Verkehrsprojekt “Schutzengel” voller Erfolg

Gütersloh (NW) – Über 12.000 junge Menschen sind im Kreis Gütersloh als Schutzengel unterwegs. Ihr Auftrag ist die Vermeidung von Unfällen junger Fahrer bis 24 Jahren und damit die Rettung von Menschenleben. 2008 startete das Gemeinschaftsprojekt des Kreises Gütersloh, der Kreispolizeibehörde und der Verkehrswacht. Jetzt belegten Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen, dass das Projekt nicht nur durch die hohe Teilnehmerzahl, sondern vor allem durch Wirksamkeit überzeugt.

Präsentierten die wissenschaftliche Auswertung des Schutzengelprojekts und die neue interaktive Unfallkarte – oder „Landkarte der Schicksale“, wie Ideengeberin Margit Picker sie nannte (v.l.): Leonie Stockhecke (aktiver Schutzengel), Detlef Stieg (Abteilungsleiter Straßenverkehr, Kreis Gütersloh), Dr. Iris Mühlenbruch (Uni Duisburg-Essen), Landrat Sven-Georg Adenauer, Margit Picker (Leiterin der Direktion Verkehr, Kreispolizeibehörde Gütersloh), Michael Haftmann (Projektleiter Schutzengel) und Lena Ostermann (aktiver Schutzengel). Foto: LK GT“Das Projekt Schutzengel ist ein großer Erfolg!”, zog Dr. Iris Mühlenbruch beim Abschlussbericht vor den Projektverantwortlichen Bilanz. Gemeinsam mit Prof. Dr. Maria Limbourg war sie zwei Jahre lang mit der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation der Verkehrssicherheitmaßnahme beauftragt. Durch eine Online-Befragung und die gezielte Auswertung der Unfallstatistiken seit 2007 kamen die Wissenschaftler zu dem erfreulichen Ergebnis.

Das erklärte Ziel des Projekts Schutzengel, die Anzahl der verunglückten jungen Fahrer im Kreis Gütersloh um mindestens 20 Prozent zu reduzieren, wurde sogar übertroffen. Gegenüber den Unfallstatistiken des Jahres 2007 verunglückten (schwer verletzt oder getötet) 21,9 Prozent (2009) beziehungsweise 20,3 Prozent (2010) weniger Fahrer in der Zielgruppe der 18- bis 24-Jährigen. “Im Vergleich zum Basisjahr 2007 reduzierte sich die Zahl der Verletzen damit allein 2009 um 50 Verletzte“, erklärte Mühlenbruch. Noch deutlicher wird die Verbesserung, wenn man in der Statistik nicht alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt und beispielsweise Radfahrer, Fußgänger und ortsfremde Auto- und Motorradfahrer rausrechnet. Gemessen an den Unfällen, bei den junge Fahrer mit dem Kennzeichen GT ums Leben kamen oder schwer verletzt worden sind, ging die Zahl um 30,9 Prozent zurück.

Schutzengel-Projekt soll fortgesetzt werden

“Die Zahlen haben mich überzeugt”, zeigte sich Landrat Sven-Georg Adenauer von den Ergebnissen des Abschlussberichts beeindruckt. Er ist sich mit den anderen Projektverantwortlichen einig und sprach sich für die Weiterführung des Schutzengel-Projekts aus. Mit ihren Kernbotschaften scheinen die Initiatoren des Projekts richtig zu liegen: Durch die Registrierung verpflichten sich die Jugendlichen, auf die Geschwindigkeit zu achten, sich anzuschnallen und sich nie alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss hinters Steuer zu setzen. Außerdem sollen sie wechselseitig Verantwortung füreinander übernehmen, indem sie auch andere zu verkehrsbewusstem Verhalten animieren.

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Eine Online-Karte zeigt die Unfallstellen im Landkreis Gütersloh. Foto: LK GTDie positive Verkehrsentwicklung im Kreis Gütersloh ist keinem allgemeinen NRW-Trend geschuldet. Durch den Vergleich mit dem Unfallaufkommen in zwei Kontrollkreisen belegte die Uni Duisburg-Essen, dass die Entwicklungen mit hoher Wahrscheinlichkeit Ergebnis des Verkehrssicherheitsprojekts „Schutzengel“ sind. Mit Heinsberg und Minden-Lübbecke wurden Kreise zum Vergleich herangezogen, die ebenfalls in NRW liegen und Gütersloh im Jahre 2007 in ihrer Verkehrssituation und Unfallstatistik ähnelten. Insbesondere bei einer Betrachtung der verunglückten jungen Fahrer, die mit Gütersloher Kennzeichen unterwegs sind, zeigt sich, dass in keinem der Kontrollkreise vergleichbare Rückgänge erreicht werden konnten.

Die meisten Teilnehmer hatten ehrliches Interesse

Eine Onlinebefragung von 3074 registrierten Schutzengeln lieferte Erklärungen für den großen Erfolg: Der Projektgruppe gelang es, bei der Zielgruppe der 18- bis 24-jährigen aufrichtiges Interesse zu wecken. Tatsächlich registrierten sich 83 Prozent der Befragten aus Problembewusstsein als Schutzengel. Nur 44 Prozent gaben an, von den diversen Rabattaktionen gelockt worden zu sein.

Gute Voraussetzungen also für eine Maßnahme, die auf eine Verhaltensveränderung bei der Zielgruppe angelegt ist. Tatsächlich achten mehr als zwei Drittel der befragten Schutzengel seit ihrer Registrierung verstärkt auf das Verkehrsverhalten ihres Bekanntenkreises. Immerhin 19 Prozent sind selbst umsichtiger geworden, während sich drei Viertel ohnehin als verantwortungsbewusste Straßenverkehrsteilnehmer betrachten. (Text: LK GT)

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