Hamburg: Orientierungsjahr bei Feuerwehr

Hamburg – Wieder einmal sorgt eine Feuerwehr mit einem innovativen Projekt für Aufsehen. Unter dem Titel „KANN MANN“ soll im Herbst 2011 zum ersten Mal ein Orientierungsjahr für männliche Jugendliche starten. Mit dabei ist auch die Feuerwehr, die den Jungen nicht nur die Ausbildung zum Truppmann ermöglicht, sondern ihnen auch das Prinzip Teamgeist näherbringen will.

Eric Lemmermann (16) will bei KANN MANN mitmachen, seine Mutter unterstützt ihn dabei. Foto: BühJunge Menschen fordern Freiräume, um ihre Möglichkeiten auszuprobieren. Sie brauchen aber auch Orientierung, um den richtigen Weg ins (Berufs-)Leben zu finden. An diesem Punkt setzt das Projekt „KANN MANN“ an, das Jugendlichen eine Starthilfe für ihre berufliche und private Zukunft geben will. Neben der Feuerwehr engagieren sich auch die Flussschifferkirche und der Hafen Hamburg unter der Trägerschaft des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreisverbandes Hamburg in diesem Projekt.

„Wir suchen junge Männer, die schon mehrere Bewerbungsprozesse durch Absagen beenden mussten und nun den Eindruck haben, sie seien nicht attraktiv, nicht cool genug“, erklärt Landesfeuerwehrpastorin Erneli Martens, die die Idee für das Orientierungsjahr hatte. Nicht cool genug für die Feuerwehr? Nicht cool genug für das Leben? An dieser Stelle unterstützt „KANN MANN“.

Teamwork bei der Feuerwehr kennenlernen

Jugendliche ab 16 Jahre, mit Realschulabschluss in der Tasche und dem Willen, sich in der Feuerwehr zu engagieren, sollen innerhalb eines Jahres herausfinden, was sie können und was nicht. Sie lernen mit ihren Schwächen umzugehen und ihre Stärken auszubauen. Denn gerade die „soft skills“, also die sozialen Kompetenzen, sind heute mehr denn je gefragt. In der Schule werden diese aber meist weder gefordert noch gefördert. Auch die Feuerwehr wirkt von außen oft rau. Doch im Gegenteil: Teamwork und soziale Kompetenz machen eine Zusammenarbeit bei Einsätzen erst möglich – jeder muss sich zu jeder Zeit auf den Anderen verlassen können.

Notärztin Susanne Nissinen und Führungsdienst Ronald Bendig. Foto: BühRund um Feuerwehrpastorin Martens hat sich ein Team gebildet, das sich ehrenamtlich bei dem Projekt engagiert. So sind neben Ronald Bendig, Berufsfeuerwehrmann und Ausbildungsleiter an der Feuerwehr-Akademie, Notfallseelsorgerin Bettina Moser und Notärztin Susanne Nissinen mit dabei. Und darüber hinaus natürlich auch die Freiwillige Feuerwehr, denn für die spätere Mitarbeit als Truppmann werden die Jugendlichen im Rahmen von „KANN MANN“ geschult. So soll die Ausbildung und auch der Kauf der Ausrüstung finanziell von der Freiwilligen Feuerwehr unterstützt werden. Neben der Grundausbildung in technischer Hilfe, Brandschutz, Rettungsdienst und der Organisation der Feuerwehr Hamburg lernen die jungen Männer die wichtigsten Strukturen der Hansestadt kennen. „Das, was sonst über ein Jahr am Abend oder am Wochenende vermittelt wird, arbeiten wir in zwölf Wochen durch“, sagt Ausbildungsleiter Bendig. Ein Zusatzlehrgang in Sachen Erstversorgung rundet die Ausbildung ab. Das besondere: Gelernt und geübt wird vor allem in der „KANN MANN“-Gruppe, nicht in der Wehr. Kein alter Hase bringt komische Sprüche von der Seite. Hier starten alle gemeinsam in einen neuen Lebensabschnitt.

Über die Ausbildung zum Truppmann hinaus absolvieren die Jugendlichen im Hafen ein Drei-Monats-Praktikum und bekommen die Chance, vielleicht einen späteren Chef von sich zu überzeugen. Jeden Donnerstag können sich die Jugendlichen in der Flussschifferkirche zum Erfahrungsaustausch treffen.

Persönlichkeit entwickeln, Perspektiven schaffen

Neben der beruflichen Entwicklung gehört auch die Persönlichkeitsfindung zum Orientierungsjahr dazu. So sollen die jungen Männer durch „KANN MANN“ auch das eigene Leben mit all seinen Höhen und Tiefen in den Griff bekommen. Den Abschluss des Projektes wird schließlich eine zweiwöchige große Segelreise bilden, die Diakon Johann Peter Karnatz mit den Jugendlichen unternimmt. „Das Besondere ist das Zusammenspiel von Kirche, Feuerwehr, Wirtschaft, Firmen und privat engagierten Menschen. Hier kommen Personen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, mit verschiedenen Kompetenzen und Sichtweisen zusammen. So schaffen sie etwas Besonderes für die jungen Männer, aber auch für Feuerwehr, Kirche und nicht zuletzt für die Hafenwirtschaft. Darauf können alle aufbauen“, erklärt Karnatz stolz.

Das Beispiel zeigt: Die Feuerwehren machen sich fit für die Zukunft. Sie gehen mit neuen Ideen auch an die Mitgliedergewinnung heran. Und sie wollen Vorbild sein und einen aktiven Beitrag leisten – für unsere Gesellschaft und vor allem für junge Menschen. Gerade ihnen kann die Feuerwehr so viel mehr mit auf den Weg geben als reine Brandschutzerziehung.

Feuerwehr-ReporterEin Beitrag aus der Reihe “Dräger Feuerwehr-Reporter”. In Zusammenarbeit mit Dräger schickt das Feuerwehr-Magazin den “Feuerwehr-Reporter” auf Deutschland-Tour. Er besucht Feuerwehren vor Ort, spricht über Probleme und berichtet über spannende Einsätze oder interessante Übungen.

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