Unwetterwarnungen sollen verlässlicher werden

Offenbach (HE) – Mit neuen Vorhersagemethoden wollen die Wetter- und Klimaforscher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) extreme Wetterereignisse künftig noch verlässlicher und früher vorhersagen. “Die Treffergenauigkeit der heutigen Wettervorhersage lässt sich kaum noch verbessern. Trotzdem wollen wir unseren Kunden helfen, sich noch besser vor Unwettern zu schützen. Deshalb müssen wir bei der Vorhersage neue Wege gehen”, betont Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes auf dem 6. Extremwetterkongress in Hamburg.

Sommergewitter. Foto: Michael KlöpperDie Vorhersage gerade kleinräumiger Unwetter – wie sommerlicher Gewitter – könne vor allem durch die Nutzung eines Ensemble- Vorhersagesystems verlässlicher werden. Dabei wird im Großrechenzentrum des DWD die Wettervorhersage zum Beispiel für Hamburg für die kommenden 21 Stunden nicht nur einmal berechnet, sondern mit leicht veränderten Anfangszuständen bei Temperatur, Feuchte oder Luftdruck 20 Mal gleichzeitig. Becker: “Das Ergebnis sind viele Vorhersagen für Hamburg, die sich leicht oder manchmal auch stärker voneinander unterscheiden. Wir schauen uns diese Vorhersagen dann an und können abschätzen, welche Wetterentwicklung am wahrscheinlichsten ist. Zugleich können wir unsere Kunden aber auch darauf hinweisen, dass vielleicht gefährliche Sturmböen ziemlich unwahrscheinlich sind, aber doch ein kleines Risiko bestehen könnte, weil eine von 20 Vorhersagen diese Gefahr prognostiziert.” Der Vorteil der Ensembletechnik sei damit offensichtlich: Ein Nutzer dieser Vorhersagen, zum Beispiel ein Konzertveranstalter, bekäme mehr Informationen und könne dann selbst bewerten, ob ihm auch dieses geringe Risiko noch zu groß sei und er die Veranstaltung vorbeugend absage.

Auch bei den Jahreszeitenvorhersagen und der Simulation des künftigen Klimas arbeiten die Forscher des DWD gemeinsam mit Universitäten und Forschungseinrichtungen daran, durch die Ensembletechnik und einheitliche Modelle für die Wettervorhersage und Klimaprojektion noch aussagekräftigere Ergebnisse zu erreichen. Becker: “Wir sind zuversichtlich, bald noch häufiger bevorstehende Klimaextreme wie die Hitzewelle im Sommer 2010 in Russland frühzeitig mit unseren Modellen erfassen zu können. Ich bin sicher, dass wir aber auch die Veränderungen bei den Extremen durch den Klimawandel in den nächsten 30 Jahren noch besser simulieren werden.” (Foto: Michael Klöpper)

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