Wenn Einsatzkräfte auf Reptilien treffen

Weinheim (BW) – Die Standardtierrettung wie “Katze auf dem Baum” oder “Hund im Fuchsbau” kennen die meisten Einsatzkräfte und arbeiten sie souverän ab. Doch bei Reptilien schrecken viele sicherlich zurück und fühlen sich unsicher. Rund 450 Reptilieneinätze gab es im vergangenen Jahr bei freiwilligen Wehren in Deutschland. Die Feuerwehr Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) hat sich nun auf Einsätze mit diesen speziellen Haustieren vorbereitet.

Reptilien-16-01.2014Bislang haben sich Hunde und Katzen als Standardhaustier etabliert. Exotische Tiere wie beispielsweise Schlangen, Spinnen oder Echsen besaßen eher Seltenheitswert. Doch das ändert sich und immer mehr Reptilien halten Einzug in deutsche Wohnzimmer. Auf dieses veränderte Verhalten sollten sich Einsatzkräfte einstellen. Denn beim Umgang mit den Tieren aus fernen Ländern gibt es einiges zu beachten. Wenn möglich, dann sollte ein Fachmann hinzugezogen werden. Doch wo will man diesen als Einsatzleiter spontan hernehmen?

Im Rhein-Neckar-Kreis hat man Volker Pfennig als Fachberater für Reptilieneinsätze bestellt. Dieser ist Inhaber eines Geschäftes für Terraristikbedarf, Mitglied einer Werkfeuerwehr sowie selbst Schlangenbesitzer. Er bestätigt die Zunahme der Reptilienkäufe und verweist auf 17 Einsätze mit Schlangen im letzten Jahr im Rhein-Neckar-Kreis. Der Fachberater schreitet aber nicht nur bei Einsätzen zur Tat, sondern bildet auch Einsatzkräfte zu diesem Thema fort.

Giftige Haustiere auf der Pirsch

Vor kurzem hielt Volker Pfennig im Feuerwehrzentrum Weinheim einen Vortrag über mögliche Gefahren. Grundsätzlich hat er gegen die Haltung exotischer Tiere nichts einzuwenden, Voraussetzung ist aber die notwendige Sachkunde der Tierhalter. Diese scheint aber nicht immer ausreichend vorhanden zu seien, anders kann sich der Fachberater nicht die hohe Anzahl der Feuerwehreinsätze mit diesen Tieren erklären. Immer wieder entwischen exotische und manchmal auch giftige Haustiere.

Sollte es einmal zu einem Biss durch eine Schlange kommen, gilt es ein paar wichtige Verhaltensregeln zu beachten. So sollte die gebissene Person ruhig bleiben, sich möglichst wenig bewegen und einen Arzt aufsuchen, egal ob das Tier giftig oder nicht ist. Wenn die Schlangenart unbekannt ist, sollte man sich möglichst viele Details merken, um mit der Beschreibung eine Identifizierung durch einen Fachmann vornehmen zu können. Aussaugen der Bisswunde, kühlen oder Abbinden von Gliedmaßen hält der Referent dagegen für sinnlos.

Die Weinheimer standen auch bei Brandeinsätzen schon unverhofft den Tieren gegenüber, bislang aber immer geschützt durch ein Terrarium. Nach dem Vortrag konnten die Teilnehmer diesmal sogar selber verschiedene Schlangen anfassen. Volker Pfennig hatte aus seinem Besitz eine Schwarze Königsnatter aus Mexico, eine Bambusnatter aus Thailand und eine Hakennasennatter aus der USA mitgebracht. Die Feuerwehrleute aus Weinheim fühlen sich nun gut vorbereitet und wissen, dass man den Exoten mit Respekt aber nicht mit Angst gegenübertreten sollte. (Foto: Feuerwehr Weinheim)

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