Gewalt gegen Einsatzkräfte: Neue Studie

Im Brandeinsatz angegriffen

Münster (NW) – Eine heute veröffentlichte Studie der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte belegt Erschreckendes: 2 Prozent der befragten Feuerwehrleute gaben an, innerhalb von 12 Monaten im Brandeinsatz körperlich angegriffen worden zu sein. Außerdem wird belegt, dass Rettungskräfte ein statistisch größeres Risiko haben, im Rahmen ihrer Tätigkeit Opfer von Gewalt zu werden.

FOTO: Michael Rueffer
Rund 80 Prozent der Einsatzkräfte meldeten den letzten verbalen oder nonverbalen Übergriff auf ihre Person nicht. Symbolfoto: M. Rüffer

Der Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum befragte im Mai und Juni 2017 rund 4.000 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehr- und Rettungsdienstkräfte aus Nordrhein-Westfalen. 812 davon füllten die Fragebögen aus.

Nach Erhebungen über Gewalterfahrungen von hauptamtlichen Einsatzkräften (wir berichteten), sollten nun auch freiwillige Feuerwehren einbezogen werden. Im Gesamtbild ergibt sich, dass die meisten Angriffe im rettungsdienstlichen Bereich während der Diagnose oder Therapie erfolgen. Darauf folgen aber die Einsatzsituationen “Eintreffen”,” Erkundung” und “Brandeinsatz”.

Neu ist: 80 Prozent der Einsatzkräfte meldeten den letzten verbalen oder nonverbalen Übergriff auf ihre Person nicht. 30 Prozent selbst dann nicht, wenn sie Opfer körperlicher Gewalt wurden. Dabei sagten mehr als 20 Prozent der Angegriffenen aus,  in dessen Folge psychische Beeinträchtigungen erlitten hätten. Rund 40 Prozent berichteten von körperlichen Schäden.

In der kommenden März-Ausgabe des Feuerwehr-Magazins verraten wir Euch, wie wertvoll ein Deeskalationstraining ist und welche Maßnahmen einzelne Feuerwehren ergriffen haben, um Gewaltsituationen vorzubeugen.

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In der Studie äußerten die Befragten zudem den Wunsch, in ihrer Ausbildung intensiver auf eskalierende Einsatzsituationen vorbereitet zu werden. Sowohl soziale Brennpunkte in Großstädten als auch bürgerliche Wohngebiete sind besonders betroffen.

Die Studie erfolgte mit Unterstützung des Ministeriums des Innern sowie des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, der Unfallkasse NRW und der komba gewerkschaft.

Das Feuerwehr-Magazin setzt sich dafür ein, dass verbale Gewalt und Übergriffe auf Einsatzkräfte konsequent zur Anzeige gebracht und statistisch erfasst werden. Nur so kann die Politik mit verlässlichen Zahlen konfrontiert werden und ihrerseits Gesetze zum Schutz von Feuerwehrleuten entwickeln.

Dafür hat die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft ein Online-Formular entwickelt.

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