Navigation im Innenangriff

Siegen (NW) – Der Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Universität Siegen ist für sein Projekt „Landmarke – sicheres Navigationssystem für Feuerwehrleute“ ausgezeichnet worden. Die Prämierung erfolgte im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ als „Ausgewählter Ort 2012“ in der Kategorie Wissenschaft.

Das Projekt „Landmarke“ ist in der Sozio-Informatik beheimatet. Diese ist eine neue, am „Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien“ der Universität Siegen entwickelte Disziplin der angewandten Informatik, die sich der Erforschung und Gestaltung von Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in Freizeit und Beruf widmet.

Die „Landmarken“ sind kleine Geräte in der Gestalt von feuerwehrüblichen Türkeilen. Sie enthalten Sensor- und Übertragungstechniken und können in verschiedenen Farben blinken. Einsatzkräften der Feuerwehr, die sich in brennenden Gebäuden befinden, dienen sie als Navigationshilfe. Durch Verteilen der „Landmarken“ markieren die Kräfte wichtige Orientierungspunkte. Per WLAN sind die Geräte mit Handbedieneinheiten vernetzt. Das System erkennt automatisch, in welcher Reihenfolge die Verteilung erfolgt.

Von links: Tobias Dyrks („Landmarke“-Projekt), Hans-Willi Kehr (BF Köln), Dr. Leonardo Ramírez („Landmarke“-Projekt), Hans-Werner Bieler (Deutsche Bank), Dr. Volker Ruster (BF Köln), Prof. Dr. Volker Wulf (Uni Siegen), Dipl.-Betriebswirtin Sibel Sagdic (Initiative „365 Orte im Land der Ideen“), Berthold Penkert (IdF NRW), Thomas Dziggel (BF Köln) anlässlich der Preisverleihung. Foto: Peter Schneider

Ein einsatzpraktischer Wert des „Landmarken“-Systems ist, in besonders gefährlichen Situationen und bei plötzlichem Verlust der Orientierung diese wiederherzustellen. Ein im Innenangriff vorgehender Trupp kann beispielsweise schnellstmöglich wieder zum Gebäudeausgang zurückfinden, in dem er per Bedieneinheit gezielt die dort gesetzte „Landmarke“ anwählt und zum Blinken bringt. Falls er dieses Signal von seinem Standort aus noch nicht sehen kann, wählt er sich so lange in der Kette der gesetzten interaktiven Türkeile zurück, bis er ein Blinken wahrnimmt. So kann er sich anhand der „Landmarken“ Position für Position zum Ausgang zurück orientieren.

Unterstützung durch BF Köln und IdF Nordrhein-Westfalen

Um die „Landmarken“ als hilfreiches Arbeitswerkzeug in einsatztaktische Konzepte der Feuerwehr einbinden zu können, wurden Experten aus Feuerwehrpraxis und -schulung eng in die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten einbezogen. Dazu wurde am Anfang des Projektes in Zusammenarbeit mit dem „Institut der Feuerwehr NRW“ (IdF) und der Berufsfeuerwehr Köln die Idee aus Sicht der Feuerwehr „verfeinert“ und vor dem Hintergrund der Feuerwehr-Dienstvorschriften weiterentwickelt.

Außerdem erhielten die Projektmitglieder der Universität Siegen die Gelegenheit, bei Übungen eigene Erfahrungen als Atemschutzgeräteträger zu sammeln. Die BF Köln übernahm während des Projektes die einsatztaktische Begleitung, erklärte Oberbrandrat Dr. Volker Ruster, Leiter der Analytischen Task Force (ATF) und zugleich stellvertretender Abteilungsleiter Zentrale Einsatzdienste der BF Köln.

Wesentliches Merkmal der neuen Unterstützungstechnik sollte es sein, die trainierten menschlichen Fähigkeiten von erfahrenen Feuerwehrleuten zur Ortserkundung durch die neue Technik geeignet zu erweitern. Experimente und realitätsnahe Einsatzübungen haben gezeigt, dass moderne Funk- und Informationstechnologien generell geeignet sind, die Sicherheit und Leistungsfähigkeit von Feuerwehrleuten im Gefahrenbereich weiter zu verbessern.

Aus 2.000 Bewerbungen ausgewählt

In der bundesweiten Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ werden jährlich unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Ideen und Projekte prämiert, die einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten. Aus über 2.000 Bewerbungen wählte die Expertenjury aus Wissenschaftlern, Wirtschaftsmanagern, Journalisten und Politikern den Lehrstuhl der Universität Siegen mit seinem Navigationssystem für Feuerwehrleute als Preisträger aus. Der Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ wird seit dem Jahre 2006 von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ gemeinsam mit der Deutschen Bank realisiert.

Hans-Werner Bieler (Deutsche Bank) überreichte Prof. Dr. Volker Wulf, Leiter des Institutes für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien, die Auszeichnung als „Ausgewählter Ort 2012“ und betonte: „‚Landmarke‘ ist ein hervorragendes Beispiel für die Innovationskraft hierzulande: auf wissenschaftlichem Spitzenniveau interdisziplinär entwickelt, am echten Alltag orientiert und zukunftsfähig. Das stärkt den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Die Preisverleihung fand anlässlich des Jahresempfanges der Wirtschaftswissenschaftler der Universität Siegen statt. Dieser Empfang gab auch den Rahmen, um 17 Promovierten des abgelaufenen Jahres ihre Doktoratsurkunden zu überreichen: Darunter auch Leonardo Ramírez, der mit zu den Entwicklern von „Landmarke“ gehört.

In der Laudatio während der Preisverleihung hieß es, dass mit dieser Navigationshilfe die Einsatzkräfte ein gemeinsames Verständnis der Lage vor Ort erhielten. Zudem würde die Brandbekämpfung sicherer und effizienter. In dem Forschungsvorhaben sei praxisnah erprobt worden, wie Feuerwehrleute durch innovative Informationstechnik bei ihrer Arbeit hilfreich unterstützt werden können.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms der Deutschen Bundesregierung gefördert. Weitere Informationen können unter www.landmarke-projekt.de abgerufen werden. (Text und Foto: Peter Schneider)

Ein Kommentar zu “Navigation im Innenangriff”
  1. Trashman

    Nette Grundidee, aber nichts, was die gute alte Halteleine nicht auch leisten würde oder? Und in welche Wehr kann man sich dazu durchringen für solche Dinger Geld bereitzustellen, wenn teilweise schon die Schutzbekleidung veraltet ist? Ich kenne so viele Wehren, wo die Leute noch in orangenen Jacken rumlaufen! Außerdem könnte das System dazu verführen sich im Verqualmungsbereich „sicher” zu fühlen und auf gängige Maßnahmen zu verzichten, was bei einem Ausfall der Technik fatale Folgen hätte.

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte dich auch interessieren: