Geplante Geburtstagsfeier außer Kontrolle

Hamburg – Eine junge Hamburgerin namens Thessa wollte am Freitagabend eigentlich ganz gemütlich mit ihren engsten Freunden in ihren 16. Geburtstag hinein feiern. Wie unter jungen Leute heutzutage üblich, lud sie hierzu auf Facebook im Internet ein. Das Ganze entwickelte eine enorme Eigendynamik, am Schluss kamen geschätzte 1.500 “Gäste”. Die Feier eskalierte, so dass die Polizei und auch die Feuerwehr eingreifen mussten.

Zu einer bei Facebook eingeladenen Geburstagsfeier gerient im Hamburg-Brmfeld außer Kontrolle. Rund 1500 ungebetene Gäste kamen. Symbolfoto: Thomas WeegeSo hatte sich das junge Mädchen sich ihre Party ganz bestimmt nicht vorgestellt: Aus einer geplanten Geburtstagsfeier wurde eine krawallartige Großveranstaltung im Hamburger Stadtteil Bramfeld. Sogar mit Bussen kamen die Partywütigen aus ganz Norddeutschland herangefahren. Die Stimmung unter den meist alkoholisierten Jugendlichen geriet letztendlich außer Kontrolle. Mehrere Fahrzeuge der Hamburger Feuerwehr und Polizei standen am Siedlungsrand in Bereitstellung. Die Polizei hatte große Mühe, Herr der Lage zu werden. Flaschen und Feuerwerkskörper wurden geworfen, teilweise auf Polizeibeamte. Auch ein Kameramann wurde von Vermummten angegriffen. Die Chaoten versuchten sogar ein Gartenhaus und einen Abschleppwagen in Brand zu setzen. In einem nahegelegen See befürchteten Anwohner einen Badeunfall, worauf die Feuerwehr mit einem Schlauchboot auf den See fuhr. Plötzlich sprangen mehrere nackte Männer aus dem Wasser und flüchteten. Richtig kritisch wurde es, als eine Reiterstaffel der Polizei eingesetzt wurde. Die Stimmung und der Lärm waren für die sonst so nervenstarken Vierbeiner zu viel, sie drohten durchzugehen.

Aber warum kamen eigentlich so viele ungebetene Gäste? Ganz einfach: Thessa hatte bei ihrer Einladung vergessen, diese nur an Freunde zu richten. Durch das Missgeschick konnten alle Facebook-Nutzer die Einladung sehen und annehmen. Als sie die Einladung zurückgenommen hatte, war es schon zu spät.  Schon im Vorfeld war absehbar, dass die Gästezahl ein überschaubares Maß deutlich übersteigen würde.  Die Polizei wurde deshalb informiert, ihr Vater hatte zusätzlich sogar einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt. Thessa selbst war nicht zu der Veranstaltung erschienen.  (Symbolfoto: Thomas Weege)

16 Kommentare zu “Geplante Geburtstagsfeier außer Kontrolle”
  1. Morshu

    So was hasse ich… Unverantwortliches Handeln sorgt für vermeidbare, unnötige
    Einsätze der Feuerwehr und Polizei. Mit ein Grund, warum ich nicht bei facebook bin.

  2. TimeShift

    Ich würde an der Stelle Facebook die halbe, den Prolls, die dann angerollt sind, die andere Hälfte der Schuld geben.
    Grund: Egal, welche “Veranstaltung” man wählt, diese ist automatisch IMMER öffentlich und für JEDEN zugänglich. Egal, ob derjenige mein Freund ist oder nicht. Aber was will man von einem Amiladen auch viel anderes erwarten?

    Was ich allerdings noch viel verwerflicher finde ist die Art, wie einige Jugendliche, die wirklich nur auf Krawall gebürstet waren, hier eine Möglichkeit sahen, um eben jeen Einsatz notwendig zu machen.

    Ich sehe diese Aktion erneut als ein Totalversagen dieser von Möchtegern-SuperNannys und etlichen Politikern so geschätzten Anti-autoritären Erziehung, die dafür gesorgt hat, dass jenen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen JEGLICHER Sinn für Werte und Verhältnismäßigkeit fehlt.
    Folge: Bitte die Einsatzkosten möglichst hoch ansetzen und anteilig zur Hälfte Facebook bzw. Marc Zuckerberg persönlich, die andere Hälfte an die Krawallmacher bzw. deren Eltern.

  3. Morshu

    Gut argumentiert. Dass Veranstaltungen bei facebook praktisch immer öffentlich
    sind, wusste ich gar nicht, aber das Problem mit den angesprochenen Krawallmachern wird wahrscheinlich wieder sein, dass da keinerlei Personalien aufgenommen oder oder ermittelt wurden und wenn doch, am Ende trotzdem wieder die Steuerzahler die Zeche zahlen müssen.

    Ich persönlich halte es aber auch nicht für das Klügste, eine Geburtstagseinladung auf facebook zu veröffentlichen, aber was will man von der
    heutigen Web 2.0-Gesellschaft schon erwarten?

  4. Peter

    Thessa kann ich zu Ihrem Geburtstag nur beglückwünschen.
    Das Problem sind die Default-Einstellungen von Facebook. Und die könnten einfach eingefordert werden – für alle Online-Anbieter:
    Alle Einträge bei Onlineportalen und sozialen Netzwerken sollten beim anmelden den Status “Privat” haben. Erst durch gezielte Freigabe sollten sie öffentlich werden –> für geübte Benutzer.
    Leider widerspricht dies den Interessen der Wirtschaft (Werbung und …) und wird deshalb nie kommen.

  5. Frank

    NUr weil viele Menschen mit dem Internet nicht umgehen können und Ihre 2 Hirnzellen nicht nutzen erst mal nach zu denken, kann man meiner Meinung Facebook nicht die Schuld geben.

  6. Torben

    Ich will mich ja nicht beschweren, aber der Facebook betreiber kann ja nichts dafür, das das Geburtstagskind ihre Fete auf FC geplant hat.
    (hierbei spricht eher die ablehnung gegen Facebook aus euch)

    Die Verantwortung liegt hierbei bei den Eltern und dem Kind selbst.
    (kontrolle, was das Kind im Internet macht, etc.)
    Leider ist es so das bei sowas immer Krawallmacher kommen, diese sollten aber dann auch vom Gesetzt belangt werden, da nur diese einen solchen Einsatz der Polizei und der Rettungskräfte notwendig gemacht haben.

  7. Torben

    Laut der heutigen Zeitung, müssen die Kosten wohl von den Steuerzahlern getragen werden.
    (Quelle: Eckernförder Zeitung, 06.06.2011)

    Grund: Die Eltern hatte die Party vorher abgesagt und sind somit wohl aus der Verantwortung raus.

  8. 1. Natürlich man (oder in dem Fall die Eltern) ein Party absagen und kann dann auch nicht für die Handlungen der “Gäste” nitverantwortlich gemacht werden!

    2. Nach der Beschreibung zu urteilen, sind da Leute gezielt hingegangen um Krawall zu machen. Ich denke die haben nur irgendeinen Anlass gesucht… dafür kann man Facebook kaum verantwortlich machen!

    3. Dass Informationen, die ich nicht schütze grundsätzlich öffentlich sind, ist in vielen “sozialen Netzwerken” so, weil das wesentlicher Bestandteil des Systems ist. Im Prinzip müssten aber die Datenschutzbestimmungen verschärft werden!!!

  9. Naja, erst ne öffentliche Versammlung ankündigen und wenn schon mehr als 1000 Leute kommen, absagen – somit is man ausm Schneider – lol… ^^ Ich seh schon, wie die nächsten Demos organisiert werden und niemand is dran schuld. :/ Andererseits sind alle Menschen für die Wirtschaft doch nur irgendeine Nummer mit einem bestimmten (Ernte)einkommenswert – das System läuft sowas von selbständig, selbst wenn die Logik sagen würde “ich mach ein Portal, welches am Anfang privat ist”, sagt die Wirtschaft “nein, du musst die stetig wachsenden Support- und Serverkosten tragen, außerdem willst du Profit machen” – deshalb IPv6, damit auch der letzte Trottel weiß, dass er im Internet nicht anonym ist. Ab dann wird mit unseren Daten nur noch stärker Handel getrieben und fertig – die Wirtschaft floriert, direct marketing für jeden – ob man will oder nicht. Kurz gesagt: Schaut euch die Entwicklung derzeit an und denkt nach, wo sie hinführt, anstelle wie der Frosch im Wasser zu warten, bis er gekocht ist…

  10. Ich würde es mir nicht so einfach machen zu sagen, nach einer Absage ist man fein raus! Nur kann doch eigentlich niemand ernsthaft glauben, dass eine völlig unbekannte 16-jährige tatsächlich “die ganze Welt” zu ihrer Geburtstagsfeier einladen wollte!

  11. Was ist aus den guten, alten Einladungskarten geworden??? Oder, man kann sogar eine verbale PERSÖNLICHE Einladung aussprechen… Aber die Kids reden ja heut nicht mehr miteinander. Siehe Projekt, 1 Woche Handyfrei für einen Tag Kletterwald. Es fehlte eigentlich nur noch, das Kids in die Klinik gebracht werden mussten, zum Entzug….

  12. Torben

    Gerade in die Zeitung geguckt!
    In Ahrensburg hat ein 17. jähriger über Facebook zu einer öffentlichen party (seinem 18. geburtstag) eingeladen.
    Etwa 4000 Leute werden erwartet.

    (Quelle: Eckernförder Zeitung 09.06.2011)

  13. Morshu

    @sueder80: Nicht nur da… In England hat es einen Fall gegeben und in Deutsch-
    land auch ein paar, neben dem hier.
    @Nici: Meine Meinung.

  14. Ich finde es auch unmöglich. Ich bin jetzt 17 und habe die letzten 17 Jahre auch ohne den Schrott überlebt. Man kann ja zu nem Geburtstag persönlich einladen (E-Mail, SMS, per Telefon) dann hat man hinter her auch keine 15 Hundert Gäste dastehen.
    ICh finde diese ganzen sozialen NW´s an sich unmöglich.

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