Sportwissenschaftler beraten BF Kaiserslautern

Kaiserslautern (RP) – In einem gemeinsamen Pilotprojekt mit der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern hat die Arbeitsgruppe “Trainings- und Bewegungswissenschaft” des Fachgebietes Sportwissenschaft der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern die körperliche Leistungsfähigkeit und Fitness der Lautrer Feuerwehrfrauen und -männer untersucht.

Zur Ansteuerung einer konditionellen und koordinativen Leistungsfähigkeit führte sie anschließend ein spezielles Sportprogramm durch. Die Ergebnisse des Pilotprojektes sowie die daraus abgeleiteten Zielsetzungen für eine nachhaltige und langfristige Entwicklung und Erhaltung der Fitness von Feuerwehrleuten wurden jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Trainingseinheit unter Aufsicht. Foto: Stadt Kaiserslautern“Die Fitness unserer Feuerwehrfrauen und -männer ist gut”, bilanzierte Feuerwehrdezernent Peter Kiefer, der mit den getesteten drei Wachmannschaften der Berufsfeuerwehr in den letzten Wochen das Ergebnis lebhaft diskutiert hatte. Es sei wichtig, dass sich die Feuerwehrleute fit fühlen. Darüber hinaus hätte das Pilotprojekt auch eine motivierende Wirkung auf die Feuerwehrangehörigen gehabt, mit Bewegung ihre Lebensqualität zu verbessern und Schmerzen zu vermeiden. “Dies geht mit relativ wenig Anstrengung, ist aber nur dann erfolgreich, wenn es auf freiwilliger Basis erfolgt.” Der Beigeordnete begrüßte das Projekt mit der TU und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und das individuelle Beratungsangebot für die Lautrer Feuerwehrfrauen und -männer.

“Unsere Feuerwehrleute sind in ihrem Berufsalltag oft sehr großen körperlichen Belastungen ausgesetzt, so dass eine gute körperliche Fitness unabdingbare Voraussetzung für die Ausübung ihres Berufes ist”, erläuterte Konrad Schmitt, Direktor des Referates Feuerwehr und Katastrophenschutz. Auf seine Initiative hin war Anfang des Jahres das gemeinsame Pilotprojekt ins Leben gerufen worden, das den Auftakt für eine längerfristige Kooperation zwischen der TU und der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern bildet. “Der Auslöser zur Umsetzung der Idee war der Aufruf von Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel, die Kooperation zwischen der Stadt und der TU zu intensivieren und die Erklärung des Jahres 2009 zum Kaiserslauterer Jahr der Wissenschaft.”

Sit-up-Übungen. Foto: Stadt KaiserslauternMit Hilfe des Pilotprojektes wollte man nicht nur Abwechslung in den Sportunterricht der Feuerwehrleute bekommen, sondern auch einen Überblick über deren Fitness, erklärte der Sportbeauftragte der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern, Andreas Burchert. “Das Projekt bietet uns eine optimale Möglichkeit zu prüfen, wie fit wir sind und was verbessert werden kann!” Wie Professor Thomas Jaitner von der Arbeitsgruppe “Trainings- und Bewegungswissenschaft” erklärte, hätte er gerne die “spannende Herausforderung der Berufsfeuerwehr” angenommen. Der Wissenschaftler und seine Studentinnen und Studenten beschäftigen sich in ihrem Forscheralltag mit Sportlerinnen und Sportlern aller Bereiche, zunehmend auch mit dem Gesundheitssport.

“Bei einem Einsatz sind Feuerwehrleute durch ein hohes Zusatzgewicht ihrer Ausrüstung von rund 25 Kilogramm und ungünstige Umgebungsbedingungen, die das Tragen von Atemschutz verlangen, körperlich sehr belastet”, so Professor Jaitner. Dies führe zu einer erheblichen Beanspruchung beziehungsweise Überbeanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems und des Muskel-Skelett-Systems bei Untrainierten. So seien in den USA die Hälfte der Todesfälle im Dienst Herzinfarkte und die Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems nehmen den höchsten Anteil am Krankenstand der Feuerwehrleute ein. “Sportliche und körperliche Aktivitäten bewirken eine Erhöhung der körperlichen Fitness, eine Reduktion von Risikofaktoren und damit ein Erhalt bzw. eine Verbesserung der Einsatzfähigkeit”, meinte der Sportwissenschaftler. “Betriebssport spielt also eine wichtige Rolle!”

Neben der Erhebung des Fitnesszustandes sei aber auch die Vorstellung eines breit gefächerten und individuell auf den Einzelnen zugeschnittenen Sportangebots zum Erhalt beziehungsweise zur Verbesserung des Fitness Ziel des Pilotprojektes gewesen, ergänzte der Sportwissenschaftler. Beim Fitnesstest hatten sich rund 60 Angehörige der Wachmannschaften einer Überprüfung ihrer konditionellen und koordinativen Fähigkeiten, wie sie den Anforderungen des Feuerwehreinsatzes entsprechen, unterzogen. Orientiert am Deutschen Feuerwehrabzeichen und dem Physical Fitness Test wurden dazu sieben Übungen ausgewählt, beispielsweise der Kasten-Bumerang-Test, Standweitsprung, Sit-Ups und ein Sechs-Minuten-Lauf.

“Im Ergebnis lagen die Frauen und Männer der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern über dem Durchschnitt, bei der Übung “Rückenstrecker” waren sie etwas schwächer”, bilanzierte Professor Jaitner abschließend. Es hätte sich ein differenziertes Bild mit Stärken und Schwächen zum Fitnesszustand ergeben. Die Stärken lägen eindeutig bei den oberen und unteren Extremitäten und der Bauchmuskulatur, Schwächen dagegen zeigten die Feuerwehrleute im Bereich der Rückenmuskulatur, bei Beweglichkeit und Koordination. “Eine notwendige Stärkung der Rückenmuskulatur lässt sich beispielsweise durch Schwimmen erreichen, was zu einer Prävention und Reduktion von Rückenschmerzen führen wird”, informierte Professor Jaitner. Mit Hilfe eines breiten Angebots an “neuen” Sportarten wie Fitnesstraining, Erlebnisparcours, Ball- und Wettkampfspiele oder Tae Bo ließen sich konditionelle Fähigkeiten wie Kraft, Kondition und Beweglichkeit fördern und außerdem psychosoziale Kompetenzen und Ressourcen wie Vertrauens- und Teambildung oder Grenzerfahrungen erreichen. “Als weitere Perspektiven sind ein Ausbau des Sportangebotes mit externen Partnern und die Etablierung eines gesundheitssportlichen Beratungs- und Betreuungsangebotes mit wissenschaftlicher Begleitung von Seiten der TU angedacht”. (bf)

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