Niedersachsen: Mehr Einsätze, weniger Kräfte

Hannover –  Deutlich mehr Einsätze, weniger aktive Feuerwehrkräfte sowie weniger Feuerwehren – das ist die negative Nachricht aus dem Jahresbericht 2010 der niedersächsischen Feuerwehren. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Zahl der Frauen, die sich in den Feuerwehren engagieren, steigt ebenso, wie die Mitgliederzahlen der Kinderfeuerwehren. Innenminister Uwe Schünemann war sich bei der Vorstellung des Jahresberichtes sicher: “Der Brandschutz in Niedersachsen ist gesichert und auf die Zukunft ausgerichtet.”

Nach Angaben Schünemanns ist die Anzahl der Brände im Jahr 2010 um ein Prozent gestiegen. Die Anzahl der Hilfeleistungen sogar um rund neun Prozent. Insgesamt sei ein Anstieg der Einsätze gegenüber dem Vorjahr um rund 4,8 Prozent zu verzeichnen (von 90.636 auf 94.966).

Die Zahl der ehrenamtlichen niedersächsischen Brandschützerinnen und Brandschützer sei hingegen im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um 288 auf insgesamt 126.873 Mitglieder zurückgegangen. Bei den Frauen war ein Zuwachs um 573 auf 12.657 (12084 im Jahr 2009) zu verzeichnen. Niedersachsen nimmt nach eigenen Angaben mit einem Frauenanteil von rund zehn Prozent eine Vorreiterrolle im Vergleich zu anderen Bundesländern ein. Langfristig streben Innenministerium und Landesfeuerwehrverband an, den jetzigen Mitgliederstand der Feuerwehrfrauen im aktiven Dienst zu verdoppeln.

Acht Feuerwehren wurden landesweit geschlossen

Auch im Bereich der Kinderfeuerwehren gibt es eine positive Entwicklung: Im letzten Jahr ist die Anzahl der Kinder in den Kinderfeuerwehren um 1.952 Mädchen und Jungen auf 5.957 gestiegen. Der rasante Anstieg der Kinderfeuerwehren um gut ein Drittel von 272 in 2009 auf 377 im Jahr 2010 unterstreiche eindrucksvoll, dass alle Anstrengungen von den Trägern des Brandschutzes unternommen werden, um den Nachwuchs der niedersächsischen Feuerwehren nachhaltig zu sichern, so Schünemann. Bei den Jugendfeuerwehrleuten gab es allerdings einen Rückgang von 197 auf insgesamt 31.760 Aktive in 1.952 Jugendfeuerwehren.

Die Zahl der Ortsfeuerwehren hat sich von 3356 auf 3348 verringert – acht Wehren wurden aufgelöst. Dagegen ist die Anzahl der hauptamtlichen Brandschützer in den zehn Berufsfeuerwehren und drei hauptamtlichen Wachbereitschaften im Jahr 2010 leicht angestiegen – auf 2.110.

7 Kommentare zu “Niedersachsen: Mehr Einsätze, weniger Kräfte”
  1. Auf lange Sicht könnte diese Entwicklung allerdings zum Problem werden. Sollte die Zahl der Feuerwehren und Einsatzkräfte weiter sinken, wird dass irgendwann nicht mehr zu kompensieren sein.

    Bleibt die Hoffnung auf den Nachwuchs….

  2. @ Benny: Grundsätzlich ist das natürlich richtig!

    Nur sollte man auch bedenken, dass zum einen 8 Feuerwehren (aus welchen Gründen auch immer) aufgelöst worden sind, und dass zum anderen die Wehrpflicht entfallen ist! Da sind 288 Mitglieder bei 3356 (jetzt 3348) Feuerwehren nicht verwunderlich und wohl auch – landesweit gesehen – unproblematisch.

  3. LadderKingKarl

    Oh wie schön ist Niedersachsen! Das Land, in dem bei den Feuerwehren noch alles in Ordnung ist. Alles in Ordnung? Was, wenn man die Zahlen einmal anders liest: “Bei den Frauen war ein Zuwachs um 573 auf 12.657 (12084 im Jahr 2009) zu verzeichnen.” Glücklicherweise haben sich 573 Frauen entschlossen, die Feuerwehren in unserem Bundesland zu stärken. Ansonsten wäre die Zahl der Mitglieder nicht nur um 288, sondern sogar um 861 Aktive zurückgegangen. Nur weil die neu eingetretenen Frauen dies ausgeglichen haben, erscheint die Zahl der Austritte den Verantwortlichen noch nicht besorgniserregend.

    Aber haben wir die 126.873 Mitglieder wirklich? Wie viele “Karteileichen” schlummern denn in dieser Statistik? Wie viele dieser Mitglieder sind denn voll tauglich für einen immer anstrengender werdenden Einsatzdienst? Und wie viele dieser Mitglieder stehen auch tagsüber dem Brandschutz zur Verfügung, und nicht nur von 17 bis 7 Uhr und an den Wochenenden? Und wie viele dieser Mitglieder sind auch willens und zeitlich in der Lage, noch eine Führungsaufgabe in der Feuerwehr zu übernehmen?

    Leider vermissen immer noch viele Ehrenamtliche – nicht nur in den Feuerwehren – die jedesmal vor Wahlen und auf hochrangig besetzten Versammlungen versprochene “Förderung des Ehrenamts” – durch die Politiker, durch die Verantwortlichen in den Kreisen und Gemeinden, durch die Arbeitgeber.

    Wie Benny schon gesagt hat: Hoffentlich wird der Nachwuchs aus den Kinderfeuerwehren rechtzeitig genug erwachsen…

  4. Shasui

    Also wenn sich die Verantwortlichen auf die Kinder verlassen, dann sollten sie diese Kinderfeuerwehren aber auch unterstützen. Wir haben in diesem Jahr eine Kinderfeuerwehr in unserer Wehr gegründet und haben keinerlei Unterstützung vom Amt bekommen. Als wir das Amt ( im Land Brandenburg) um Unterstützung gebeten haben bekamen wir frech als Antwort “ihr habt doch einen Förderverein, wir haben dafür kein Geld” Seitdem kann ich solche Beiträge nur belächeln…

  5. @ Shasui: Solche Aussagen / Entscheidungen sind ärgerlich und kein guter Stil!

    Unabhängig davon finde ich aber, dass man sich auf Kinderfeuerwehren nicht verlassen sollte! In 10 oder mehr Jahren bis zur FF kann viel passieren!

  6. Wir haben ebenfalls eine Kinderfeuerwehr (auf privater basis gegründet).
    Und die Kinder dort sind sehr motiviert und mit viel Spass dabei.
    Auch mehrere Übertritte zur JF haben wir zu Verzeichnen.
    Klar, man kann nie sicher sein, ob die Kinder dabeibleiben, aber die Chancen erhöhen sich um einiges, wenn sie schon in jungen Jahren den kontakt mit der Feuerwehr bekommen.

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