Nach vermeintlicher Alarmierung verunglückt

Rheda-Wiedenbrück (NW) – Auf der Fahrt zum Feuerwehrgerätehaus verunglückte am Freitagabend ein Feuerwehrmann des Löschzuges Rheda (Kreis Gütersloh). Der 42-jährige sowie der Fahrer eines Opel Corsa wurden leicht verletzt. Der Feuerwehrmann hatte offenbar die wöchentliche Probealarmierung mit einem Ernstfall verwechselt und war zum Gerätehaus geeilt.

Zu dem Unfall kam es an einer Kreuzung. Die Ampel zeigte “Rot”, mehrere Fahrzeuge warteten ordnungsgemäß. Der Feuerwehrmann überholte die wartenden Fahrzeuge und fuhr nach Polizeiangaben “mit hoher Geschwindigkeit” mit seinem Honda Civic in den Kreuzungsbereich. Der entgegenkommender Corsa-Fahrer wollte gleichzeitig nach links abbiegen, als der Civic in die Beifahrerseite des blauen Kleinwagens prallte. Der Corsa schleuderte um die eigene Achse und  mit dem Heck anschließend gegen einen Ampelmast.

Nach Polizeiangaben wurde dem Feuerwehrmann eine Blutprobe entnommen, sein Führerschein sichergestellt. Der Schaden wird auf rund 6.500 Euro geschätzt, der Kreuzungsbereich war rund eine Stunde gesperrt.

“Feuerwehrleute dürfen auf dem Weg zum Feuerwehrgerätehaus bei eilbedürftigen Einsätzen Sonderrechte nach Paragraph 35 der Straßenverkehrsordnung (StVO) in Anspruch nehmen”, erläutert Ulrich Strecker, Leiter der freiwilligen Feuerwehr. Beim Überschreiten eines Tempolimits, Fahren bei Rotlicht oder Befahren einer Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung müssten sie aber eine besondere Sorgfaltspflicht walten lassen”, so Strecker weiter. (Foto: Andreas Eickhoff)

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28 Kommentare zu “Nach vermeintlicher Alarmierung verunglückt”
  1. Robert der Gesegnete

    Ich kann nur jedem Mitglied einer Hilfsorganisation raten nicht über eine rote Ampel zu fahren mit einem privaten Fahrzeug nach Alarmierung.

    Denn der Grundsatz steht fest: “Wer Andere gefährdet oder schädigt um Anderen Hilfe zu leisten ist kein Retter!!!”

  2. Eigentlich finde ich es nicht gut, hierüber zu urteilen… aber: wenn das wirklich so passiert ist, dann gehört der Führerschein abgenommen. Schade, dass manche Kameraden auf der Anfahrt zum FGH das Hirn einfach ausschalten, eigentlich sollten gerade wir es doch besser wissen!? … und wenn dann noch Alkohol im Spiel war…

  3. @ Marc: Dann urteile nicht!

    Ohne zu urteilen mal eine ganz praktische Frage: Einsatz- mit Probealarm vertauscht??? Verstehe ich nicht…

  4. Wenn sich das Ganze wie im Artikel beschrieben zu trug, ist das natürlich nicht gut. Grundsätzlich ist man mit §35 StVO schlecht beraten, wenn man mit dem Privatfahrzeug fährt. Und wenn schon Rotlich, dann nicht mit “hoher Geschwindigkeit”. Ruhig, langsam, umsichtig. Auf der anderen Seite ist Freitagabend für die wöchentliche Probe nicht so toll. Bei uns ist es samtags 10 Uhr.

  5. Erst einmal wünsche ich beiden Beteiligten eine gute Genesung.
    Zu anderen, hierüber zu urteilen steht nur der Polizei zu und sich in seinem Privatfahrzeug auf den §35 StVO zu verlassen ist vielleicht nicht ganz sinnvoll, denn da geht es nur um die Regelung wer Sonderrechte benutzen darf. Wichtig ist dann der Absatz (8)
    Dann heißt es auch noch im Absatz (1) “… soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist. ” Wie soll man das wissen wenn man nicht mal mitbekommt das es sich um ein Probealarm handelt, ausser bei Sirenenalarm.
    Zum anderen stellt euch mal die Frage, wie viel Zeitersparnis hat man wirklich wenn man schneller fährt und die Verkehrszeichen missachtet. Ich denke mal das es nicht allzu viel ist, aber wenn man die Scheuklappen nicht ganz runterklappt kommt man viel entspannter am FGH an. Man kann schneller fahren aber dann mit Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer, denn wie sollen die wissen das da ein Feuerwehrmann im Einsatz ist. Die Schilder/Dachaufsetzer übersieht man leicht, ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht aber nicht. Ich persönlich finde es auch gut dass das Blaulicht noch nicht für Privatfahrzeuge zugelassen sind, stellt euch mal vor , beim Einsatz kommen 20 – 40 Fahrzeuge aus aller Richtung mit Blaulicht, die armen Verkehrsteilnehmer. Also kommt gut zum und vom nächsten Einsatz tu eurer Familie zurück.

  6. jensm002

    Hallo zusammen,

    die Inanspruchnahme von Sonderrechten nach § 35 StVO ist mit Privatfahrzeugen mehr als problematisch.
    Sollte es zu einem Unfall kommen, sind erhebliche Konsequenzen zu erwarten. Ob nun ‘eilbedürftiger Einsatz’ oder auch nicht. Die Straßenverkehrsordnung ist als Teil des Straßenverkehrsgesetzes Bundesrecht, auch etwaige ‘Sonderregelungen’ einiger Landkreise, Städte und/oder Bußgeldstellen sind da nicht unbedingt maßgeblich. Wenn’s ‘eng’ wird, bleibt es am Fahrer hängen. Man darf den Unterschied zwischen ‘wird von der Verfolgung abgesehen’ (Opportunitätsprinzip bei Ordnungswidrigkeiten) und ‘ist erlaubt’ nicht verwechseln. Bei Straftaten (z.B. Fahrlässige Körperverletzung bei einem Verkehrsunfall) gibt es diesen Spielraum nicht mehr -> Legalitätsprinzip.
    Fahrzeuge, die Sonder- und ggfs. Wegerechte in Anspruch nehmen, müssen für andere VTN als solche erkennbar sein. Das regelt u.a. die StVZO nebst Ausführungsvorschriften.
    Ich rate dringend von der Inanspruchnahme des § 35, respektive des § 38 der StVO mit Privatfahrzeugen ab und finde solche Aussagen, wie im Artikel getroffen, bedenklich.

  7. Ich finde es viel problematischer, egal ob vermeintlich Probe-oder Realalarmierung,unter Alkoholeinfluß (ja, wenn es denn stimmt) zum Einsatz fahren zu wollen. Wenn ich etwas getrunken habe, gehöre ich meiner Ansicht nach nicht auf Feuerwehreinsätze. dabei spielt es m.E. keine Rolle ob rote Ampeln überfahren werden dürfen oder nicht. Ein alkoholisierter FM schadet nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Kameraden, vom Imageproblem mal ganz zu schweigen…………

  8. zur Ergänzung der Originaltext der Polizei im Kreis Gütersloh (NRW)

    Polizei Gütersloh
    08.10.2011 | 19:41 Uhr
    POL-GT: Verkehrsunfall mit zwei Leichtverletzten

    Rheda-Wiedenbrück (ots) – Rheda-Wiedenbrück ( LG) Am Freitag, den 07.10.11, gegen 18.33 Uhr, befuhr ein 26-jähriger Rheda-Wiedenbrücker mit seinem Pkw die Hauptstraße aus Wiedenbrück kommend in Fahrtrichtung Rheda. An der Einmündung Hauptstraße / Oelder Straße beabsichtigte er nach links abzubiegen. Da für den Gegenverkehr auf der Schloßstraße bereits Rotlicht galt, setzte er zum Linksabbiegen an. Im gleichen Moment kam ihm ein 42-jähriger Rheda-Wiedenbrücker mit seinem Pkw entgegen. Dieser befuhr die Schloßstraße aus Rheda kommend in Fahrtrichtung Wiedenbrück, überholte trotz Rotlicht, die vor der Lichtzeichenanlage wartenden Fahrzeuge und fuhr mit hoher Geschwindigkeit in den Edinmündungsbereich ein. Dort prallte er dann frontal in die rechte Fahrzeugseite des abbiegenden Pkw. Beide Fahrzeugführer zogen sich infolge der Kollision leichte Verletzungen zu, die ambulant in einem Wiedenbrücker Krankenhaus behandelt wurden. An den nicht mehr fahrbereiten Fahrzeugen entstand ein Gesamtsachschaden in Höhe von 6.500 €. Da der verursachende Fahrzeugführer unter dem Einfluss alkoholischer Getränke stand, wurde ihm eine richterlich angeordnete Blutprobe entnommen und sein Führerschein beschlagnahmt.

    Kreispolizeibehörde Gütersloh
    Leitstelle
    Herzebrocker Str. 142
    33334 Gütersloh

  9. @ jensm002

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    Vielleicht werden jetzt mal so langsam die ewigen Diskussionen hier aufhören, die sich um dieses Thema StVO und dergleichen handeln.

    Bei uns wurden vor einiger Zeit einige Kameraden geblitzt und ALLE durften zahlen!
    Und das hat mir noch nicht mal Leid getan.

    Also!
    Immer schön achtsam und legal,
    dann klappt`s auch mit dem nächsten Einsatz.

  10. Probealarm mit Einsatzalarm verwechselt, Blutprobe entnommen -lässt tief blicken. Wenn die Probe positiv ausfällt bleibt meiner Meinung nach nur ein Aussschluss aus der FFW

  11. HBM Peter Müller

    Ich verweise auf den §1 der Strassenverkehrsordnung hin. Der besagt eigentlich alles.Sonderrechte mit dem Privat-PKW sind zwar in gewissem Maße
    erlaubt aber ich halte das auch für bedenklich. Also lieber nicht bei rot
    über die Ampel

  12. Notrufprotokoll

    Ich finde, dass das hier ein klasklarer Fall ist, und es absolut nichts zu diskutieren gibt.

    Wir haben hier einen FFWler, der zu einer Alarmierung (Ob jetzt Probealarm, Ölspur oder Feuer mit Menschenleben in Gefahr ist völlig egal) mit überhöhter Geschwindigkeit im Gegenverkehr über eine rote Ampel gefahren und einen Unfall verursacht hat.

    Das ist strafrechtlich neben diversen Ordnungswidrigkeiten eine Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässige Körperverletzung.

    Was ich aber viel schlimmer finde, ist die moralische Seite.
    Er ist in der Feuerwehr, um anderen zu helfen, und fährt zu einem vermeintlichen Einsatz in einer Art und Weise, die sämtliche übrige Verkehrsteilnehmer erheblich gefährdet und sogar verletzt hat. Laut Polizeibericht kann man von Glück reden, dass es keine Toten gegeben hat.

    Für mich bleibt hier neben den strafrechtlichen Konsequenzen nur der Ausschluss aus der Feuerwehr, denn so ein Verhalten ist mit dem, für was wir stehen, absolut nicht vereinbar, und dieser Kamerad hat mit seiner Fahrweise indirekt das Ansehen der kompletten Feuerwehr heruntergezogen.

    Ich hoffe außerdem inständig, dass die Blutprobe nur routinemäßig genommen wurde, und hier nicht auch noch Alkohol im Spiel war.

    Ein solch dermaßen dummes Verhalten schockiert mich, und macht mich einfach sprachlos.

    Generell zum Thema Sonderrechte im Privat-PKW:

    Gaaaaaanz heißes Eisen. Desto weniger, desto besser. Ein bisschen schneller fahren und regelwidrig parken sind in der Regel problemlos möglich, alles darüber ist schon wackelig.

    Rote Ampeln und Stopp-Schilder zu überfahren oder die Vorfahrt zu missachten sowie Rasen dagegen sind durch §35 ohne ausreichende Kenntlichmachung, insbesondere durch ein Einsatzhorn und Blaulicht (*), nichtmehr abgedeckt. Damit verstößt man gegen §35 (8), und begeht zum einen eine Ordnungswidrigkeit, im Falle eines Unfalles auch eine Verkehrsstraftat.

    Also: Lieber eine Minute später am Gerätehaus, als gar nicht!

    (*) Bevor das wieder losgeht: Ich weiß, dass Blaulicht und Einsatzhorn zu §38 StVO gehörem, jedoch zeigen diese bei einer Einsatzfahrt auch die Inanspruchnahme von Sonderrechten an, und warnen andere Verkehrsteilnehmer, weshalb mit ihnen mehr möglich ist als ohne. Das sehen auch die Gerichte so.

    Just my 2 cents

  13. Bei der Inanspruchnahme von Sonderrechten ist immer umsichtig zu handeln. Dies gilt besonders, wenn die Berechtigung für andere Verkehrteilnehmer nicht zu erkennen ist. Eine wegerecht besteht mit Privatwagen in KEINEM Fall!

    Falls es wirklich eine Unklarheit über Probe- oder Einsatzalarm gegeben haben sollte (z.B. Probealarm zu ungewöhnlicher Zeit) sollte man auf jedes Sonderrecht verzichten!

    Sollte hier eine Alkoholisiergung bestanden haben, die zu einer Verkehruntüchtigkeit geführt hat und davon ist aufgrund der Pressemitteilung auszugehen, muss an der Einsatzfähigkeit gezweifelt werden und dann hätte die Fahrt unterbleiben müssen und können!

  14. medic911

    Erst mal alles gute den beiden…

    So jetzt mein Senf^^

    1.Es kann passieren das man die Probealarmierung verwechselt ist mir auch schon und anderen Kameraden passiert.Zumal wenn dann an dem Tag der Melder mal schlechten empfang hat und man keine Durchsage bekommt ist es schwer das dann zu wissen.

    2.Ich fahre ebenfalls ETWAS zügiger zum Gerätehaus und ich habe auch eine Ampelkreuzung auf dem Weg dahin über die ich bei rot drüber fahre,ABER: ich fahre nie in dem Tempo darüber das ich auf freier Strecke habe sondern bremse runter so das ich gefahrlos sehen kann ob jemand darüber will oder nicht und wenn jemand gerade fahren will oder kurz davor dann warte ich eben die paar Seckunden und fahre dann darüber.
    Ich denke wenn man es so macht ist das Risiko sehr minimal das es zum VU kommt.
    @Notrufprotokoll:
    1.Bevor man etwas postet sollte man prüfen ob die Angaben stimmen die man verbreitet!!!
    Es ist völliger Schwachsinn zu behaupten schnelleres fahren,Stopschild und rote Ampel werden nicht mehr gedeckt im Privat-PKW mit §35!!!Wo bitte soll das stehen?!siehe Urteil LG Stuttgart!!!
    2.Wer lesen kann ist klar im Vorteil!!!§38 sagt EINDEUTIG Blaulicht in verbindung mit dem Einsatzhorn ordnet WEGERECHT an!!!
    Blaulicht alleine gibt keine Wegerechte es zeigt einzig an eine Wahrnung und Sonderrechte.
    NOCHMAL: SONDERRECHTE SIND KEINE WEGERECHTE!!!!!!!!!!!!

  15. Thunder McNeil

    Okay, Probealarm mit Ernstfall verwechselt ist eine Sache. Ist mir auch mal passiert. War bei mir aber ein Fehler der Leitstelle die versehentlich nicht nur den Probealarm, sondern gleichzeitig auch einen Zugalarm rausgegeben hat. Die Alarmmeldung war aber nur Unvollständig. Genannt wurde einer unserer Typischen Unfallschwerpunkte (Also nur “Einsatz LZ1 – K59 Kreuzung L400”) sonst nichts, daher dacht ich läusfte mal lieber da ich Erfahrungsgemäß von VU P-Klemm ausgegangen bin. War aber nichts. Zum Glück.

    Zu der Sache mit bei Rot über die Ampel fahren: So was sollte man im Privat-PKW grundsätzlich unterlassen. Zur eigenen Sicherheit, und zur Sicherheit anderer.
    Da sollte man sich eher an den Satz: “Lieber etwas langsamer fahren und 1 Minute später ankommen, als zu schnell fahren und gar nicht ankommen.” halten. Man muss ja nicht unbedingt das erste Fahrzeug erwischen das ausrückt. (Ich geh jetzt mal von einer größeren Löschgruppe mit mehr als einem Fahrzeug aus.)

    Ich selbst bin nur selten mit dem PKW zum Gerätehaus unterwegs da ich von Zuhause aus zu Fuß laufen kann, aber das ein oder andere mal kam ich nicht drumherum das Auto zu nehmen und ich fahre immer gesittet aber doch zügig. Besonders da ich letzten Winter bei 20 Zentimeter Schnee auf einer nur leicht freigefahrenen Straße in der Kurve etwas in Rutschen gekommen war. Glücklicherweise nichts passiert, ich war ja nicht ganz so schnell (ca. 40 eben der Witterung entprechend) aber wenn da einer geparkt hätte wo ich langgedriftet bin dann hätte es auf jeden Fall Probleme gegeben.
    Okay, ich gebe zu, einmal bin ich auch über ‘ne Rote Ampel gefahren, aber, und jetzt kommt das aber, ich habe zuerst angehalten, und es war nirgendwo, weder hinter mir, noch vor mir, noch links oder rechts jemand zu sehen. Gut, es war etwa halb elf abends, da ist das normal. Eine Gefärdung anderer war somit ausgeschlossen und die Ampel war auch schon länger Rot. (Ist eine der Ampeln wo man sich fragt: “Wird das Heute noch mal was?”)
    Das war aber auch eine sehr sehr seltene Ausnahme die ich nur einmal und nie wieder gemacht habe, was auch teilweise am Alarmstichwort gelegen hat. (Feuer 3 – Brennt Industriehalle.)

    Das Thema Alkohol und Freiwillige Feuerwehr ist für mich zwar nicht so relevant da ich kaum was alkoholisches trinke, aber ich würde sagen dass man, wenn man mehr als 1 Bier drin hat es sein lassen sollte. Bei Schnaps oder anderen “härteren” Getränken dieser Art würde ich sogar sagen einer reicht dass man nicht mehr mitfahren sollte.

  16. Notrufprotokoll

    @medic911:

    1. Gerne.

    Urteil des OLG Stuttgard vom 26.04.2002:

    “Einem Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, das nach Auslösung eines Alarms mit seinem privaten Pkw zum Feuerwehrhaus fährt, stehen grundsätzlich die Sonderrechte des § 35 Abs. 1 StVO zu. Diese dürfen aber mangels ausreichender Anzeigemöglichkeit ihres Gebrauchs nur im Ausnahmefall nach einer auf den Einzelfall bezogenen Abwägung nach Notstandsgesichtspunkten unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden, wenn dies zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist. Mit einem privaten Pkw, der keine Signaleinrichtungen wie ein Feuerwehrfahrzeug aufweist, sind daher allenfalls mäßige Geschwindigkeitsüberschreitungen ohne Gefährdung oder gar Schädigung anderer Verkehrsteilnehmer statthaft”

    2. Eine etwas andere Meinung, ein Zitat aus einer Empfehlung von Prof. Dr. jur. Dieter Müller von der Hochschule der Polizei Sachsen zum Thema Sonderrechte in Privat-Fahrzeugen:

    “[…] ist das Überfahren einer Lichtzeichenanlage, die Rotlicht zeigt, für Feuerwehrangehörige in Privatfahrzeugen nur in ganz wenigen Ausnahmefällen als rechtmäßige Nutzung von Sonderrechten denkbar sein.
    Dies kann z.B. bei Alarmierungen in der Nachtzeit gelten, wenn sich der Feuerwehrangehörige darüber vergewissert hat, dass an einer Lichtzeichenanlage mit für ihn rotem Lichten weit und breit kein anderes Fahrzeug in Sicht ist. Sind andere vorfahrtsberechtigte Fahrzeugführer vorhanden, ist das Überfahren des Rotlichtes mit Privatfahrzeugen rechtswidrig.”

    2. Foglich begehst du mit dem Überfahren einer roten Ampel zur Tageszeit und bei weiteren Verkehrsteilnehmern zwei Verkehrsordnungwidrigkeiten, verstoß gegen §§ 35 (8) und 37 (2) StVO.

    3. Ich habe nirgendwo geschrieben, dass Blaulicht und Einsatzhorn rechtlich etwas mit Sonderrechten zu tun haben.
    Allerdings zeigen diese an, dass das Fahrzeug Wegerecht hat UND SONDERRECHTEN IN ANSPRUCH NIMMT.
    Die anderen Verkehrsteilnehmer werden also auch vor der nicht vorschriftsmäßigen Fahrweise des Fahrzeuges gewarnt.
    Daher ist damit eine weitreichendere Abweichung von den Vorschriften der StVO möglich.

    @Thunder McNeil: Dein Beispiel ist ein Idealbeispiel dafür, wo das Überfahren einer roten Ampel mit einem Privatfahrzeug durch §35 gedeckt ist.

    Das schnelle Erreichen der Wache (und damit der Einsatzstelle) war dringend Notwendig in Anbetrecht der Gefahren der Einsatzlage, und einer Überfahren der roten LZA gefahrlos möglich.

    Übrigens, auch das vergessen viele: Ein Abweichen der StVO, also ein Nutzen seiner Sonderrechte, ist nur möglich, wo es dringend Notwendig ist!
    Also kommt eine Inanspruchnahme nur bei Einsätzen mit Menschenleben in Gefahr (z.B. Menschenrettung, Erstversorgung, Türöffnung RD) oder bei erheblichen reelen Gefahren, wie etwa Menschengefährdung, erheblich Sachschädigung oder erheblicher Umweltgefährdung (z.B. Wohnungsbrand, Gefahrguteinsatz oder Unfall auf der Autobahn) in Frage, aber nicht zu einer Ölspur, einem brennenden Mülleimer oder einer Tierrettung in Frage.

    Schönes Wochenende

  17. Man was seid ihr alle schlau dass ihr alles besser wisst und vor allem besser gemacht hättet! Mit euch würde der Menschheit kein Fehler mehr passieren! TOLL!

  18. Notrufprotokoll

    @Horst: Was soll ein solcher Beitrag? Der Inhalt meines Beitrages sollte GRUNDWISSEN für jeden FFler sein, der Sonderrechte im Privat-PKW in Anspruch nimmt.

    Zum Thema besser machen: Schlechter als der Kamerad, um den es im Beitrag geht, kann man es gar nicht machen. Und das als Fehler zu bezeichnen finde ich gelinde gesagt peinlich!

    Oder ist dein Kommentar irgendwie anders zu verstehen?

  19. @Notrufprotokoll:

    Das mit den Sonder/Wegerechten auf dem Weg zum Gerätehaus ist schon richtig nur wie soll jemand wissen ob es um Menschenleben geht oder nicht wenn er keinen Melder mit Display hat der ihm anzeigt was ist??

    Ich z.B. hane nur nen Melder der mir sagt das nen Probealarm/Alarm ist und nicht was genau das erfahre ich und sicher viele andere hier auch erst am/im GH.

  20. @Matze: Sorry, aber selbst in der Annahme, dass Menschenleben in Gefahr sein könnte. sollte man nicht alkoholisiert zum Einsatz fahren!!!

  21. @sven

    das stimmt schon, nur Notrufprotokoll ist ja davon ausgegangen das jeder der in der FF ist bei nem Alarm weiß um was es geht und darauf bin ich eben eingegangen.

  22. Notrufprotokoll

    @Matze: Ich hab ehrlich gesagt noch nie von solchen Meldern gehört, ich dachte man bekommt immer ein Stichwort, entweder auf den Melder bei DME, oder als Alarmierungsdurchsage bei einem FME, aber man lernt ja nie aus.

    Falls ihr solche Melder habt, dann ist das wie bei den Wehren, die noch komplett über Sirene alarmiert werden:
    Da man die Situation nicht kennt, kann man auch keine Sonderrechte in Anspruch nehmen, da du ja die vom Gericht geforderte Abwägung nach Notstandgesichtspunkten nicht durchführen kannst.

  23. @Notrufprotokoll:
    Aber du musst ja in einem solchen Fall davon ausgehen das Menschenleben/bedeutende Sachwerte in Gefahr sind, oder warum sollte sonst jemand die FW rufen? Ich in dem Fall bin noch so ausgebildet worden, das ich auch dann Sonderrechte(stark stark eingeshränkt) in Anspruch nehmen kann.

  24. Notrufprotokoll

    @Matze: Also bei uns haben 90% der Einsätze nichtmal ansatzweise etwas mit Menschenleben zu tun, und das wird bei euch ebenso sein.
    Bei dieser unklaren Grundlage und dieser Wahrscheinlichkeit einer akuten Gefährdung ist das viel zu nebulös für Sonderrechten, das kann bei einem Unfall böse rechtliche Folgen haben.

    Ganz nebenbei: Willst du wirklich irgendwas riskieren, wenn du ganz genau weißt, dass es eh wieder nur eine BMA, Ölspur oder brennende Mülltonne ist?

  25. Halten wir fest:

    1. alkoholisiert hat man im Einsatz nichts zu suchen!

    2. Wegerecht besteht mit Privat-PKW in keinem Fall und Sonderrechte können und sollten nur mit größter Umsicht genutzt werden!

    3. Sind die Umstände so wie hier sollte man eher defensiv handeln…

    4. Es ist viel besser etwas später anzukommen, als überhaupt nicht – von dem Risiko für sich selbst und andere mal ganz abgesehen.

  26. @sven: da gebe ich dir voll und ganz recht, aber wenn Mann so wie wir und viele andere Feuerwehren
    Noch analog und NUR mit 5tonfolge alarmiert wird KANN man nicht wissen was ist und gena da ist immer davon auszugehen das Menschenleben und/oder bedeutende Sachwerte in Gefahr sind.

  27. Notrufprotokoll

    @Matze: Nein, genau anders rum. Da du die von gerichten gefordete Abwägung unter Notstandsgesichtspunkten nicht durchführen kannst, hast du davon auszugehen, dass es nichts akutes ist.

    Und bei den allermeisten Wehren, die noch auf diesem Wege alarmiert werden, wird es sich wohl sowieso nicht um einen Wohnungsbrand mit Vermissten handeln…

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