Einsatzbereitschaft: Alarm im Kreis Görlitz

Weißwasser (SN) – Im Kreis Görlitz schrillen die Alarmglocken. Der Anlass sind die desaströsen Aussichten auf die Einsatzfähigkeit der freiwilligen Feuerwehren . Von 32 Ortsfeuerwehren sind 27 tagsüber nicht einsatzbereit. Besonders problematisch ist im Einsatzfall die Besetzung der Funktionen für Atemschutzgeräteträger, Maschinisten und Gruppenführer. Auf der ersten Regionalkonferenz “Zukunft Brandschutz” wurde die Problematik ungeschönt dargestellt.

Vielerorts bahnen sich massive Probleme bei der Tagesalarmsicherheit der freiwilligen Feuerwehren an. Im sächsischen Kreis Görlitz ist die Lage schon heute dramatisch. So dramatisch, dass man beim Betrachten der statistischen Zahlen sich kaum vorstellen kann, wie der Brandschutz dort überhaupt noch sichergestellt wird. Gerd Preußing, Wehrleiter der Feuerwehr Weißwasser, hat alle Zahlen und Fakten zusammengetragen und sie auf der Regionalkonferenz im Rathaus Weißwasser den Anwesenden Politikern und Führungskräften präsentiert.

Tagsüber dramatisch wenig Kräfte verfügbar

Als Gründe für die desolate Situation nannte Gerd Preußing einleitend den Strukturwandel in der Region, hohe Arbeitslosigkeit, Wegzug besonders von jungen Einwohnern, Ausdünnung des Schulnetzes und die beginnende Überalterung der Bevölkerung. Auch die Änderung des Einsatzspektrums listete Preußing hier mit auf.

Von 711 Einsatzkräften sind tagsüber im Altkreis Weißwasser nur 147 tagsüber verfügbar. Auf gerade einmal 59 Atemschutzgeräteträger  kann die Wehr zwischen sechs und 18 Uhr zurückgreifen. Wenn man die Feuerwehrverordnung Sachsens streng auslegt, dann sind 25 der 32 Ortswehren überhaupt nicht einsatzbereit. Der Blick auf die Mitgliederzahlen der vergangenen fünf Jahre lässt auch keinen Platz für Hoffnung auf Besserung.

Ideen, wie es besser laufen kann

Der Wehrführer sang aber nicht nur sein Klagelied. Den traurigen Zahlen folgte eine Liste Ideen, wie man die Sicherstellung des Brandschutzes auch in Zukunft gewährleisten will. Eine Unterstützungsgrupe aus hauptamtlichen Kräften soll binnen einer Minute tagsüber mit Mindestens einer Staffel ausrücken und die Ortsfeuerwehren unterstützen. Durch die kurze Ausrückezeit, könnte auch überörtlich schnelle Hilfe geleistet werden. Die Staffel aus hauptamtlichen Kräften soll mindestens mit vier Atemschutzgeräteträgern ausrücken und den Einsatzleitern aus dem Umlandwehren eine planbare und zuverlässige Einheit garantieren. Bei der Feuerwehr Weißwasser sind jetzt schon hauptamtliche Feuerwehrleute beschäftigt. Zur Stärkung der Tageseinsatzbereitschaft sollen auch Verwaltungsmitarbeiter  beitragen.  Am flächendeckenden System des Ehrenamtes will man aber festhalten.

Gemeinsame Bedarfsplanung soll helfen

Um den Brandschutz und auch die Technische Hilfeleistung regional zukunftssicher aufzustellen, soll eine gemeinsame Bedarfsplanung der Gemeinden in Weißwasser erfolgen. Bestehende Brandschutzbedarfspläne sollen in diese Planung einfließen. So soll auch der Verwaltungsaufwand für die örtlichen Führungskräfte reduziert werden. Einige Aufgaben, wie zum Beispiel Beschaffungen, sollen gemeinsam geplant und durchgeführt werden. Auch diese Form der Kräftebündelung soll Entlastung schaffen.

Die mahnenden Worte des Wehrführers wurden durch eine Präsentation des Regionalen Planungsverbandes Oberlausitz-Niederschlesien untermauert. Ein Demographie-Projekt hat dort eine ähnliche Situation bescheinigt und Empfehlungen für die Akteure in der Region ausgesprochen. Auch der Verband empfiehlt die Stärkung des Ehrenamtes durch Entlastung, Zusammenarbeit und intensiver Mitgliederwerbung. Auch die Einrichtung von Stützpunktfeuerwehren mit hauptamtlichen Kräften wird als mögliche Strategie angesehen. (Symboloto: Christian Patzelt)

7 Kommentare zu “Einsatzbereitschaft: Alarm im Kreis Görlitz”
  1. Ich sehe das Problem eher bei der Landwirtschaft. Früher waren es vor allem die Bauern/ Landwirte, die in der örtlichen Feuerwehr waren, da sie sich in der Regel immer in der Nähe des Magazins befanden. Heutzutage gibt es aber immer weniger Landwirte, aus verschiedenen Gründen. Die meisten ziehen weg um eine bessere Lebensperspektive zu hahben. Daher denke ich dass die einzige Möglichkeit sein wird, zum einen wie oben schon beschrieben ein paar zentrale Stützpunke von hauptamtlichen Kräften aufzubauen, aber auch mehr Frauen (z.B. klassische Hausfrauen) in den aktiven Dienst zu bekommen. Leider stößt aber aber genau diese Sache (Frauen in der Feuerwehr) leider immer noch oft auf taube Ohren, vor allem in den sehr traditionellen Orten. Dazu kommen immer wieder Probleme mit Arbeitgebern und geizigen Versicherungen, die Unfälle im Übungs- und Einsatzdienst nicht übernehmen wollen, welche abschreckend auf mögliche neue Kräfte wirken.

  2. Robert der Gesegnete

    @Corn
    “aber auch mehr Frauen (z.B. klassische Hausfrauen) in den aktiven Dienst zu bekommen.”

    Meine Hausfrau passt auf meine zwei Kinder auf. Die schicke ich doch nicht zum brennenden Gefahrgut LKW auf die Autobahn. Leute lasst die Kirche im Dorf. Was Männerarbeit ist soll es auch bleiben. Oder wie sollen meine Kinder ohne Mama aufwachsen???

  3. @Robert:

    Aber es wäre nicht so schlimm, wenn deine Kinder ohne Vater aufwachsen?
    ich glaube kaum, dass du hier wirklich objektiv bist.
    Feuerwehrarbeit ist nicht Männerarbeit, es ist Arbeit. Ob von Mann oder Frau ist doch absolut nebensächlich! Gerade wegen solchen Anschauungen, werden vielerorts die FF’s ausgedünnt.

    Die Kinder haben eine Schulpflicht, die sie einzuhalten haben und die Eltern sicherzustellen haben und wenn die familie sich das leisten kann, dass z.B die Mutter daheim bleibt, dann ist es doch gut, wenn Sie in der Zeit, wo sie ihre Kinder wohlwissend alleine lassen kann (aufgrund des Alters oder wenn sie nicht da sind), einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgeht und unsere Gesellschaft und ihre Mitbürger schützt.

    Frauen an den Brandherd !
    Und natürlich NUR, wenn dabei die hoheitlichen Pflichten der Aufsicht nicht gefähredet werden. (Siehe Rechte & Pflichten der Feuerwehrkameraden)

  4. @Robert der Gesegnete

    Aber für Dich völlig ungefährlich ?
    Was soll Deine Frau machen ohne Vater mit zwei Kindern ??

    Auch Hausfrauen erhalten heutzutage schon eine grundlegende Ausbildung bei der Feuerwehr bevor sie zum Einsatz gehen (dürfen).

    Achso Männerarbeit: Es gibt tatsächlich schon Wehrleiterinnen.
    Ansosten schau Dich mal um in der Arbeitswelt.
    Willkommen im 21. Jahrhundert.

  5. Peter Lamaack

    Die Einbindung von Frauen in den Bereich der Frewilligen Feuerwehren ist ja nun wirklich nichts Neues mehr.
    “Landflucht” führte bereits vor über zwanzig Jahren dazu, daß immer mehr Frauen in ländlichen Gegenden von sich aus die Initiative ergriffen.
    Anfänglich belächelt und sicher auch heute noch -gemessen am Frauenanteil in der Bevölkerung- in der Minderzahl, haben sie hinlänglich gezeigt, daß sie alles können wie auch Männer.

    Selbst das Problem der Kinderbeaufsichtigung (für mich ist das auch Männerarbeit und keine Frauendomäne!) wurde da gelöst:
    bei einem Alarm eilen alle Frauen mit ihren kleinen Kindern zum Gerätehaus.
    EINE Frau bleibt im Gerätehaus zurück und übernimmt die vorübergehende “Aufsicht”.
    Wenn Bambinigruppen und die Jugendfeuerwehr Mädchen ausschliessen würden, wäre der gesellschaftliche Aufschrei zu Recht riesig.
    Jugendfeuerwehren sind nach wie vor der Nachwuchspool der FF

  6. @ Peter Lamaack: Das sehe ich nicht ganz so. Klar gibt es immer mehr Wehren die auf solche Lösungen durch die Not kommen. Aber ich glaub dass ist eine krasse Minderzahl um ehrlich zu sein. Ich denke dass ein grundsätzliches Umdenken von nöten sein wird. Es gibt zu viele solche Vorurteile aus der alten Zeit.
    Außerdem, ja es ist nichts neues, aber komischer Weiße ändert sich trotzdem nicht viel daran.

  7. Herbert Gaiser

    Ehrenamt nein Danke! Die ständige Gängelei der Behörden (Fiskus)Übertriebene nicht nachvollziehbare Ausbildungs und Dienstvorschriften, Keine Unterstützung
    vom Arbeitgeber alle diese Gründe haben mich bereits vor zwanzig Jahren bewogen meine Uniform an den Nagel zu hängen. Ich habe es bis Heute nicht bereut.
    Freiwillige Feuerwehr ist ein Auslaufmodell,auch wenn es viele noch nicht wahrhaben möchten.Steigende Energiekosten beschleunigen die Landflucht in den nächsten Jahren vom Hunsrück bis Brandenburg so schnell das der Bevölkerungs Durchschnitt auf dem Land bis 2016 auf 60 bis 70 Jahre ansteigen wird.Die Politik wird auch diesen Trend verschlafen. Ein höheres Dienstalter auf 85 Jahre wäre eventuell eine kurzfristige Lösung,da das Renteneintrittsalter sowieso erhöht wird.

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