Wildschweine stoppen Regionalexpress

Aumühle (SH) – Ein Regionalexpress auf der Fahrt von Rostock nach Hamburg ist am Sonntagabend in eine Gruppe von Wildschweinen gefahren. Einsatzkräfte mussten die 500 Reisenden in Aumühle (Kreis Herzogtum Lauenburg) aus dem defekten Zug evakuieren.

Der RE war nach dem Zusammenstoß mit den Tieren auf dem Fernbahngleis stehen geblieben. Dort gibt es keinen Bahnsteig, denn hier fahren die Züge – darunter die ICE zwischen Hamburg und Berlin sowie Güterzüge – eigentlich ohne Stopp durch den Bahnhof. Eine Schutzmauer trennt dieses Gleis von den beiden anderen Gleisen, die an den Bahnsteig grenzen.

Gegen 23 Uhr hatte die Leitstelle nach einem Notruf der Bahn Großalarm für die Feuerwehren aus Aumühle, Wohltorf, Wentorf und Börnsen sowie die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) des Rettungsdienstes aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg ausgelöst. 70 Feuerwehrleute und 60 Helfer der SEG rückten daraufhin am Aumühler Bahnhof an, um die Polizei bei der Evakuierung der Passagiere zu unterstützen. „Beim Zusammenstoß wurde im Zug niemand verletzt“, erklärte Norbert Brackmann, der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes.

Die Bahn schickte einen Notfallmanager zur Einsatzstelle und stellte den Strom der Gleise und Oberleitungen ab. Erst als das erledigt war, konnte die Evakuierung über das Gleisbett beginnen. Brackmann: „Einigen Fahrgästen musste tatkräftig unter die Arme gegriffen werden, aber ansonsten kamen alle relativ selbstständig aus dem Zug und in den Bahnhof.“ Die Einsatzkräfte halfen unter anderem zwei Blinden und mehreren Menschen mit Behinderungen aus dem Zug. Zur Weiterfahrt wurden für die Reisenden Busse und Taxis organisiert.

Nach einer Stunde alle evakuiert

„Eine Stunde nach dem Alarm hatten wir alle Fahrgäste evakuiert, das ist eine gute Leistung“, zeigte sich Karl-Arnim Samsz, der Chef der Aumühler Feuerwehr, zufrieden. „Die Gedanken für solche Szenarien hat man natürlich im Kopf, wenn man an so einer Bahnstrecke zuständig ist. In einem großen Planspiel hatten wir auch genau hier im Aumühler Bahnhof schon einen Zugunfall theoretisch durchgespielt.“ Ein glücklicher Umstand sei gewesen, dass der Zug im Bahnhof stoppte und nicht auf freier Strecke im Sachsenwald stehen blieb. Dort ist nur schwer an die Gleise heranzukommen, eine Evakuierung wäre viel aufwendiger geworden.

Von Aumühle aus konnte der RE nicht aus eigener Kraft fortfahren. An der Front des Triebkopfes mussten die Feuerwehrleute stark zerstörte Bauteile mit einem Trennschleifer entfernen, damit der Zug abgeschleppt werden konnte. „Ich bin 28 Jahre bei der Bahn, aber so ein Trara habe ich noch nicht erlebt“, erkläre die Schaffnerin, nachdem sie mit ihren Kollegen als Letzte aus dem Regionalexpress gestiegen war. „Der Einsatz hat gut geklappt, die Abschnittsbildung, die bei so einer Situation immer wichtig ist, lief so, wie wir es geübt hatten“, zeigte sich Amtswehrführer Ralf Kreutner zufrieden. (Text & Foto: Timo Jann)

3 Kommentare zu “Wildschweine stoppen Regionalexpress”
  1. Als Insasse dieses Zuges frage ich mich, wieso der Großalarm erst um 23Uhr ausgelöst wurde. 1h und 45min nachdem der Zug in die Wildschweine fuhr.
    Als die Evakuierung nach der langen Wartezeit startete, ging es dann aber wirklich schnell.

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte dich auch interessieren: