Feuerwehrsprecher: Löschboot geht außer Dienst

Hamburg – Die Nachricht platzte direkt in den laufenden Einsatz beim Großbrand im Hamburger Hafen: Die Feuerwehr Hamburg muss ein Löschboot außer Dienst stellen. Statt, wie bisher, jeweils ein Löschboot der Feuer- und Rettungswache 11 (Innenstadt) und der Feuer- und Rettungswache 31 (Harburg) rund um die Uhr vorzuhalten, soll künftig nur noch das Harburger Löschboot diesen Status halten. “Das Löschboot der Wache Innenstadt wird nicht abgeschafft, es wird weiterhin einsatzbereit gehalten, aber es kann nicht mehr besetzt werden”, erklärte Pressesprecher Manfred Stahl gegenüber Feuerwehr-Magazin-Mitarbeiter Timo Jann. Schon in vier Wochen soll das Boot außer Dienst genommen werden. Mit der verantwortlichen Innenbehörde sei das abgesprochen, so Stahl.

Auch die Sondereinsatzgruppe (SEG) Taucher und ein Wechselladerfahrzeug (WLF) der in der Metropole einmaligen Technik- und Umweltwache (F 32, Wilhelmsburg) stehen auf der Liste der Einsparungen. Hintergrund: Das Personal wird dringend für andere Aufgaben in den Löschzügen benötigt. Ein Ende 2012 veröffentlichtes Strategiepapier für die künftige Ausrichtung der Feuerwehr Hamburg hatte aufgezeigt, dass es in der Hansestadt für die benötigten Funktionen auf den Löschzügen zu wenig Personal gibt. Weil es bei Einsätzen der Löschboote oder der Taucher immer zu Einsätzen der eigentlich in den Löschzügen benötigten Feuerwehrleute kommt, klaffen dann in den Besatzungen der Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeuge (HLF) oder der Rettungswagen immer Lücken. Im Klartext: Wenn die Berufsfeuerwehrleute der Wache Innenstadt mit dem Löschboot ausrücken müssen, ist ihr HLF unterbesetzt.

Stahl: “Natürlich ist ein Löschboot weniger immer eine Reduzierung der Sicherheit.” Doch man habe Prioritäten setzen müssen, so Stahl, und die sehe man eher bei schnelleren Einsätzen bei kritischen Wohnungsbränden als im Hafen. (Foto: Timo Jann)

In Feuerwehr-Magazin-Ausgabe 12/2012:

  • Interview mit Hamburgs Feuerwehrchef Klaus Maurer zum Strategiepapier und seinen Folgen

 

14 Kommentare zu “Feuerwehrsprecher: Löschboot geht außer Dienst”
  1. Moinmoin

    Na ja, Hauptsache, man baut eine Elbphilharmonie für eine 3/4 Milliarde Euro , da kann man ruhig mal auf ein bisschen Sicherheit verzichten

  2. Andreas Schmidt

    In anderen Städten besetzen in der Zeit Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren die Fahrzeuge und stopfen die entstandenen Lücken. Das ist schon ein Armutszeugnis der Hamburger Feuerwehr und die Kapitulation gegenüber der Politik.

  3. Bin mal gespannt, wie sie die Taucher vorenthalten wollen, unfassbar… Dann sollte man den Einstellungstest vielleicht ein wenig runterschrauben, dann klappt es auch.

  4. Senfdazu

    Vllt. den Rettungsdienst anderen Organisationen überlassen ?
    Dann wär Personal frei. Aber Rettungsdienst bringt Geld … .

  5. Olli S.

    Erst der tote Junge in der Alster, und kurz danach eines der größten Schiffsbrände im Hafen. Aber Hamburg braucht keine Taucher oder Löschboote aber einen Megabau in der Speicherstadt (Elb…)

  6. Das wäre auch wieder ein zweischneidiges Schwert! Vielleicht könnte man auch ein paar Dinge bei der FF umstrukturieren? Ich weiss nicht; Einsatzgebiete verändern, Alarmierungsmodelle ändern etc? Das liegt allerdings in der Verantwortung der Wehr- und Bereichsführer, weil die wissen, was man von den einzelnen Wehren abverlangen kann! Z.B.: warum wird eine FF, die im Tagesgeschehen einsatzbereit ist, nicht alarmiert und stattdessen ein 2er HLF in die Wallachei geschickt? Oder; eine zweite benachbarte FF nicht zu einem Kellerbrand alarmiert, um die BF mal zu entlasten??? Das sind nur zwei Beispiele von vielen! Ich denke, da könnte man ansetzen! Dies sind allerdings nur Mutmaßungen, da ich in dem taktischen Denken der Verantwortlichen nicht mithalten kann!

  7. Die Taucher wird eine Feuerwehr wie Hamburg wohl nicht abschaffen können. Das wäre ein Witz. Das Löschboot find ich jetzt halb so schlimm. Wei es im Text beschrieben wird, wird es ja nicht abgeschafft, sondern nur nicht sofort besetzt.

  8. BRA a.D.

    Die Metropole wächst ständig weiter, Ausbau der Hafencity, neues Musicaltheater, Wohnungsneubauten in der ganzen Stadt, um einige wenige zu nennen, die Berufsfeuerwehr wird kaputtgeschrumpft. Das passt nicht zueinander. Versäumnisse in der Politik und Führung der Feuerwehr haben dafür gesorgt das es zu diesen katastrophalen Zuständen kommt, die Frauen und Männer im Dienst müssen das auf Kosten ihrer Gesundheit ausbügeln. Wen wundert´s das kein Nachwuchs zu ködern ist. Ich wünsche es keinem, aber wer übernimmt die Verantwortung wenn Menschen ihr Leben lassen müssen weil in der Politik der krankhafte Sparzwang Vorang hat. Die Führung der Feuerwehr Hamburg hat die Verantwortung mit Vorlage des Strategiepapiers abgelegt und in die Hände der Politik gelegt, nur die Umsetzung findet nicht statt. Ich hoffe ihr Politiker in Hamburg habt ein starkes Rückrat wenn es zu einer Katatstrophe kommt….

  9. · Pascal Kraembring via Facebook sagt:
    3. Mai 2013 um 11:08
    Bin mal gespannt, wie sie die Taucher vorenthalten wollen, unfassbar… Dann sollte man den Einstellungstest vielleicht ein wenig runterschrauben, dann klappt es auch.
    · Senfdazu sagt:
    3. Mai 2013 um 11:48
    Vllt. den Rettungsdienst anderen Organisationen überlassen ?
    Dann wär Personal frei. Aber Rettungsdienst bringt Geld … .

    Zu 1:
    In Springer-Besatzung, sowie bestimmte Wasserrettungsaufgaben der – viel belasten – FF übergeben. (Beispiel siehe Feuerwehr Stuttgart)

    Zu 2. Das wäre allgemein eine Idee aber dafür sollte es entsprechend auch passende Punkte geben;)

    Zu 3. Möchte Hamburg nicht, da der RD ein fester Bestandteil ist und auch Geld fließen lässt, meines Wissens nach – Auch wenn nur Notfallrettung…

    Z.B.: warum wird eine FF, die im Tagesgeschehen einsatzbereit ist, nicht alarmiert und stattdessen ein 2er HLF in die Wallachei geschickt? Oder; eine zweite

    Hier die Anmerkung, der grossteil der Freiwilligen Feuerwehren sind nur 16-6Uhr Einsatzbereit, weil sie eben nicht mehr wie 11 Feuerwehrleute hinbekommen.. meistens ist das erste LF mit Staffel und das 2 gerade noch so knapp – wenn es überhaupt zum ausrücken kommt… zumal viele Ffen div. Sonderaufgaben übernehmen müssen auch kein Kinderspiel (Warum klaut man auch dem THW die Aufgaben weg?)

    Irgendwann wird es gebraucht-und dann?

    Durch freie BF-Kräfte besetzten lassen….. freut sich auch keiner…

    Hamburg steckt im Personalproblem und leider auch sehr groß…..

  10. V.Clemens

    @Timo: hab da was im Hinterkopf, das in Hamburg bis 2018 ca. 600 zusätzliche
    Stellen (~ 120 Funktionen) neu geschaffen werden sollen. dann ist doch wieder genügend Personal da? Oder hab ich das falsch verstanden?

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte dich auch interessieren: