Explosiv: Polizei stoppt “rollende Bombe”

Deggendorf (BY) – Der Aufmerksamkeit von Beamten des Plattlinger Zolls ist es zu verdanken, dass am Nachmittag des Dienstag auf der A 3 ein Lkw mit erheblichen Mängeln aus dem Verkehr gezogen werden konnte, der 16 Tonnen Sprengstoff geladen hatte. Die Polizei, die erst am Freitag über den Vorfall berichtete, spricht von einer “rollenden Bombe”, die auf dem Weg nach Schweden die gesamte Bundesrepublik durchqueren sollte.

Die Zöllner der Kontrolleinheit Verkehrswege Plattling hatten den rumänischen Kühl-Sattelzug zollrechtlich überprüft. Nachdem diese Kontrolle ohne Beanstandungen verlief, verständigten die Beamten aber trotzdem ihre Kollegen von der Verkehrspolizeiinspektion Deggendorf, da die Ladung des Lkw ungesichert erschien. Die Spezialisten des Gefahrguttrupps untersuchten das Fahrzeug penibel genau und kamen zu einem “nachdenklich machendem” Ergebnis.

Feuerwekräfte vor dem betroffenen Lkw. Foto: PolizeiDie beiden rumänischen Fahrer waren zwar in die Transportvorschriften für Sprengstoff unterwiesen, konnten aber keinen Befähigungsnachweis zum Umgang mit dem hochbrisanten Transportgut vorweisen. Bei den 16 Tonnen Transportgut handelte es sich um Sprengstoff eines Typs, der im Bergbau verwendet wird und der als massenexplosionsfähig beschrieben ist. Auf dem Lkw waren davon 640 Versandstücke auf Paletten gepackt. Brisant wurde die Ladung auch dadurch, dass nach Erkenntnissen der Polizeiexperten der Sprengstoff bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte auch erschütterungsempfindlich ist.

Zudem wurde festgestellt, dass die Ladung auf dem Sattelauflieger nicht durch Antirutschmatten gesichert war und sich die Paletten aufgrund der beförderungsbedingten Vibrationen bereits aufeinander zubewegt hatten. Auch die elektrischen Anforderungen an das Transportfahrzeug genügten nicht den Anforderungen bzw. waren sogar gefährlich. So ist bei solchen Transporten ein unbeabsichtigter Funkenschlag durch die elektrische Anlage absolut zu vermeiden, bei dem rumänischen Lkw war aber z. B. die Stromführung der seitlichen Begrenzungsleuchten nicht ausreichend isoliert und der Draht zu einem Batterietrennschalter am Hänger nur notdürftig repariert, nämlich nur mit den Fingern zusammengedreht.

Weiterhin führte das Fahrzeug zu wenige Spannbaken für die Ladefläche mit, die orangefarbenen Warntafeln außen am Lkw entsprachen nicht den Vorschriften und die Feuerlöschausrüstung war nicht vorschriftsmäßig. Zudem war an dem Lkw vorne eine Bremsscheibe gerissen.

Blick auf den Sprengstoff auf der Ladefläche. Foto: PolizeiDas Fahrzeug wurde zu einem Spezialbetrieb im Landkreis Deggendorf begleitet und hier zunächst gesichert abgestellt; das Landratsamt Deggendorf als Sicherheitsbehörde wurde unterrichtet. Am Donnerstagnachmittag lief dann die angeordnete Umladung der gefährlichen Ladung an. Neben den Gefahrgutfachleuten der Polizei waren auch mehrere Feuerwehren des Landkreises Deggendorf vor Ort, die die Aktion sicherten. Die Aktion verlief allerdings auch nicht problemlos, da die Beamten vor Ort auch an dem Ersatzfahrzeug sowohl eine gerissene Bremsscheibe und am Anhänger kleinere technische Mängel feststellten, die zunächst behoben werden mussten. Die Umladungsaktion konnte letztlich erst gegen 18 Uhr abgeschlossen werden.

Beide Lkws konnten nach Kontrolle der vorschriftsmäßigen Sicherung des Sprengstoffes und Reparatur der Fahrzeugschäden am Freitagmorgen weiterfahren. Die beiden Fahrer und die Transportfirma werden wegen der Verstöße angezeigt. Eine akute Gefahr für die Bevölkerung ging von dem Lkw zu keiner Zeit aus, teilte die Polizei mit.

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