Ausstellung zeigt Katastrophen im Norden

Norderstedt (SH) – Drei große Naturkatastrophen haben Norddeutschland in den letzten 50 Jahren heimgesucht: Eine Flut (1962) in Hamburg und Schleswig-Holstein, die Waldbrände (1975) in Niedersachsen und die Schneekatastrophe, die (1978/1979) bis nach Mecklenburg-Vorpommern reichte. All dem widmet sich bis zum 2. Mai 2010 im Feuerwehr-Museum Schleswig-Holstein eine Sonderausstellung.

Dr. Hajo Brandenburg. Der Leiter des Feuerwehr-Museums Schleswig-Holstein ist stolz auf seine neue Ausstellung: “Es passt einfach, wir hatten ja nun auch wieder viel Schnee. Aber auch wenn einige von einer Katastrophe gesprochen haben – wir haben hier ein Beispiel, wann es wirklich katastrophal war. Das sind andere Kaliber!“

Selber ist Brandenburg durch Norddeutschlands Archive gefahren um Hintergründe für die Ausstellung zu finden: Herausgekommen ist bei der Recherche auch ein Buch mit mehr als 60 Fotos, viele davon werden großformatig auch in der Ausstellung gezeigt. Außerdem werden zwei Filme präsentiert. “Wir haben als erste Bilder aus dem Inneren der Schneewehen zusammengetragen. Dort, wo kein Journalist hinkam. Wir haben 30 Stunden Super8-Bildmaterial von Privatleuten gesammelt und digitalisiert. Daraus ist dann der 54 Minuten lange Film geworden“, so Autor Claus Oppermann (40). Auch er selber hat die große Schnee-Katastrophe erleiden müssen.

Dr. Hajo Brandenburg klettert gern in den Sand: „Hier können die Besucher selber was machen!”
BUEH, Florian (Büh, Florian)
Dr. Hajo Brandenburg klettert gern in den Sand: „Hier können die Besucher selber was machen!” Foto: Florian Büh

“Unsere Ölheizung war damals wegen Stromausfall nicht mehr zu nutzen. Und einem wurde irgendwann schon mulmig, als die Familie alte Kriegsgeschichten erzählte und Trinkwasser in Badewannen gesammelt wurde, weil niemand wusste, wie lange wenigstens die Rohre nicht zufroren.” Doch als Neunjähriger sah Claus vor allem auch die schönen
Seiten: “Es war einfach ein Abenteuer und wir haben das auch in dem Material gesehen. Viele Kinder spielten auf dem Schnee. Wir haben uns teilweise an den Regenrinnen festgehalten und dann über Berge von Schnee mit dem Schlitten herunterzurodeln. Im Video habe ich dann Schnee-Anzüge gesehen, wie ich selber einen hatte.” Der bei Flensburg geborene Filmemacher kam eher zufällig zu dem Thema, das nun zum ersten Mal in einem Museum und auch erstmals innerhalb einer Ausstellung gezeigt wird.

Neben 60 Fotos zeigt die Ausstellung ein Schlauchboot mit der Rettungsszenerie und einem Sandhaufen:Hier dürfen die Besucher selber prüfen, ob sie einen 15 Kilogramm schweren Sandsack richtig befüllen können. Wichtig: Er darf nur zu zwei Drittel mit Sand gefüllt sein.

Die Sonderausstellung kann zu den normalen Öffnungszeiten des Museums kostenlos besucht werden. Im Eintrittspreis des Feuerwehrmuseums Schleswig-Holstein (Friedrichsgaber Weg 290 in Norderstedt) ist der Eintritt in die Sonderausstellung enthalten (3 Euro, Kinder ab 13 Jahren 1 Euro). Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr und nach persönlicher Vereinbarung. Für jeweils um die zehn Euro können das Begleitbuch und die Film-DVD gekauft werden. (Text und Foto: Florian Büh)

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