Ehrung für “Paulinchen”

Norderstedt (SH) – Am 7. Dezember, dem bundesweiten Tag des brandverletzten Kindes”, wurde dieses Jahr die Initiative für brandverletzte Kinder “Paulinchen e.V.” für ihr Engagement ausgezeichnet. Während der Preisverleihung kamen auch Opfer, Angehörige und Ärzte zu Wort. Sie schilderten ihre Erlebnisse und Erfahrungen.

“Es geht mir heute gut”, erklärte Luisa Wegener am Mittwoch vor 80 Gästen in der Aula des Norderstedter Gymnasiums. Das war nicht immer so: Als Zweijährige hatte die Jugendliche schwere Verbrühungen erlitten. Damals war sie auf einen Hocker geklettert, um ihrem Vater zuhause in der Küche dabei zuzusehen, wie er einen neuen Trinkbecher auskochte. “Dabei habe ich das Gleichgewicht verloren, bin gefallen und habe mich an meinem Papa festgehalten und den Topf vom Herd gerissen”, berichtete Luisa am Mittwochmittag. Der Topf mit dem kochend heißen Wasser traf das kleine Mädchen und verbrühte ihr den rechten Arm und den Oberkörper.

Adelheid Gottwald (rechts) und Anneliese Stapelfeldt (links) nahmen für "Paulinchen e.V." den Preis "Ausgewählter Ort" im Rahmen des Wettbewerbs "365 Orte im Land der Ideen" in Empfang. Foto: Timo Jann
Adelheid Gottwald (rechts) und Anneliese Stapelfeldt (links) nahmen für "Paulinchen e.V." den Preis "Ausgewählter Ort" im Rahmen des Wettbewerbs "365 Orte im Land der Ideen" in Empfang. Foto: Timo Jann

Dass es Luisa heute, rund zehn Jahre später, so gut geht, ist auch der Initiative für brandverletzte Kinder, “Paulinchen e.V.” zu verdanken. Hier fanden Luisas Eltern Hilfe, bekamen Kontakt zu einer Spezialklinik, erhielten Trost. “Paulinchen hat mir und meinen Eltern sehr geholfen”, sagte Luisa und machte damit deutlich, welche besondere Aufgabe die Initiative unter Vorsitz von Adelheid Gottwald und ihrer Stellvertreterin Anneliese Stapelfeldt hat. Grund genug, “Paulinchen” mit dem Preis als “Ausgewählter Ort” im Rahmen des Wettbewerbs “365 Orte im Land der Ideen” auszuzeichnen. Ein Preis, der auf Initiative des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler 2006 ins Leben gerufen wurde.

Behandlung brandverletzter Kinder hat sich verbessert

In einer Feierstunde vor geladenen Gästen haben Adelheid Gottwald und Anneliese Stapelfeldt die Ehrung am Mittwochmittag erhalten. Anlass war der “Tag des brandverletzten Kindes”, der am Mittwoch nach der erfolgreichen Premiere 2010 bundesweit zum zweiten Mal begangen wurde. Ziel von “Paulinchen” ist es, Schicksale wie das von Luisa und ihren Eltern durch Präventionsmaßnahmen möglichst zu vermeiden. Sollte dennoch ein Unfall mit Brandverletzungen oder Verbrühungen passieren, stehen die Vereinsmitglieder den Betroffenen zur Seite. Eine Jury aus 20 Mitgliedern hatte die Initiative deshalb im Rahmen des Wettbewerbs als Preisträger ausgewählt. Mehr als 2.600 Bewerbungen waren eingegangen. “Sie haben mit ihrer Initiative die Herzen der Menschen berührt”, zollte Peter Butzkies von der Deutschen Bank, dem Hauptsponsor des Preises, den Vereinschefinnen in seiner Laudatio Respekt.

Auch Bettina Bonde, Staatssekretärin im Kieler Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit, kam zur Preisverleihung, um Adelheid Gottwald und Anneliese Schmidt für deren Engagement zu danken. Sie erinnerte daran, wie der Verein zu seinem Namen gekommen war: Paulinchen ist eine Figur im Kinderbuch “Struwwelpeter” des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmannaus dem Jahr 1845. Sie konnte es nicht lassen, mit Streichhölzern zu spielen. “Auch über 160 Jahre nach Struwwelpeter ist das Thema wichtig. Der Verein gibt dazu wertvolle Hinweise”, sagte die Staatssekretärin. “Paulinchen ist ein tolles Beispiel. Unsere Gesellschaft lebt vom Engagement der Menschen.” Sie wünsche sich, dass sich noch mehr Mitstreiter und Unterstützer für die wichtige Aufgabe der Initiative finden.

Verbrühungen durch eine Tasse Cappuccino

Wie schnell etwas passieren kann, zeigt ein zweiter Fall, den eine betroffene Mutter während der Feierstunde schilderte. Am Ostersonntag vor acht Jahren hatte ihr damals ein Jahr alter Sohn eine Tischdecke vom Tisch gezogen und sich mit heißem Cappuccino, der frisch auf den Tisch gekommen war, verbrüht. Anschließend erlebte sie die Hilflosigkeit der Kliniken und Ärzte mit, fand schließlich bei “Paulinchen e.V.” Hilfe. Im Gegenzug hilft sie jetzt dem Verein, sein Anliegen weiter zu tragen.

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Professor Dr. Peter Mailänder, plastischer Chirurg an der Uniklinik in Lübeck, berichtete, wie sich die Behandlung brandverletzter Kinder auch dank des Einmischens des Vereins verbessert habe. “Paulinchen hat das Bewusstsein geschaffen, dass interdisziplinär gearbeitet wird”, erklärte Mailänder. Das wäre nicht immer so gewesen und sei auch heute, wo aufgrund der knappen Finanzmittel ein harter Konkurrenzkampf toben würde, nicht leicht. “Es ist ein Erfolg”, so der Chirurg, “dass sich die Ärzte heute auch um die Nachbehandlung Brandverletzter kümmern.” (Text/Foto: Timo Jann)

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