Wechselbrücke als tödliches Hindernis

Seckenhausen (NI) – Die Unfallakte analysiert am Sonntag, 21. November, im Vox-Magazin “auto mobil” um 17 Uhr den tödlichen Unfall eines 20-Jährigen im Januar 2010. Der junge Mann war nachts auf einer Bundesstraße bei Seckenhausen (Kreis Diepholz) mit seinem Kleinwagen unter eine auf der Straße abgestellte Lkw-Wechselbrücke geraten.

Renault Twingo völlig zerstört. Foto VoxDer 20-Jährige befand sich auf dem Rückweg von der Arbeit. Nach Erkenntnissen des Unfallakte-Teams hatte er keine Chance, auszuweichen. Das bestätiget auch Polizeihauptkommissar Johann-Dieter Oldenburg. „Selbst eine Streifenwagenbesatzung von uns hätte die abgestellte Wechselbrücke um Haaresbreite übersehen“, berichtet Beamte der Polizeiinspektion Weyhe.

Ein polnischer Lkw-Fahrer sah sich aufgrund winterlicher Straßenverhältnisse nicht in der Lage, die Wechselbrücke ordnungsgemäß in einem Gewerbegebiet abzustellen. „Für mich schwankt das Abstellen einer Wechselbrücke auf einer dunklen Fahrbahn zwischen Dummheit und grobem Leichtsinn. Die Wechselbrücke ist Ladung und hat auf der Fahrbahn überhaupt nichts zu suchen”, betont Unfallanalytiker Norbert Todt.

In der Vernehmung habe der Unfallverursacher keine Worte des Bedauerns geäußert, so Oldenburg. Da der Pole aber als EU-Bürger einen festen Wohnsitz nachweisen konnte, wurde seitens der Staatsanwaltschaft Verden/Aller kein Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Abgestellte Wechselbrücke. Foto: VoxDie Mutter des Unfallopfers versteht die Welt nicht mehr. Das Amtsgericht in Syke ahndete die fahrlässige Tötung mit einem Strafbefehl in Höhe von 720 Euro. „Warum ist eine Straftat, die das Leben meines Sohnes kostete, nicht mehr wert?”, fragt sich die Mutter. “Ich hab gedacht, das ist ein Witz!”

Ausschlaggebend für die Höhe des Strafbefehls sind die wirtschaftlichen und sozialen Umstände, unter denen der Lkw-Fahrer in Polen lebt. „Ihm bleibt ein zur Verfügung stehendes Einkommen von monatlich 240 Euro. Geteilt durch 30 ergibt dies einen Tagessatz von acht Euro“, erläutert der zuständige Oberstaatsanwalt.

Für Johann-Dieter Oldenburg zeigt der Fall aber auch, dass es Unterschiede in der Ausbildung von Lkw-Fahrern gibt: „Wir wissen, dass viele Polen nur einen Crashkurs besuchen, um hier fahren zu dürfen. Aber das ist zu wenig, um diesen Beruf verantwortungsvoll auszuüben“. (Quelle/Fotos: Vox / Unfallakte)

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