehr per Post geschickt werden. “Kurz nach dem Hochladen erreicht uns eine Information, in dessen Folge wir die Daten, samt Passfotos, vom Online-Server holen und die Ausweise zeitnah herstellen können”, erklärt Michael Röder. “Die Daten befinden sich also nur kurze Zeit auf dem Server. Und selbstverständlich handelt es sich um eine verschlüsselte, passwortgeschützte und verifizierte Verbindung auf einen sicheren Stand-Alone-Server, den wir mit niemandem teilen müssen.”

Aktuell nutzen schon rund 100 Feuerwehren den Feuerwehrausweis des Behördenverlags 0700Blaulicht. “Wir haben Kunden in jedem Bundesland”, freut sich Felix Rösler.

Michael Röder (links) und Felix Rösler präsentierten auf der Interschutz 2015 in Hannover den Feuerwehrausweis erstmals dem breiten Publikum. Foto: Behördenverlag 0700Blaulicht  (Bild: Foto: Firepic Sparkasse Leipzig Kto. 1800897479 BLZ 86055592)

Neben Ausweise für Feuerwehren bietet der Behördenverlag „0700Blaulicht“ auch welche für Rettungsdienst und Katastrophenschutzeinrichtungen an. Auf Wunsch (und gegen Aufpreis) können sämtliche Ausweise mit RFID-Funkchips ausgestattet werden. So lassen sie sich zusätzlich für die Zeiterfassung (Feuerwehr Arbeitszeit) oder als Gerätehausschließung verwenden.

In der Grundausstattung kostet ein Ausweis aktuell noch 13,50 Euro. Zum 1. Mai 2018 steigt der Verkaufspreis allerdings auf 15,50 Euro. Über das Feuerwehr-Magazin gibt es den Ausweis um einen Euro vergünstigt. Dazu muss allerdings die Bestellung über unseren Online-Shop aufgegeben werden. Hier geht es direkt zum Produkt.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Moin, ich bin seit 37 Jahren Mitglied verschiedener Feuetwehren und ich glaube nicht, dass ich das noch erlebe, dass es einen einheitlichen Ausweis gibt!

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  2. Tja. Eine super Idee aber wie bringe ichs meinem Kind bei?
    In anderen BOS-Organisationen ist es ganz normal, dass man mit Eintritt einen Scheckkartenausweis bekommt.
    Bei der Feuerwehr muss dann die Gemeinde aktiv werden…
    Da es in BW einen Ausweis gibt, der aber nur ein Jahr gueltig ist, wird auch dieser weiterhin beantragt, wenn noetig. Ein Wechsel auf ein Bundesmodell ist hier leider nictht durchsetzbar.

    Noch ein Punkt: Wenn schon ein einheitlicher Ausweis, was echt super waere, dann doch bitte auch mehrsprachig, damit dieser auch im Ausland verstanden wird. Zumindestens Englisch sollte mit drauf sein. Waehrend ich den Text “Alle Behoerden und Dienststellen werden gebeten….” fuer ueberfluessig halte. Rettungsdienst und Pol arbeiten mit uns zusammen und muessen darauf nicht hingewiesen werden.

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  3. Solange Feuerwehr Landesrecht ist und auf die Gemeinden abgewälzt wird, solange wird es keinen bundeseinheitlichen Dienstausweis geben. Viele Gemeinden haben nicht mal das Geld für ordentliche PSA, da wird gespart wo es geht und ein Dienstausweis steht von der gefühlten Wichtigkeit ziemlich weit hinten.

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  4. In Schleswig-Holstein gibt es entgegen der Aussage im Artikel einen Erlass der Innen Ministers vom 23. Mai 1969 ( IV 35 a – 6014 – (Amtsbl. Schl.-H. S. 342)) in dem das Aussehen des Ausweises geregelt ist. ( Anlage 1+2 des Erlasses ). Ein Bild des Inhabers ist scheinbar nur für Ehrenbeamte vorgesehen ( Anlage 2 )
    Ob das Ganze noch zeitgemäß ist bezweifele ich jedoch.

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