“Feuer war gefährlicher als die Ladung”

Hamburg – Helle Aufregung in Hamburg: Die Grünen haben publik gemacht, dass an Bord des Frachters “Atlantic Cartier”, der am 1. und 2. Mai  im Hamburger Hafen gebrannt hatte (feuerwehrmagazin.de berichtete), unter anderem radioaktive Stoffe, Munition und leicht entzündliche Gefahrgüter der Klasse III transportiert wurden. Tatsächlich gebrannt hatten 30 von 70 Autos auf einer Ladeebene unter Deck. Die Gefahrgut-Container wurden auf dem offenen Deck transportiert.

“Wir wussten, was da an Bord ist. Das ist in einem großen Hafen Alltagsgeschäft. Wir haben die Container von Bord geholt und uns dann auf die Brandbekämpfung konzentriert, die war deutlich gefährlicher als alles, was an Ladung dabei war”, sagte am Freitag Martin Schneider, Sprecher der Hamburger Feuerwehr, gegenüber feuerwehrmagazin.de.

Schneider kam am Freitag, nachdem die Information der Grünen öffentlich geworden war, kaum zur Ruhe. Zahlreiche Journalisten verlangten Stellungnahmen von ihm. “Immer wieder werde ich gefragt, wie wir uns denn in die Gefahr mit dem radioaktiven Material begeben konnten. Aber die gab es gar nicht”, berichtete er.

Container wurden freigemessen

Als nach dem Alarm gegen 21 Uhr die ersten Einsatzkräfte von der Berufsfeuerwehr Hamburg-Veddel vor Ort waren, war schnell klar, welche Ladung das 276 Meter langeSpezialschiff an Bord hatte. Schneider: “Die Kollegen haben sofort entschieden, die Container abzuladen.” Während in dem betroffenen Bereich leicht entzündliche Stoffe in Containern lagerten, war dabei wirklich Eile geboten. Einsatzkräften, die auf dem Deck arbeiteten, schmolzen nach Informationen von feuerwehrmagazin.de wegen der enormen Hitzestrahlung aus dem Schiffsinneren die Schuhsohlen. Die Container mit dem giftigen Uran-Hexafluorid und anderen Stoffen standen weit vom Bandbereich entfernt. “Wir haben die Container selbstverständlich freigemessen, da war alles einwandfrei”, sagt Schneider.

Löschroboter im Einsatz

Erst am 2. Mai hatte die Feuerwehr den Brand mit zeitweise mehr als 200 Einsatzkräften löschen können. Kompliziert gestalteten sich die Löschmaßnahmen, weil wegen der enormen Hitze und der Enge an Bord des Schiffes kein direkter Löschangriff gefahren werden konnte. Während von außen Löschboote und Hafenschlepper den Schiffsrumpf kühlten, wurde an Bord sogar der Löschroboter “LUF 60” eingesetzt. Erst als der Brandabschnitt abgeschottet war, konnte Kohlendioxid eingeleitet werden, um der Luft den für die weitere Verbrennung nötigen Sauerstoff zu entziehen. Danach gingen die Temperaturen zurück und nach dem Belüften des betroffenen Bereichs konnten auch Nachlöscharbeiten starten. Die waren aufwändig, weil die brennenden Autos nach der Beladung auf einer nur 1,70 Meter hohen Ebene standen, die unter die Decke gezogen worden war, um darunter eine weitere Ebene mit noch mehr Autos beladen zu können.

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Während die Grünen in Medienberichten dem SPD-geführten Hamburger Senat jetzt vorwerfen, die Brisanz des Einsatzes vertuschen zu wollen, sieht die Feuerwehr sich in ihrer Taktik bestätigt. “Wir sind dahin gegangen und haben das Feuer ausgemacht. So eine Brandbekämpfung an Bord eines Schiffes ist immer gefährlich”, bilanziert Schneider. “Dafür sind wir aber ausgebildet und ausgerüstet, das hat sich hier gezeigt”, sagt er. (Text: Timo Jann)

Großeinsatz im Hamburger Hafen: Jetzt wurde öffentlich, dass der unter Deck brennende Frachter Atlantic Cartier auch brisante Stoffe geladen hatte, von denen aber nach Feuerwehrangaben keine Gefahr ausging. Foto: Timo Jann
Großeinsatz im Hamburger Hafen: Jetzt wurde öffentlich, dass der unter Deck brennende Frachter Atlantic Cartier auch brisante Stoffe geladen hatte, von denen aber nach Feuerwehrangaben keine Gefahr ausging. Foto: Timo Jann
5 Kommentare zu ““Feuer war gefährlicher als die Ladung””
  1. Typisch, Ideologie geht über Fachkenntnis. Die war bei garantiert nicht vorhanden. Ein gefährlicher Einsatz für die Hamburger Kollegen. Hochachtung für die Professionelle Arbeit

  2. Schick einen Feuerwehrmann ins feuer der weiss was er tut dafür ist er bestens ausgebildet und wenn man sich auf die politik verlässt ist man verlassen !!!

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