Feuerwehrverband stimmt Wehrschließung zu

Bremen – Am Donnerstagabend hat der Landesfeuerwehrverband Bremen für eine neue Struktur seiner freiwilligen Feuerwehren und somit auch für die Schließung einer Einheit gestimmt. 77 Prozent der Delegiertenversammlung sprachen sich für die Neustrukturierung aus, die für die Feuerwehr St. Magnus aus dem Bremer Norden keine Zukunft vorsieht. Nur 14 Prozent stimmten dagegen, neun Prozent enthielten sich. Mit diesem klaren Votum der Feuerwehren liegt es nun an der Politik, dieses Konzept in die Tat umzusetzen.

Heiße Diskussionen in den Beiräten der Stadt und in den Ausschüssen des Landesfeuerwehrverbandes gingen dieser Abstimmung voran. Doch letztendlich sprachen sich Bremens Feuerwehren für das Konzept, befürwortet und gefordert durch Innensenator Ulrich Mäurer, aus.

“Ich habe in vielen Gesprächen gelernt, wie die freiwilligen Feuerwehren in Bremen funktionieren”, erklärte der Senator auf der Delegiertenversammlung. “So war es ein sehr mühsamer Prozess, dieses Konzept zu entwickeln. Wir haben zahlreiche Gespräche geführt und immer die Verantwortlichen der Feuerwehren mit in unsere Planungen einbezogen.”

Für die FF St. Magnus steht am Ende dieses Prozesses vermutlich auch das Ende ihrer 98-jährigen Wehrgeschichte. „Wir haben vor zehn Jahren um den Erhalt der FF St. Magnus gekämpft und wir haben dies auch im Zuge dieses Konzeptes getan. Aber da es um die Zukunft aller freiwilligen Feuerwehren in Bremen ging, mussten wir auch Zugeständnisse machen“, sagte Detlef Scharf, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes (LFV). „Die Diskussionen waren seitens des LFV in keiner Phase politisch geprägt, sondern ausschließlich auf die Struktur aller Wehren in Bremen ausgerichtet.“

Senator Mäurer stellte aber auch klar, wie wichtig ihm ein Verbleib der Kameraden aus St. Magnus in der Feuerwehr ist. “Wir möchten diese Freiwilligen nicht verlieren und hoffen sehr, dass sie in den umliegenden Wehren ihre engagierte Arbeit fortsetzen können”, betonte der Innensenator.

Alte Fahrzeuge koninuierlich bewerten. Foto: Daniel Günther
Zum Konzept der freiwilligen Feuerwehren in Bremen gehört auch, alte Fahrzeuge regelmäßig auszutauschen. Foto: Daniel Günther

Der Landesfeuerwehrverband erklärt die Bedeutung der Entscheidung wie folgt: Für die ehrenamtlichen Wehren bietet das Konzept ein verlässliches strukturelles Gerüst. So müssen beispielsweise die Fahrzeuge an allen Standorten bewertet und Ersatzbeschaffungen ermöglicht werden. Genauso verhält es sich mit den Gerätehäusern der Feuerwehren, die kontinuierlich begutachtet werden müssen. Auch die Mannschaftsstärken und Anforderungen zur Durchführung von Jugendarbeit sind in dem Konzept festgeschrieben.

„Solch einen Leitfaden hat es für die freiwilligen Feuerwehren noch nie gegeben. Er ermöglicht ihnen Forderungen auf einer politischen Grundlage zu formulieren, definiert aber auch einen Mindestanspruch an die Wehren“, sagt Marcus Schleef, stellvertretender LFV-Vorsitzender und Bereichsführer der freiwilligen Feuerwehren.

Feuerwehren in drei Kategorien eingestuft

Nach dem Konzept werden die Wehren in Schwerpunktfeuerwehren, Feuerwehren mit erweiterter Grundausstattung und Feuerwehren mit Grundausstattung unterteilt. Nutznießer dieser Neustrukturierung wäre die FF Lehesterdeich. Die Wehr zeigt akuten Handlungsbedarf an ihrem Standort auf. Das Gerätehaus ist baufällig. Doch im Gegensatz zur FF St. Magnus hat diese FF eine Perspektive. Sie soll als Schwerpunktfeuerwehr für den Osten aufgebaut werden, inklusive neuem Feuerwehrhaus. „Wir brauchen diese Feuerwehr als starke Einheit in dem Einsatzgebiet“, erklärt Karl-Heinz Knorr, Leitender Branddirektor der Feuerwehr Bremen. „Die dringend notwendigen Investitionen für den Standort Lehesterdeich konnten wir nicht einfordern, ohne an anderen Stellen Zugeständnisse zu machen“, verdeutlicht Schleef.

Aber warum wird eine Wehr geschlossen und die andere bekommt ein neues Gerätehaus? Die Erklärung des LFV lautet: Einerseits ist das Feuerwehrhaus St. Magnus im Dachbereich dringend sanierungsbedürftig. Die Kosten würden sich auf über 200.000 Euro belaufen. Zudem nimmt die Wehr sowohl vom Standort, umgeben von drei einsatzstarken Einheiten, als auch von der Mannschaftsstärke keine unverzichtbare Stellung in der alltäglichen Gefahrenabwehr ein. Die anderen freiwilligen Feuerwehren im Bremer Norden hingegen spielen durch Sonderaufgaben oder ihre einsatztaktisch wertvollen Standorte eine wichtige Rolle.

Den einsatztaktischen Wert und auch die stetig steigende Mannschaftsstärke der Lehesterdeicher geben den Ausschlag für eine Aufwertung dieser freiwilligen Feuerwehr. Jetzt entscheiden Bremens Politiker, mitten im Wahlkampf, über die Zukunft ihrer freiwilligen Feuerwehren. Der Landesfeuerwehrverband hat seine Vorlage gegeben.

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